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Seltene Pappeln an der Kyllmündung

Seltene Pappeln an der Kyllmündung

Die renaturierte Kyllmündung, der einzige natürliche Zufluss dieser Größenordnung in die Mosel, ist um eine Besonderheit reicher: Eine Gruppe hat dort zehn vom Aussterben bedrohte Schwarzpappeln gepflanzt.

Trier-Ehrang. Es ist eine muntere Gruppe, die sich am Vormittag auf dem noch nebligen Areal bei der Kyll einfindet. Fachsimpeln ist angesagt, wenn sich Mitglieder der Umweltverbände BUND, Nabu und Pollichia sowie dem Landesbetrieb Mobilität und der Landesforschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft aus Trippstadt für eine gemeinsame Pflanzaktion zusammentun. Schließlich geht es um die Schwarzpappel, die bundesweit auf der roten Liste der gefährdeten Pflanzen steht und vor vier Jahren der "Baum des Jahres" war. Nur noch etwa 200 Altbäume gibt es in Rheinland-Pfalz, erläutern Patrick Lemmen und Bolko Haase von der Trippstätter Abteilung für Genressourcen. Dass die Zahl der Schwarzpappeln so rapide zurückgegangen ist, hat ihre Ursachen unter anderem in den Flussbegradigungen. Die für den Baum zur Vermehrung lebensnotwendigen Kiesbänke und mäandernden Flussläufe fehlen.

Bei der vor einem Jahr renaturierten Kyll, die bereits in diesem Winter wunschgemäß ihren Lauf verändert hat, findet die Schwarzpappel die selten gewordene Flussdynamik mit Uferabbrüchen und Kiesbänken. Die Fachmänner sind sich einig: "Hier werden die genetisch geprüften Bäumchen Spitzenvoraussetzungen vorfinden." Insekten, Schmetterlinge wie der Schillerfalter und Fledermäuse erhofft sich Manfred Weishaar (Nabu) durch die Anpflanzung der Schwarzpappeln. Denn aufgrund ihres wulstigen und gekerbten Stamms bietet sie Lebensraum für seltene Tiere. Bewaffnet mit Spitzhacke, Fischerstiefeln, Spaten und einem Sack mit zehn jungen Schwarzpappeln zieht die Gruppe an die Kyll. In einem eigens ausgesuchten Bereich pflanzen die Fachleute die Bäumchen ein. Wenn der Flugsamen wie erhofft später in Richtung der Kiesbänke fliegt, sollen sich die Bäume ohne menschliches Zutun weiter vermehren.

Extra An der Mosel kommt die Schwarzpappel derzeit nur in Lothringen vor. Ein früheres Vorkommen bei Cochem verjüngte sich nicht und starb aus. Die Trippstädter Forschungsanstalt hat die zehn Bäumchen, die aus Cochem und aus Siersburg an der Saar stammen, kostenlos zum Einpflanzen an der Kyllmündung bereitgestellt. Der Landesbetrieb Mobilität hatte an der Kyllmündung im Zuge von Ausgleichsmaßnahmen unter anderem Flutrinnen geschaffen, die eine natürliche Gewässerdynamik infolge von Hochwasser, umstürzenden Bäumen und Trockenperioden in Gang setzt. Bei dem Areal handelt es sich um ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet mit mehr als 180 Vogelarten. Der Nabu bietet regelmäßig Wanderungen an. Info bei Manfred Weishaar, Telefon 06588/95115.