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Senkrechtstarter von der Sauer

Senkrechtstarter von der Sauer

Sein Ergebnis gehörte zu den größten Überraschungen bei der Kommunalwahl: Mit rund 75 Prozent der Stimmen wurde Rüdiger Artz (Freie Wähler) zum Ortsbürgermeister von Langsur gewählt. Dabei war der langjährige Amtsinhaber Karl-Heinrich Orth (CDU) als Favorit ins Rennen gegangen.

Langsur. (alf) In Langsur haben die Freien Wähler bei der Wahl die politischen Kräfteverhältnisse auf den Kopf gestellt: Ihr Spitzenkandidat Rüdiger Artz wurde mit 75 Prozent der Stimmen überraschend deutlich zum Ortsbürgermeister gewählt. Karl-Heinrich Orth (CDU), der 27 Jahre der Sauergemeinde vorstand, galt als Favorit, hatte aber beim Wähler keinen großen Rückhalt mehr. Von null auf acht Sitze schossen die Freien im Gemeinderat hoch. Die CDU (bisher elf Mandate) stürzte auf fünf ab; Einbußen erlitt auch die SPD (von fünf auf drei).

"Ich hab mich erst mal hingesetzt, als ich am Wahlabend das Ergebnis hörte", sagt Rüdiger Artz (55). Der Ortsvorsteher von Mesenich gehörte zwei Perioden dem Gemeinderat in Orths Riege an, war aber parteilos. Im Februar schloss er sich dann den Freien Wählern (FW) in Trier-Land an, die sich gerade aus Freier Wählergruppe und Freier Bürgerliste zusammengeschlossen hatten. Die FW überredete Artz zur Kandidatur gegen Karl-Heinrich Orth "um den Bürgern eine Alternative zu bieten". Orth war schon Wochen vor der Wahl krankheitsbedingt ausgefallen und wird immer noch im Krankenhaus behandelt.

Rüdiger Artz ist gebürtig aus Trassem und kam durch die Heirat mit einer Metzdorferin an die Sauer. Das Paar hat zwei Söhne und lebt seit 1981 im Langsurer Ortsteil Mesenich. Artz arbeitet beim Hauptzollamt in Trier, Abteilung "Finanzkontrolle Schwarzarbeit".

Als Ortsbürgermeister will er mit allen Ratsfraktionen kooperieren und auch die Bürger stärker einbinden. "Insbesondere bei größeren Projekten müssen sie auf dem Laufenden sein", sagt Artz, der die bisherigen Sprechzeiten (dienstags 18 bis 20 Uhr) beibehalten möchte.

Ein Langsurer Großprojekt, die Neugestaltung des Dorfzentrums mit Wohnungen, Geschäften, Praxen und einem Festplatz, liegt zurzeit auf Eis, weil kein geeigneter Investor gefunden wurde. "Wir bleiben aber dran", sagt Artz. "Wir machen es nicht mit Gewalt, es soll ja eine sinnvolle Sache zum Wohl der Bürger werden." Einsetzen will sich der 55-Jährige für die Ausweisung von Bauland "zu Preisen, die auch Einheimische bezahlbaren können". Auf diesen Zusatz legt Artz wert. Insbesondere die große Nachfrage aus Luxemburg hat das Bauland verteuert; Spitzenpreise von 165 Euro werden bereits in Metzdorf erreicht.

Wichtig ist für Rüdiger Artz auch, dass alle Langsurer Ortsteile gleich behandelt werden. Feste sollen wieder überall etabliert werden. "Mein Wunsch ist es, dass die Großgemeinde auch eine große Dorfgemeinschaft wird und man sich gegenseitig bei den Festen besucht", sagt der künftige Ortsbürgermeister. Auch Ausbaumaßnahmen (K 2 in Mesenich, Bau eines neuen Umkleidegebäudes am Langsurer Sportplatz) will Artz umsetzen. Zu den vielen Dingen, die Vorgänger Orth aufs Gleis gesetzt hat und die Artz nun fortführen möchte, zählt das Verhältnis zu Luxemburg. "Diese Nachbarschaft wollen wir weiter pflegen und ausbauen."