Tierwohl Schwere Vorwürfe gegen das Tierheim Trier: Welche Missstände zeigt ein Ortsbesuch? (Fotos/Video)

Trier · Nach einem Radiobericht sieht sich das Tierheim Trier harten Vorwürfen ausgesetzt. Volksfreund.de hat sich vor Ort ein Bild von den Zuständen gemacht.

Einblicke und Fotos aus dem Tierheim Trier
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Bilder aus dem Tierheim Trier

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Foto: Thorben Behring

Viele Hunde haben am Mittwoch beim Besuch aus der Volksfreund-Redaktion gerade Auslauf im Tierheim. Die Zwinger wirken aufgeräumt. Im Nebenhaus, bei den Kaninchen, füllt eine Pflegerin Stroh in einen Behälter. Hier in Zewen haben die Mitarbeiter wie jeden Tag genug zu tun.

Zurzeit steht das Haus nach SWR-Berichten in der Kritik. Der Radiosender berichtete über angebliche Missstände und verweist auf Angaben eines Insiders. Der Trierische Volksfreund hat sich vor Ort selbst ein Bild gemacht und spricht mit der Tierheimleitung. Heike Weber hat heute eigentlich einen freien Tag, aber der Terminanfrage sofort zugestimmt. Sie ist seit August 2020 Leiterin des Tierheims. Nach ihrer Darstellung sind die geschilderten Missstände teils falsch, teils aber auch längst bekannt: Die nicht ganz optimalen Unterbringungsmöglichkeiten in dem Tierheim seien ein unbestrittener Fakt.

Vorwürfe gegen das Tierheim Trier

Der Insider warf dem Tierheim zum Beispiel vor, die Hunde müssten auf dem kalten Fliesenboden schlafen. Vor Ort sieht man Hundekörbchen mit Decken. Heike Weber: „Natürlich dürfen die Hunde auf dem Boden schlafen, wenn sie das wollen. Aber müssen tun sie das natürlich nicht.“

Auch von baulichen Mängeln ist die Rede, von vermüllten und verwahrlosten Räume, Schwarzschimmel an den Wänden. Laut Leiterin Heike Weber sind tatsächlich ein Multifunktionsraum und die Spülküche von Schimmel befallen. Dies sei von dem Tierheim-Team bereits häufig angemahnt worden. Im Grunde müssten gewisse Bereiche des Tierheims abgerissen und neu gebaut werden, sagt sie. Finanziell sei das aber nur über Förder- und Spendengeld möglich.

Auch das Personalproblem sei bekannt. Auf die Überarbeitung der Mitarbeiter habe sie bereits im Dezember vergangenen Jahres hingewiesen. Im September habe sie beim Vorstand eine Überlastungsanzeige eingereicht. „Akut brauchen wir mindestens zwei, drei Tierpfleger.“ Der neue Vorstand, der seit dem 21. Oktober im Amt ist, habe sich auch bereits um neue Mitarbeiter bemüht. Derzeit arbeite man oft zwölf Stunden am Tag, das machen die Mitarbeiter aber gerade zum Wohl der Tiere. Trotz der Überlastung werde jedes Gehege täglich gereinigt. „Wir sind alle mit Herzblut dabei“, versichert Weber. Natürlich sei daher nicht jeder Bereich perfekt aufgeräumt. Bei Zeitmangel entscheide man sich für die Tierpflege.

Sicherheitsprobleme im Tierheim?

In den Berichten werden auch Sicherheitsprobleme bei der Reinigung der Hundegehege geschildert. Es seien nicht ausreichend sogenannter Schieber vorhanden. Mithilfe von Schiebern zwischen Innen- und Außenbereich können die Hunde bei der täglichen Reinigung von den Pflegern, die reinigen, getrennt werden.

Richtig ist, dass von den fünf Hundehäusern nur zwei Häuser mit Schiebern ausgestattet sind. Nur dort werden neue Hunde untergebracht, die von den Pflegern nicht einschätzen werden könnten oder die in der Vergangenheit bissig gewesen seien. Dass nur zwei Häuser mit solchen Schiebern ausgestattet sind, bemängelt auch Heimleiterin Heike Weber. Die Folge: Die Warteliste mit problematischen Hunden werde immer größer, da man diese derzeit nicht aufnehmen könne. Vor allem im Zuge der coronabedingten Rückgabewelle habe man kaum noch Hunde ohne Bissvorfälle. Derzeit stehen 15 Hunde auf der Warteliste.

 Diese Kätzchen im Tierheim in Trier-Zewen wird nicht lange auf eine neue Heimat warten. Bis dahin geht es ihm dort gut.

Diese Kätzchen im Tierheim in Trier-Zewen wird nicht lange auf eine neue Heimat warten. Bis dahin geht es ihm dort gut.

Foto: Thorben Behring

Tierheim Trier, Tierschutzverein Trier und Umgebung, Telefon 0651/9983338, montags bis freitags, 8 bis 12 Uhr, Email: info@tierheim-trier.de

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