Senkrecht die Wände hoch

TRIER. Indoor-Klettern ist in. Seitdem die neue Arena steht, gibt es auch in Trier eine Landschaft für Kletterfans. Jetzt lud die Trierer Sektion des Deutschen Alpen Vereins (DAV) zu einer Schnuppertour an der Wand ein. 15 Jugendliche erklommen schwindelnde Höhen.

Die farbigen Tritte sehen aus, als hätte jemand Knetmasse an eine Wand geschleudert. Scheinbar wahllos verstreuen sich grüne, orange, blaue, rote und gelbe Häufchen über die große graue Wandfläche in der Turnhalle. Wo der Laie lediglich buntes Allerlei wahrnimmt, erkennt das geschulte Bergsteigerauge den Kletterpfad."So, nun den rechten Fuß auf den grünen Tritt", hilft Edmund Bambach Hannah auf dem Weg nach oben. Die Elfjährige hängt zum allerersten Mal in Hosengurt und Kletterwand. Dennoch kraxelt sie bravourös an die Spitze. Als sie kurz darauf wieder auf festem Boden steht, strahlt sie übers ganze Gesicht: "Das Schönste war das Runterkommen!"Keine Angst vor dem Abseilen

Genau das aber entpuppt sich für eine Mutter als reine Horrorvision. Hinauf war für sie kein Thema, aber herunter? "Einfach loslassen und dem Seil vertrauen", rät der passionierte Bergsteiger Bambach. Doch er hat gut reden. Wer bereits den Kilimandscharo bezwungen hat, dem kann das Abseilen kaum noch Angst einjagen. Aber als Neuling in der Kletterwelt kostet dieser Schritt eine Menge Mut. Schließlich siegt die Überredungskunst des Kernscheiders. Als Vorsitzender der Trierer Sektion des DAV sind seine Argumente offenbar stark genug."Klettern ist auch Therapie", betont Bambach den pädagogischen Aspekt des Sports. Gerade ruhigere Kinder seien schon, sowohl an der Wand als auch in den Augen der Mitschüler, in ungeahnte Höhen aufgestiegen. Da bieten sich durchaus interessante Perspektiven für Schulprojekte. Er selbst hat mit dem Ende seiner Turnerkarriere mit dem Klettern begonnen: "Wenn du keinen Salto mehr schlagen kannst, suchst du dir eben was anderes. Und bei meiner Liebe zu den Bergen lag Indoor-Klettern nahe."Obwohl Trier nicht gerade im Alpenvorland liegt, existiert seit 1913 eine Abteilung des DAV an der Mosel. Mittlerweile hat der eigenständige Verein 1100 Mitglieder, davon etwa 40 aktive Kletterer, 100 Hochtourengeher, 400 Bergwanderer. Den Rest bilden Gelegenheits-Bergsteiger. "Bisher haben wir uns aus dem Trierer Vereinsleben eher raus gehalten, das soll sich nun aber ändern", stellt Bambach fest. Werbung ist angesagt. Aktionen wie beim "Tag der offenen Tür" der Arena sollen bei den Trierern die Kletterlust wecken. Bei den Jugendlichen scheint dies zu fruchten. Bambachs Fernziel: eine feste Kinderklettergruppe.Seit der DAV in der Arena ein nahes Domizil hat, fallen die zeit- und kostenintensiven Fahrten nach Kirchberg - bisher die nächstgelegene Kletteranlage - weg.Trotz tropischer Temperaturen haben sich an diesem Tag einige Anwärter für eine solche Gruppe eingefunden. "Ich bin schon ein Mal bei ‘Trier spielt' geklettert. Und weil ich um die Ecke wohne, dachte mir, dass ich einfach mal vorbei schaue, bevor ich gleich ins Schwimmbad gehe", erzählt Lena. Nach dem Klettern wird sie Hosengurt und Karabinerhaken ganz schnell gegen Bikini oder Badeanzug eintauschen. Eine verständliche Entscheidung.