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Sich gerade hinstellen, ist nicht so einfach

Sich gerade hinstellen, ist nicht so einfach

TRIER-ZEWEN. Mit "Kids WingTsun" steht erstmals ein ganzheitliches Bewegungs- und Wahrnehmungskonzept für die Ganztagsbetreuung an einer Trierer Grundschule auf dem Plan.

Ab September können in einer Gruppe bis zu 15 Kinder am Programm der Grundschule Trier-Zewen teilnehmen - Gewaltprävention, Gesundheit und soziales Verhalten sind genauso Teil des Konzepts wie ein "Bewegungszirkel" und der Umgang mit Verantwortung. "Der ganzheitliche Aspekt gefällt mir gut, es werden psychologische, soziale, pädagogische und bewegungstechnische Gesichtspunkte in einem Konzept zusammengefasst", lobt Schulleiter Günter Hagelauer das neue Projekt an seiner Schule. Ab dem Schuljahr 2006/2007 geht es los: "Das Projekt ‚Kids WingTsun' ist ein ganzheitliches Bewegungs- und Wahrnehmungskonzept", erklärt Constantin Mock, der die Wing-Tsun-Schulen im Bereich Trier-Saarburg leitet und seit drei Jahren verstärkt auch mit Kindern arbeitet. Das Projekt an der Zewener Grundschule führt er ab September selbst durch. "Es geht darum, verschiedene Aspekte miteinander zu verbinden: In Rollenspielen lernen die Kinder, wie sie Konflikte selbst beilegen können oder wie sie in Stresssituationen angemessen reagieren. Der richtige Umgang mit dem eigenen Körper, das heißt gesund zu leben und sich dementsprechend zu bewegen, bildet einen weiteren Schwerpunkt des Konzeptes." Dabei war Wing-Tsun ursprünglich eine Kampfsportart - das Kinder-Programm hat damit aber wenig zu tun. Durch das Erlernen neuer Bewegungsformen, die vor allem der Verbesserung der Koordination und der Feinmotorik dienen, sollen die Kinder ein bewussteres Körpergefühl bekommen. "Sagen Sie einem Kind, es soll sich ganz gerade hinstellen - und Sie merken, dass nur wenige überhaupt wissen, wie sie richtig geradestehen", sagt Mock, "und das trifft auf Erwachsene gleichermaßen zu!" In einem "Bewegungszirkel" wenden die Kinder die neu erlernten Koordinationsübungen spielerisch an. Auch das soziale Verhalten soll gefördert werden: "Das Aufstellen bestimmter Regeln ist auch wichtig. Ziel soll sein, dass ein Kind selbst erkennt, wenn es eine selbst aufgestellte Regel verletzt und warum das nicht gut ist." Durch "Patenschaften", bei denen etwas erfahrenere Kinder die Verantwortung für neue Teilnehmer übernehmen, soll ebenfalls ein verantwortungsvoller und sozialer Umgang mit den Mitmenschen vermittelt werden. "Wichtig sind auch die Händigkeits-Tests", weiß Mock, "man geht davon aus, dass ein Großteil der Rechtshänder von Natur aus mit der linken Hand stärker ist - nur erkennen das viele Eltern oftmals nicht." Durch Überkreuzen der Arme, das Zeichnen eines Kreises oder den "Kreiseltest", bei dem analysiert wird, ob das Kind den Kreisel links- oder rechtsherum dreht, soll dann die Händigkeit ermittelt werden. "Das ist besonders wichtig, weil durch die Benutzung der schwächeren Hand viele negative Folgen auftreten können - von Lernschwierigkeiten bis hin zu Minderwertigkeitskomplexen", weiß Mock. Für die Kinder ist das Wing-Tsun-Gewaltpräventionsprogramm kostenlos, allerdings soll es zunächst nur eine Gruppe geben, die auf 15 Kinder begrenzt ist. Die Kurse wechseln halbjährig, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern die Teilnahme am Programm zu ermöglichen. Trainiert wird dabei ein Mal pro Woche je eine Stunde. Für Kinder, Eltern, Lehrer und Fachpersonal ist für den 12. Juli um 20 Uhr ein Elternabend in der Grund- und Hauptschule Trier-Zewen geplant.