1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Sechs Jahre Gefängnis nach Tankstellenraub

Sechs Jahre Gefängnis nach Tankstellenraub

Das Landgericht Trier hat einen 23-jährigen Schweicher zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der Mann hatte gestanden, die Aral-Tankstelle in der Trierer Ostallee überfallen zu haben. Sein 19-jähriger Komplize bekam zwei Jahre Jugendstrafe mit der Aussicht auf Bewährung.

Die Erleichterung muss groß sein: Nach fast sechs Monaten Untersuchungshaft und zwei Verhandlungstagen verlässt der 19-jährige Angeklagte das Landgericht Trier als freier Mann. Wenn er sich sechs Monate lang an die Auflagen wie unauffällige Drogenscreenings hält, wird seine zweijährige Jugendstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Der mitangeklagte 23-Jährige soll hingegen sechs Jahre ins Gefängnis. Beide haben gestanden, im September gemeinsam die Aral-Tankstelle in der Ostallee ausgeraubt zu haben.

Die Verfolger: Zwei Freunde sagen als Zeugen aus, wie ihnen die zu Fuß flüchtenden Räuber an der Tankstelle begegneten. "Wir sind sofort hinterhergefahren und haben versucht, die beiden Maskierten zu stellen", berichtet der 25-jährige Zeuge. An der Kreuzung Mustorstraße/Gartenfeldstraße stieg er aus seinem Auto. Ihm gegenüber stand der Räuber mit dem Messer in der Hand, mit dem er zuvor den Kassierer der Tankstelle bedroht hatte. Beide Täter liefen schließlich in verschiedene Richtungen davon.

Die Sozialarbeiterin: Eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe schildert die schwierigen Familienverhältnisse des 19-jährigen Angeklagten. Zum Zeitpunkt des Überfalls sei der gebürtige Trie rer nach zwei abgebrochenen Ausbildungen am Punkt null gewesen: "Kein strukturierter Tagesablauf, keine Ziele, Drogenkonsum. Er stand mit dem Rücken an der Wand und hatte keine andere Idee als den Überfall, um aus der Situation herauszukommen." Die Sozialarbeiterin regt an, dem Angeklagten eine sogenannte Vorbewährung aufzuerlegen (siehe Extra).

Die Staatsanwaltschaft: Katrin Schneider lobt die "enorme Zivilcourage" der beiden Zeugen. Für den 19-jährigen Angeklagten fordert die Staatsanwältin eine zweijährige Jugendstrafe mit Auflagen zu Vorbewährung. Für den 23-jährigen Angeklagten fordert sie sechs Jahre Gefängnis.

Die Verteidigung: Anne Bosch, Verteidigerin des 19-Jährigen, schließt sich für ihren Mandanten der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Verteidiger Otmar Schaffarczyk plädiert bei seinem Mandanten auf einen "minder schweren Fall" des bewaffneten Raubes mit entsprechend niedrigerem Strafmaß. Finanzielle Notlage, geringe Beute und chaotische Tatausführung sprächen für diese Abstufung, so dass vier Jahre Gefängnis angemessen seien.

Das Urteil: Das Gericht verhängt sechs Jahre Gefängnis für den 23-Jährigen und zwei Jahre Jugendstrafe für den bisher nicht vorbestraften 19-Jährigen. Vorsitzender Richter Albrecht Keimburg verweist auf die massiven Vorstrafen des 23-Jährigen: "Er ist ein ganz gefährlicher Straftäter." Auch sein Komplize sei kein harmloser Junge, sondern ein "Verbrecher", der in die Spur gebracht werden müsse. Der 19-Jährige nimmt das Urteil noch im Gerichtssaal an. Der 23-Jährige behält sich eine Revision vor.Extra

Jugendgerichtsgesetz, Paragraf 61: "Das Gericht kann im Urteil die Entscheidung über die Aussetzung der Jugendstrafe zur Bewährung ausdrücklich einem nachträglichen Beschluss vorbehalten." Paragraf 61b: "Das Gericht kann dem Jugendlichen für die Zeit zwischen Eintritt der Rechtskraft des Urteils und dem Ablauf der maßgeblichen Frist Weisungen und Auflagen erteilen. (…) Das Gericht soll den Jugendlichen für diese Zeit der Aufsicht und Betreuung eines Bewährungshelfers unterstellen. Bewährungshilfe und Jugendgerichtshilfe arbeiten eng zusammen." red/cus