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Sich dem Gerichtsurteil beugen

Sich dem Gerichtsurteil beugen

Der Bericht über die Flüchtlingsfamilie Jahiri, die demnächst in ihre Heimat, den Kosovo, abgeschoben werden soll, hat mich bestürzt. Da ich als Kind den Zweiten Weltkrieg und die Wiederaufbauzeit danach erlebte, kann ich das Schicksal der Familie recht gut nachempfinden.

Dennoch bin ich anderer Ansicht als diejenigen, welche sich gegen die Abschiebung tapfer in die Schanze schlagen. Wer, wenn nicht der Landeseinwohner selbst, soll ein zerschundenes Gebiet nach dem Krieg wieder aufbauen? Wer hat eigentlich dort auf dem Balkan die Bürgerkriege geführt? Zu uns sind immer nur Nichtbeteiligte gekommen - bis zum Beweis des Gegenteils. Auch in Deutschland kann man wegen 200 Euro erschossen werden, und an der gestiegenen Kriminalität sind Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien als Tätergruppe überproportional beteiligt. Wenn sich die UN-Übergangsregierung mit einer zuständigen deutschen Delegation vor Ort auf die Rückführung der Flüchtlinge geeinigt hat, will ich mich eher auf deren Bewertung als auf diejenige der jetzt aktiven "deutschen Mitbürger" verlassen, die die Gefährdungslage nicht einschätzen können. Wenn die Kinder die Sprache der Eltern kaum sprechen, so handelt es sich offenbar um die einzige Ausländerfamilie in Deutschland, die zu Hause und allenthalben Deutsch spricht. Das ist einfach unglaubhaft. Zum Vergleich: Auch in Deutschland war nach dem Krieg die Sicherheitslage "zerbrechlich und unberechenbar" (Kriminalität von "displaced persons" in Siegerpose). Ich erlebte als Kind unendliche Angst, unser Haus war weg, und überall liefen Soldaten herum. Die deutsche Bevölkerung trug keinerlei Schuld an der Misere - bis auf diejenigen, die zum eigenen Vorteil die braune Pest mitgemacht hatten. Allerdings gab es kein anderes Land, das Frauen und Kinder und ganze Familien aus Deutschland aufgenommen und noch die Gerichte und Rechtsanwälte bezahlt hätte, mit denen wir unsere Aufnahme hätten erzwingen können. Sechs Asylanträge, fünf davon rechtskräftig abgelehnt, alle Verfahrens- und Anwaltskosten vom deutschen Steuerzahler bezahlt - das muss auch mal reichen. Und keine doppelten Standards bitte: Als deutscher Staatsbürger muss ich mich auch der Rechtskraft eines Urteils beugen. Wolf-Rüdiger Wulf Trier