Meine Hilfe zählt: Sie bringen junge Straftäter auf den richtigen Weg

Meine Hilfe zählt : Sie bringen junge Straftäter auf den richtigen Weg

Meine Hilfe zählt: Ehrenamtliche helfen ihren Klienten zu lernen, sinnvoll mit ihrer Freizeit und mit Geld umzugehen.

Trier Kai, 18, pendelt mit seinen Habseligkeiten von Freund zu Freund. Seine Adresse: die Trierer Unterkunft für Obdachlose. Was ist in seinem jungen Leben passiert?Mit 14 ist er in die Drogenszene gerutscht, er konsumierte fast täglich Marihuana. Später wird er seiner Bewährungshelferin sagen, dass dies in seinem Freundeskreis üblich gewesen sei. Er fällt bei der Polizei auf und lässt die Finger von Drogen. Kurzfristig. Dann greift er zu Cannabis, trinkt viel. Er wird zunehmend aggressiv. Auch gegenüber seiner Freundin. Sie zeigt ihren Freund, der die Hauptschule abgeschlossen hat, aber im zweiten Jahr der Berufsfachschule gescheitert war und keine Ausbildung macht, an. Die Folge: eine Jugendstrafe von 15 Monaten auf Bewährung.Kais Eltern hatten ihn kurz nach seinem 18. Lebensjahr vor die Tür gesetzt. Die Konflikte hatten zugenommen, die Situation war unerträglich geworden. In seiner Freizeit hat er nur abgehangen, Drogen und Alkohol konsumiert. "Er hatte in seiner Jugend ein stabiles Elternhaus und die besten Voraussetzungen für ein straffreies Leben". Auch das sagt seine Bewährungshelferin rückblickend.Aktuell geht Kai täglich zu einer Maßnahme zur Berufsfindung. Das Jobcenter hatte ihn dorthin vermittelt. Er ist pünktlich und zuverlässig. Die Begleiter der Maßnahme sind mit seinen Leistungen zufrieden. Er lässt die Finger von Marihuana und Cannabis, trinkt weniger, ist aber noch nicht trocken.Zu seiner Bewährungsstrafe gehört auch, dass er einige Auflagen und Weisungen einhalten muss. Dazu gehört unter anderem, dass der junge Mann eine Selbsthilfegruppe für drogen- und alkoholabhängige junge Menschen besucht und die Teilnahme an Fakt. Fakt ist ein Projekt von Probare, einem Trierer Verein für Straffälligenhilfe. Ziel des Vereins ist, dass die jungen Menschen ihr Leben in der Gesellschaft wieder geregelt bekommen und nicht mehr straffällig werden. Das Besondere an Probare: Der Verein wurde von Bewährungshelferinnen gegründet, die ihre Freizeit opfern, um neben ihrer eigentlichen Arbeit, noch ergänzend Gruppen und Projekte für straffällig gewordene Menschen anbieten zu können. Studentinnen der Sozialen Arbeit helfen mit. In Fakt geht es darum, dass junge Menschen wie Kai lernen, sinnvoll mit ihrer Freizeit und mit Geld umzugehen. "Es gibt verschiedene Gründe, warum junge Menschen straffällig werden", sagt Claudia Giehl, die Kais Geschichte erzählt hat. Sie ist Bewährungshelferin, Mitglied von Probare und verantwortlich für Fakt, das ebenfalls "Meine Hilfe zählt"-Projekt ist. Zwei entscheidende Gründe seien Langeweile und die mangelnde Kompetenz, mit Geld umzugehen.Fakt setzt dort an: Junge Menschen erhalten ein Budget - pro Abend und Teilnehmer acht Euro - um gemeinsam ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Giehl erklärt: "Insgesamt sollen sieben Abende von den Teilnehmern geplant und organisiert werden." Dies stärke unter anderem auch deren Selbstwertgefühl."Zum Abschluss planen die zehn Mitmachenden einen Überraschungsabend", sagt die Bewährungshelferin. Das Budget dafür ausnahmsweise: 150 Euro. Der erste Abend, ein Spieleabend, hat bereits stattgefunden. "Wie viel Spaß man mit ,Mensch ärger' Dich nicht', Knabberzeug und antialkoholischen Getränken haben kann", sagt Giehl. Kino, Bowling, Weihnachtsmarkt, Escaperoom, Plätzchen backen und Theatersport stehen neben dem großen Abschlussabend noch auf dem Programm. TV-Leserinnen und -Leser können das Meine Hilfe zählt-Projekt "Fakt - Freizeitaktivitäten und kulturelle Teilhabe" unter der Nummer 55970 mit ihren Spenden unterstützen. Elf Prozent sind bereits finanziert. Es fehlen noch 630 Euro für die weiteren, von den Jugendlichen geplanten Abende.Extra: SO SPENDE ICH

2016 wurde Probare mit dem SWR-Preis „Ehrensache“ ausgezeichnet. Foto: Martin Recktenwald (ten) ("TV-Upload Recktenwald"

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