Seit 50 Jahren lebt die „Trierische Tonpost“ Inklusion

Trier  : Seit 50 Jahren lebt die „Trierische Tonpost“ Inklusion

Das Audiomagazin für Blinde und Sehbehinderte ist einzigartig in der deutschen Bistumslandschaft. 

Seit nunmehr fünf Jahrzehnten erscheint das Audiomagazin „Trierische Tonpost“ für Blinde und Sehbehinderte – zunächst als Weihnachtsausgabe, ab 1974 dann monatlich. Damit ist sie ein Format, wie es kein anderes in Deutschland gibt. Um dies zu feiern, haben sich rund 120 Männer und Frauen  im Bischöflichen Generalvikariat (BGV) versammelt, darunter das Team der Tonpost um Leiter Martin Ludwig, Generalvikar Dr. Ulrich von Plettenberg, Weihbischof Franz Josef Gebert, die Direktorin des Strategiebereichs Kommunikation und Medien, Judith Rupp, sowie der stellvertretende Leiter Michael Weyand, Vertreter von Behindertenverbänden, ehemalige Mitarbeiter, Ehrenamtliche und natürlich zahlreiche  Hörer der Tonpost.

Alles begann 1969, als sich die Wege von Pfarrer Heinz Schmitt, Blinden- und Gehörlosen-Seelsorger, und dem Telefonisten Richard Meyer, der selbst sehbehindert war, kreuzten. Die Idee: Informationen sollten zu den beeinträchtigten Männern und Frauen gebracht werden, wenn diese nicht selbst im Stande seien, sich Informationen zu beschaffen. Damit sei die Idee der Tonpost geboren gewesen, berichtete Martin Ludwig. Die erste Weihnachtsausgabe der Tonpost, damals noch auf einer Tonbandspule und mit einer Dauer von 30 Minuten, wurde an 50 Menschen im Trierer Raum gesendet.

„Das Fundament, das Richard Meyer und Pfarrer Schmitt damals gemeinsam gelegt haben, trägt bis heute“, versicherte Ludwig, der die Tonpost seit 23 Jahren leitet. Vieles ist seitdem geschehen und verwirklicht worden, zum Beispiel der Pilgertag für Blinde und Sehbehinderte im Rahmen der Heilig-Rock-Wallfahrt 1996, das Projekt Hörfilmkino in Zusammenarbeit mit der Abteilung Jugend im Bischöflichen Generalvikariat, Einkehrtage und Bibelwochenenden.

Ludwig dankte seinem Redaktionsteam, bestehend aus Brigitte Scherer, Arno Rietz, Marion Remmy, Nicole Hemmerling und Clemens Berwanger und allen ehemaligen haupt- wie ehrenamtlichen Mitarbeitern, den ehemaligen Zivildienstleistenden und den jungen Frauen und Männern, die einen Freiwilligendienst geleistet haben. Namentlich nannte er Georg Scheuer, der maßgeblich daran beteiligt war, die Tonpost vom analogen ins digitale Zeitalter zu überführen, und die ehemalige Tonpost-Sekretärin Rosemarie Cartiser-Berwanger, „die immer einen Blick auf das große Ganze hatte“, so Ludwig. Thomas Alt, der als Technik-Profi dem Tonpost-Team stets mit Rat und Tat zu Seite gestanden habe, überreichte Ludwig den „Goldenen Schraubenzieher auf rotem Kissen“ für seine Verdienste. Ein besonders herzliches Dankeschön ging an Klaudia Ludwig, „die beste Ehefrau der Welt“, für ihre Unterstützung.

In seiner Festrede betonte Generalvikar von Plettenberg den Informationsauftrag, den die Tonpost mit dem Aspekt der Unterhaltung kombiniere und Nachrichten auf diese Art für beeinträchtigte Menschen zugänglich mache. „Die Ortskirche von Trier versteht sich als inklusiv“, zitierte er aus dem Synodenabschlussdokument von 2016. Obwohl Inklusion (Teilhabe; das Menschenrecht darauf, dass alle Menschen ungeachtet einer Behinderung am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können) in Form der Tonpost schon lange Jahre gelebt werde, sei er doch froh, dass dieser Punkt nun endlich „schwarz auf weiß festgeschrieben“ sei. „Aus dem kirchlichen Bereich ist die Tonpost nach wie vor die einzige Hörzeitung. Damit haben wir ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der deutschen Bistümer. Das erfüllt mich mit Stolz“, verriet er.

Direktorin Judith Rupp zeigte sich in ihrem Grußwort erfreut darüber, dass die Tonpost seit Mitte der 2000er Jahre als Bestandteil der Arbeitsstelle für Blinde und Sehbehinderte dem Kommunikationsbereich angegliedert ist: „Alle Medien-produzierenden Abteilungen sind damit unter einem Dach und der Informationsfluss ist gewährleistet.“ Es sei wichtig, dass die Kirche heutzutage ein professionelles Medienangebot habe und auch Menschen anspreche, die sonst womöglich weniger im Fokus stünden. Zugleich lobte sie die Arbeit des Tonpost-Teams, das stets die Herausforderung gemeistert habe, auf dem neusten Stand der Technik zu bleiben, von der Tonbandspule über die Kassette und CD bis hin zur App, die 2019 an den Start ging.

„Ein herzliches Wort des Dankes“ richtete Weihbischof Franz Josef Gebert an alle Anwesenden: „Die Tonpost hat vielen Menschen Zugang zu Kommunikation gegeben, wo sonst keiner möglich gewesen wäre. Sie hat dem Sehen einen Klang gegeben.“

Der rheinland-pfälzische Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch dankte dem Tonpost-Team und betonte die Notwendigkeit, gesellschaftliche Teilhabe von Behinderten zu ermöglichen. „Wichtig ist auch, dass wir selbst zusammen daran arbeiten, Barrierefreiheit auf allen Gebieten umzusetzen“, ergänzte er. Weitere Grußworte sprachen Brigitte Scherer von der Abteilung Diakonische Pastoral im BGV, Dirk Zwang vom Verband der Blinden und Sehbehinderten Trier e.V., Marion Palm-Stalp von Pro-Retina Trier und Michael Jörg vom Club Aktiv Trier.

Knapp 50 Ehrenamtliche unterstützen derzeit die Tonpost und lesen die Texte ein. Rund 600 Hörer haben das Magazin abonniert, der Bezug der monatlichen rund sechsstündigen Ausgabe der Trierischen Tonpost ist kostenfrei, ebenso die Hörausgabe der Bistumszeitung Paulinus.

Ein besonderes Angebot in der Vorweihnachtszeit ist der „Klingende Adventskalender“, der zum Preis von 18 Euro per E-Mail an tonpost@bistum-trier.de oder per Telefon 0651/7105-430 bestellt werden kann. Weitere Informationen gibt es auf www.bistum-trier.de/tonpost.