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Sich Zeit nehmen für die Zeit: Besuch beim Uhrmacher

Land und Leute : Sich einfach mal Zeit nehmen für die Zeit

Der Trierer Thomas Hansen betreibt im idyllischen Born an der Sauer eine der wenigen Werkstätten für Großuhren in der Region. Der TV hat ihn in seinem Atelier besucht.

Der Weg nach Born an der Sauer in Luxemburg entschleunigt bereits. Nach dem Verlassen der von hektischem Verkehr geprägten Autobahn nach Luxemburg führt eine Landstraße entlang der Sauer durch eine malerische Landschaft mit sanften Hügeln und satten Weiden. Hier, im kleinen Örtchen Born, hat Thomas Hansen vor einigen Jahren ein Uhrmacher-Atelier eröffnet: Die Horologerie Thomas Hansen. Damals wagte der gelernte Uhrmacher nach einer Phase des privaten wie beruflichen Umbruchs den Sprung in die Selbstständigkeit und entdeckte seine Nische.

Hansen ist im spanischen Valencia geboren, aber in Trier aufgewachsen und lebt auch dort. „Für mich ist schon die Fahrt zur Arbeit durch das Sauertal wie ein kleine Urlaubsreise,” sagt Thomas Hansen.

Obwohl so viele Uhren in seinem Atelier ticken und die unterschiedlichsten Schlagwerke zur halben oder vollen Stunde ertönen, strahlt dieser Ort Ruhe aus. Hansen hat sich eine Oase geschaffen, in der er die historischen Stand-, Wand- und auch Armband-Uhren restauriert und justiert.

„Die Technik ist im Grunde genommen immer ähnlich, aber was drum herum gebaut wurde, wie etwa Glockenspiele oder besondere Verzierungen, das ist immer wieder anders,“ erzählt er. Manche Ersatzteile müsse er selbst herstellen. Da sei auch manchmal Improvisation angesagt.

„Es ist erstaunlich, wie viele Menschen in Luxemburg Wert darauf legen, dass ihre Wand- oder Standuhren in Schuss sind. Ich komme im ganzen Land und in der deutschen Grenzregion herum,” sagt Hansen. Dabei lerne er die unterschiedlichsten Menschen kennen, was seinen Beruf sehr abwechslungsreich mache. Wer auf der Suche nach einer historischen Uhr ist, kann bei ihm auch fündig werden, denn er verkauft auch restauriert Uhren – von der Standuhr bis zur Armbanduhr.

Die Krönung seines Schaffens sei bislang ein Auftrag des Luxemburger Staatsministeriums gewesen. Nach der Renovierung des Gebäudes, das früher eine Niederlassung der Trierer Abtei St. Maximin war, hatte er vom Premierminister den Auftrag erhalten, mehrere Uhren des Gebäudes zu restaurieren. “Das war für mich schon eine besondere Ehre und Wertschätzung, diesen Auftrag zu erhalten,” erinnert er sich.

In der Festschrift zur Eröffnung des Gebäudes 2019 konnte er dann auch einen kleinen Artikel über die historischen Uhren schreiben. Eine dieser Uhren stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts und ist damit eine der ältesten Uhren, die er je restauriert hat. Dabei handelt es sich um eine aufwändig verzierte französische Boulle-Uhr im Stil Ludwigs XV. Sie schlägt zur halben Stunde einmal und zur vollen Stunde die angegebenen Stunden auf der Glocke und stammt aus Versailles. „Sowas sieht man nicht alle Tage,” erinnert sich Hansen, der sich mit dem Atelier einen Lebenstraum erfüllt hat.