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Schwierige Zeugen, keine Beweise

Schwierige Zeugen, keine Beweise

Ein 83-Jähriger wird im Februar in seiner Mariahofer Wohnung überfallen und brutal verletzt. Wie dieser Überfall abgelaufen ist und ob die beiden auf der Anklagebank sitzenden 33 und 40 Jahre alten Männer tatsächlich die Täter sind, soll der Prozess vor dem Landgericht klären. Am vierten Tag sagten weitere Zeugen aus.

Staatsanwalt Wolfgang Barrot erlebt mit Sicherheit regelmäßig oder sogar täglich, wie hart die Arbeit für eine Justizbehörde werden kann. Der Fall des Rentners aus Mariahof ist dafür ein treffendes Beispiel. Denn es gibt bisher keinen einzigen klaren Beweis, der zum unzweifelhaften Nachweis der Tat dienen könnte. Die beiden Angeklagten schweigen.
So müssen die Staatsanwaltschaft und das Gericht unter dem Vorsitz von Petra Schmitz vagen Spuren nachgehen, Indizien analysieren und sowohl mit dem Erinnerungsvermögen als auch der Aussagebereitschaft der Zeugen kämpfen. Viel kam dabei bisher nicht heraus.
Das 83 Jahre alte Opfer wurde blutüberströmt und bewusstlos in seiner Wohnung von seinem im selben Haus lebenden Bruder gefunden. Der agile Rentner wurde durch diese Tat zum Pflegefall (der TV berichtete).
Zwei Männer sind angeklagt, den Rentner überfallen und dabei 2000 Euro geraubt zu haben. Zwei Indizien brachten die Ermittler auf ihre Spur. Auf einem Spazierweg in der Nähe des Tatorts fand die Spurensicherung ein Stück Packpapier mit der Adresse des 83-Jährigen.
Die Untersuchung dieses Papiers zeigte die Fingerabdrücke eines der beiden Verdächtigen, der zu dieser Zeit in der Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Dasbachstraße untergebracht war. Verdächtiger Nummer zwei kam ins Spiel, weil von seinem Handy aus mehrmals vor und nach dem Überfall das Telefon des Verdächtigen Nummer eins angewählt worden war.
Eine rechtlich gesehen dünne Basis für die Anklage, und sie wurde auch am vierten Prozesstag am Dienstag nicht dicker. Richterin Petra Schmitz vernahm zwei Zeuginnen aus dem Umkreis der beiden Angeklagten. Beide sollen Telefongespräche geführt haben, in deren Verlauf der Überfall auf den 83-Jährigen auftauchte und die einen der beiden Verdächtigen mit dieser Tat in Zusammenhang bringen.
Diese Vernehmungen verliefen ebenso zäh wie bisher der gesamte Prozess. Mit Hilfe eines Dolmetschers befragte die Vorsitzende mit der gebotenen Ruhe und viel Geduld beide Frauen, doch deren Antworten in russischer Sprache waren einsilbig und nichtssagend. Das immer wiederkehrende Muster: Daran kann ich mich nicht erinnern, das kann ich so nicht bestätigen.
Auch zuerst sanfter und dann immer stärker werdender Druck der Vorsitzenden und der Hinweis, welche gravierenden Folgen eine Falschaussage haben kann, halfen nicht weiter. Als Richterin Schmitz einer Zeugin deren frühere Aussage bei der Polizei vorhielt, konterte diese, das habe sie so nie gesagt, und es sei dann wohl falsch übersetzt worden.
Der Prozess geht weiter, noch stehen Zeugen auf der Liste. Einer zeigte sich bisher unwillig, tatsächlich zu kommen, und wird wohl von der Polizei vorgeführt.Extra

Im bisherigen Verlauf des Prozesses hat ein Nachbar ausgesagt, er habe das Schlüsselmäppchen des Opfers vor der Haustür gefunden. Diese Schlüssel habe er dann an den 75 Jahre alten Bruder des Überfallenen übergeben, der ebenfalls in dem Mehrfamilienhaus in Mariahof lebt. Der Bruder hat dann die Wohnungstür des Opfers aufgeschlossen und den 83-Jährigen schwer verletzt gefunden. Ob die Balkontür in dem Moment zu oder offen war, wisse er nicht mehr. jp