Sechs Millionen Euro und kein bisschen reich

Sechs Millionen Euro und kein bisschen reich

DETZEM. Kommunalpolitisch gesehen ist Detzem die transparenteste Gemeinde in der Verbandsgemeinde (VG) Schweich. Anlässlich der Einführung der doppelten Buchführung ("Doppik") ist der komplette Besitz des Weinbauortes erfasst und bewertet worden. Alle Wertgegenstände fließen in eine Eröffnungsbilanz ein.

Nachdem der Landtag von Rheinland-Pfalz die Einführung eines neuen Haushaltsrechts, der " Doppik ", beschlossen hat, wird es bald für die Kommunen ernst. Die seit Jahrzehnten gültige kameralistische Haushaltsführung mit den tragenden Säulen Verwaltungshaushalt (laufende Ausgaben der Verwaltung) und Vermögenshaushalt (Investitionen und Schuldentilgung) wird abgelöst von Parametern, die in der freien Wirtschaft gang und gäbe sind: Ergebnishaushalt, Finanzhaushalt, Bilanzen, Produkte und Leistungen heißen die neuen Zauberworte. In der VG Schweich wurde Detzem als Doppik-Pilotgemeinde ausgewählt. "Weil der Ort eine überschaubare Größe hat und gleichzeitig über viele öffentliche Einrichtungen verfügt", begründet Bürgermeister Berthold Biwer die Wahl. Auch habe eine Rolle gespielt, dass Ortsbürgermeister Albin Merten als Betriebswirt Erfahrungen mit Bilanzen habe. Vor der Eröffnungsbilanz stand die Inventur. Gemeinde-eigene Gebäude, das Inventar, Straßen, Plätze, Wege, Wasserläufe, Rohrleitungen - hunderte Gegenstände mussten erfasst, gezählt, gewogen, gemessen, bewertet und bilanziert werden. Hier haben angehende Betriebswirtschaftler der Fachhochschule Trier auf 400-Euro-Basis wertvolle Hilfsdienste geleistet, berichtet Biwer. Zur Begleitung des Projekts seien Steuerungsgruppen aus Rat und Verwaltung gebildet worden. Der Vorteil des neuen Haushalts- und Rechnungswesens, das in der VG Schweich vermutlich zum 1. Januar 2009 verbindlich eingeführt wird, ist laut Biwer die Abbildung des Ressourcenverbrauchs und damit des Vermögensverzehrs. Im kameralistischen Prinzip, das nur Einnahmen und Ausgaben wiedergebe, sei diese Transparenz nicht gegeben. Detzem kommt mit seiner Eröffnungsbilanz auf knapp sechs Millionen Euro Bilanzsumme. Die Eigenkapitalquote ist mit mehr als 88 Prozent (5,2 Millionen Euro) sehr hoch. Daraus könne aber nicht gefolgert werden, dass Detzem reich sei, sagt Burkhard Höhlein, Leitender Verwaltungsdirektor beim Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz. Als kaufmännisches Unternehmen stünde der Ort zwar erstklassig da, aber Detzem erfülle nun mal öffentliche Aufgaben, die keine betriebswirtschaftliche Rendite nach sich zögen. Wenn sowieso alles durch Steuern bezahlt wird, wieso braucht man dann eine aufwändige Bilanz? Höhlein argumentiert so: "Wenn die Bilanzsumme sinkt, kann man sehen, dass das für den öffentlichen Zweck gebundene Vermögen geringer geworden ist, weil die Abschreibungen es gemindert haben und nicht genug neue Investitionen geschehen sind." Wenn dann auch noch das Eigenkapital sinke, könne ersehen werden, dass eine Gemeinde von der Substanz gelebt habe."Uns kauft keiner eine Straße ab"

Die Beobachtung der Vermögensentwicklung könne Haushaltsentscheidungen transparenter machen. Man dürfe aus der hohen Bilanzsumme nicht schließen, dass es Detzem wunderbar gehe, sagt auch Ortsbürgermeister Albin Merten. "Wir dürfen uns nicht blenden lassen, das ist Anlagevermögen und kein Bankvermögen", sagt der bei der Sparkasse Trier angestellte Betriebswirt. Schließlich sei nicht damit zu rechnen, "dass uns jemand eine Straße abkauft". Dennoch räumt Merten ein, dass Detzem als fast schuldenfreie Gemeinde im Vergleich zu anderen Orten sehr gut dasteht.

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