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Seidel-Kaserne und Burgunderviertel: Eine Lösung für Triers größte Sorgen

Seidel-Kaserne und Burgunderviertel: Eine Lösung für Triers größte Sorgen

Das Land wird die Seidel-Kaserne ab 2018 nicht mehr für Flüchtlinge nutzen. Oberbürgermeister Wolfram Leibe will das Areal kaufen und damit eines der beiden größten Probleme der Stadt lösen. Das andere steht schon auf der Liste.

Leere Kasse, hohe Schulden? Ein Dauerzustand im Trierer Rathaus. Doch die Finanzwelt der öffentlichen Hand ist eben nicht vergleichbar mit der eines Unternehmens oder privaten Haushalts. Auch wenn sich der Trierer Schuldenberg mittlerweile munter der Milliardengrenze nähert und die Stadt absolut kein Eigenkapital mehr hat, kann sie eine sich aktuell und überraschend bietende Chance nutzen - den Kauf und die Entwicklung der ehemaligen General-von-Seidel-Kaserne in Euren.

Die Finanzen Dieser Plan kann aus zwei zentralen Gründen funktionieren. Die Gläubigerbanken, denen Trier ab 2018 voraussichtlich 900 Millionen Euro schulden wird, machen dieses Spiel mit, da die Stadt laut eigener Aussage ihre Zinsen zuverlässig tilgt. Auch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) - sie genehmigt den Trierer Haushalt - wird nach Ansicht des Trierer Oberbürgermeisters Wolfram Leibe (SPD) keine Probleme mit dem Plan haben. "Da wir mit diesem Schritt konkretes Vermögen schaffen und in die Zukunft investieren, kriegen wir das genehmigt", sagt Leibe.

Die Kaserne Die General-von-Seidel-Kaserne ist ein gut erhaltener und zentral gelegener ehemaliger Militärkomplex in Euren. Seit Mitte der 1990er Jahre stellte der dort stationierte Fernmeldebereich mit rund 260 Soldaten und 130 zivilen Mitarbeitern einen Großteil der in Trier stationierten Bundeswehrtruppen. 2009 löste die Bundeswehr den Standort auf. 2013 einigten sich die Stadt Trier und das Land Rheinland-Pfalz, die ehemalige Kaserne als Aufnahmeheim für Flüchtlinge zu nutzen.
Diese Phase wird am 31. Januar 2018 enden. "Das Land hat uns mitgeteilt, dass die Kaserne ab diesem Datum aufgrund der stark zurückgegangenen Zahlen nicht mehr als Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge genutzt werden soll", sagt Leibe. Das Heim in der Dasbachstraße in Trier-Nord sei davon nicht betroffen und bleibe vor Ort.

Der Plan Eigentümer der Kaserne ist der Bund, vertreten durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima. Mit ihr will die Stadt Verhandlungen aufnehmen, um das Areal mit einer Entwicklungsfläche von 105 000 Quadratmetern zu kaufen. "Wir haben das Erstzugriffsrecht", erläutert Triers Baudezernent Andreas Ludwig (CDU). "Natürlich wollen wir diese Chance nutzen und zuschlagen."

Das Ziel Die Stadt Trier braucht mehr Gewerbeflächen. Nach vielen gescheiterten Versuchen, beispielsweise 2015 am Kockelsberg, will die Verwaltung in der Seidel-Kaserne die lang erwarteten Flächen für ansiedlungswillige Unternehmen schaffen. "Wir haben im Flächennutzungsplan zurzeit 44 Hektar weniger Gewerbeflächen ausgewiesen, als wir brauchen", erinnert Ludwig. Das Amt für Wirtschaftsförderung werde das Projekt übernehmen. Der Kaufpreis ist zurzeit noch reine Spekulation. "Der erste Schritt wäre die Erstellung eines Wertgutachtens", sagt der Baudezernent.

Die Wohngebiete Sollten die Verhandlungen mit der Bima erfolgreich laufen und der Kauf gelingen, steht der Verwaltung ein Dreikampf der Entwicklung bevor. Denn die Stadt hat bereits zwei große Projekte auf der Liste. Diese drehen sich nicht um Gewerbeflächen, sondern um ein ebenfalls in Trier dringend benötigtes Gut. Raum zum Wohnen.
Dieser soll sowohl in der Jägerkaserne in Trier-West als auch im Burgunderviertel auf dem Petrisberg entstehen. Die Stadt kauft die Jägerkaserne und will dort Wohnraum für 1000 Menschen schaffen. Im verfallenen Burgunderviertel lebten früher Angehörige des französischen Militärs. Die Verwaltung hat die Entwicklung an die EGP GmbH übertragen, die ab 2004 den Petrisberg in ein Vorzeigequartier verwandelt hat.
Die Kaufverträge sollen noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Mindestens 25 Prozent der Wohnungen sollen Sozialwohnungen für Familien mit geringem bis mittlerem Einkommen werden.KommentarMeinung

 Die Jägerkaserne steht in Trier-West.
Die Jägerkaserne steht in Trier-West. Foto: Friedemann Vetter/Archiv
 Das Burgunderviertel auf dem Petrisberg soll nach langer Verwahrlosung neu entwickelt werden.
Das Burgunderviertel auf dem Petrisberg soll nach langer Verwahrlosung neu entwickelt werden. Foto: Friedemann Vetter
 Das Burgunderviertel auf dem Petrisberg soll nach langer Verwahrlosung neu entwickelt werden.
Das Burgunderviertel auf dem Petrisberg soll nach langer Verwahrlosung neu entwickelt werden. Foto: Ludwig Hoff/Archiv

Endlich: Hier tut sich was!Die Verantwortungsträger der Stadt Trier könnten jammern und klagen über immer weiter steigende Belastungen von der Landes- und Bundesebene, eine chronisch schlechte Haushaltslage und die enger werdenden Grenzen der Handlungsfreiheit. Viele von ihnen tun es auch. Aber trotzdem: Die Stadt Trier bewegt sich wieder. Nach gefühlten Jahren des Verharrens und der Resignation schaffen Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Baudezernent Andreas Ludwig neue Perspektiven, gehen Großprojekte an und rücken Lösungen in Sichtweite. Es ist klar zu erkennen: Hier tut sich was. Die beiden Kasernen und das Burgunderviertel sind Projekte, die Trier gewaltig nach vorne bringen können. Wenn Bund und Land mitspielen. Das sollten und müssen beide tun. j.pistorius@volksfreund.de