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Schwere Zeiten für "Waldbewohner"

Schwere Zeiten für "Waldbewohner"

Wenn Ralf Kolling morgens aufsteht, ist er von feuchter Kälte und nassem Laub umgeben. Seit über einem Jahr wohnt der 36-jährige im Wald nahe bei Trier. Den letzten Winter habe er komplett draußen verbracht, berichtet er. Sein Wunsch: ein eigenes Appartment.

Trier. (QA) "In der Stadt zu übernachten ist gefährlicher als im Wald", sagt der obdachlose Ralf Kolling. Vor wilden Tieren habe er keine Angst, eher vor Diebstählen. Jeden Morgen macht sich der "Waldbewohner" auf den Weg ins Brüderkrankenhaus, wo er seine Kleidung waschen kann, ein Mittagessen und, falls nötig, medizinische Versorgung bekommt."Momentan leben hier in Trier etwa 25 Menschen auf der Straße, davon sieben im Wald", sagt Raimund Ackermann vom Verein "Streetwork Trier". Darüber hinaus gebe es eine versteckte Obdachlosigkeit: "Viele Betroffene pendeln zwischen Freunden, Einrichtungen, Justizvollzugsanstalt und Krankenhaus." Serie negativer Ereignisse

Häufig sei es eine Serie negativer Ereignisse, die Menschen in die Wohnungslosigkeit treibe. Aber: "Das Hilfsangebot in Trier ist gut", betont Ackermann. Übernachtungsmöglichkeiten biete etwa das Benedikt-Labre-Haus der Caritas, die Trierer Nothilfe spende Kleidung und Decken. Schlafsäcke und Isomatten liefere die rheinland-pfälzische Obdachloseninitiative "Platte". Der Streetworker möchte mit den Betroffenen in Kontakt bleiben, versucht sie zu motivieren und ihnen Wohnung und Arbeit zu vermitteln.Ralf Kolling, gelernter Dachdecker und Bauklempner, verlor seine Arbeit, als die Firma, bei der er angestellt war, bankrott ging. "Wegen der Arbeitslosigkeit bekam ich Streit mit meiner Mutter, und sie warf mich 1992 raus", sagt er. Seitdem habe er keine dauerhafte Bleibe mehr gefunden und auch keinen festen Job. Auf der Straße lebe er nun seit fast zehn Jahren. "In einer Einrichtung möchte ich nicht mehr wohnen", sagt der Obdachlose. "Aber ein eigenes Appartment hätte ich sehr gerne."