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Schweigeminute als Gedenken an die Opfer der Amokfahrt Trier

Schweigeminute : Gedenken an die Opfer: Um 13.46 Uhr stand das Leben in Trier heute still (Video)

Glockenläuten und Gedenkminute für die Opfer der Amokfahrt in Trier

Mit einer Schweigeminute hat die Stadt Trier heute der Opfer der Amokfahrt gedacht. Um genau 13.46 Uhr, als die Todesfahrt des 51-jährigen Trierers am Dienstag begann, hielt das öffentliche Leben für einige Minuten inne.

Es ist, als bliebe die Zeit stehen. 13.46 Uhr am Donnerstag an der Porta Nigra. Nur das einsetzende Geläut der Trierer Kirchenglocken durchdringt das Schweigen, in dem 700 Menschen vor Triers Wahrzeichen verharren. Die ersten sind schon seit dem späten Vormittag da, haben weitere Kerzen aufgestellt für die Opfer der tödlichen Amokfahrt am Dienstag.

48 Stunden danach das stille Gedenken am Porta-Vorplatz, dem offiziellen Gedenkort. Nach fünf Minuten atemloser Stille beginnt ein junger Mann zu applaudieren. Dutzende anderer folgen seinem Beispiel. Ein Signal, das die übrigen aus der Starre der pietätvollen Anteilnahme herausholt. Wie umgehen mit dem schrecklichen Geschehen? Simple Antwort: der Trauer freien Lauf lassen. So wie Benedikt (27) und Luisa (24), die sich ihrer Tränen nicht schämen. „Es hilft, seine Gefühle mit den vielen Menschen hier zu teilen.“

Tatsächlich fließen viele Tränen. Auch bei Ruth Mereiren-Gürke (65). Ihr Mann Hartmut Gürke ist am vergangenen Sonntag nach langer Krankheit im Hospizhaus gestorben. „Was für mich schon schlimm genug ist. Aber mein Mann ist friedlich eingeschlafen und nicht brutal aus dem Leben gerissen worden. Der Amok überschattet meine Trauer. Es ist mir ein großes Bedürfnis, hier zu sein.“

Auch Marita Kohl (60) ist dabei, obwohl sie „immer noch fix und fertig“ ist. Nur durch Zufall war sie am Dienstag nicht auf ihrer üblichen Mittagspausen-Route in der Altstadt unterwegs – „Sonst wäre ich jetzt nicht hier.“ Was sie maßlos ärgert, sind diejenigen, die sich ungeniert rauchend, essend oder trinkend neben die vielen Kerzen stellen, die an den Orten leuchten, an denen die Irrsinnsfahrt Todesopfer forderte: „Was sind das für Menschen, denen es an jeglichem Feingefühl und an Pietät mangelt? Die dort so tun, als wäre nichts passiert.“

Karin Dahlmann (59) hätte das Schicksal ebenfalls „leicht erwischen können“. Sie änderte am Dienstag kurzfristig ihre Einkaufspläne und war deshalb nicht auf der Route des Todesfahrers unterwegs. Am Donnerstag nimmt sie mit Kolleginnen und Kollegen von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) auf dem Kornmarkt am stillen Gedenken teil.

Fassungslosigkeit herrscht weit über die Grenzen Triers hinaus. Auch bei Dagmar El. Stark-Bastin (60), die früher in Trier studiert und gearbeitet hat und heute in Colorado/USA lebt: „Mein Herz blutet. Es geht mir wie vielen Trierern. Ich bin verstört und weine viel. Via Internet bin ich bestens informiert.“

Foto: Roland Morgen

In Rottweil ringt Thomas C. Breuer um Fassung: „Ich hätte nicht gedacht ,dass mir mal die Worte ausgehen, aber die Bilder aus meiner alten Heimat machen mich sprachlos“, sagt der 68-Jährige, dessen Karriere als Kabarettist und Schriftsteller in Trier begonnen hat: „Ich bin Trier noch sehr verbunden. Vertraute Bilder – und jetzt der namenlose Schrecken dazu. Als gäbe es derzeit nicht genug Elend auf der Welt.“