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Sie helfen im Hospital der Hoffnung

Sie helfen im Hospital der Hoffnung

Papst Franziskus hat Fifa-Chef Sepp Blatter bei einer Audienz in Rom ermahnt: Vergesst bei der WM in Brasilien die Kinder nicht! Eine Hilfsorganisation aus dem Allgäu setzt das um. Zum Team gehören die Krankenschwestern Jutta Nickels aus Gusenburg und Ivonne Reschke aus Pluwig.

Pluwig/Gusenburg/Coroatá. Valdemi ist Gelegenheitsarbeiter. Mit seiner Frau Elisan und sechs Kindern lebt er in einem Lehmhaus am Rande einer staubigen Schotterpiste - gut eine halbe Jeepstunde hinter Coroatá im Nordosten Brasilien. Mit Maurerjobs, Hilfstätigkeiten und dem Verkauf von Brot, das er in Ofen hinter dem Haus selbst backt, versucht er, seiner Familie einen bescheidenen Lebensunterhalt zu sichern. Was eine Krankenversicherung ist, weiß er noch nicht einmal. Valdemis einjährige Tochter Emilly ist mit einer Lippen- und Gaumenspalte auf die Welt gekommen. Operiert man das Kleinkind nicht, wird es nie sprechen lernen, immer Probleme beim Essen, Trinken und Atmen haben.
Selbst, wenn die Familie genug Geld hätte, um eine Operation zu bezahlen: Es gibt in der ganzen Provinz Maranhão keine spezialisierten Chirurgen. Doch Valdemi weiß, an wen er sich wenden kann: an Veronica, eine Solanus-Schwester der Franziskaner aus dem Bayerischen Wald, die seit 22 Jahren ein winziges Hospital im Regenwald bei Coroatá betreibt. Die deutsche Nonne kümmert sich unermüdlich um kranke Menschen und organisiert einmal im Jahr, dass deutsche Ärzte zwei Wochen lang kranke Kinder und hilfsbedürftige Erwachsene operieren. Über die Kirchen macht Schwester Veronika den OP-Termin publik. Und Hunderte machen sich auf dem Weg, zum Teil nehmen sie tagelange Anreisen auf sich.
"Nur Schwester Veronica kann uns helfen", war auch Valdemi überzeugt. Zusammen mit seiner Frau brachte er Emilly ins Urwald-Hospital. Um die Kinder mit dem gesunden Zwillingsbruder Davi kümmerte sich die Verwandtschaft im Dorf. "Emilly hat Probleme beim Essen. Und sobald sie einen Schnupfen hat, wird es ganz schwierig, sie kann dann kaum atmen", begründet Mutter Elisan die Dringlichkeit.
Für die Münchner Chirurgen Dr. Stefan Hessenbergern und Dr. Denys Löffelbein ist das Operieren einer Lippen-Gaumen-Spalte Routine. Die Herausforderung ist allerdings, diesen Eingriff unter Urwald-Bedingungen zu machen.
35 Grad, auch nachts, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, sowie die ständige Gefahr, von einer Schlange oder Vogelspinne gebissen zu werden. Alle Geräte sind völlig veraltet.
Zum Interplast-Team, das nach Coroatá fährt, gehören seit Jahren auch zwei Frauen aus der Region Trier: Jutta Nickels aus Gusenburg und Ivonne Reschke aus Pluwig. Jutta Nickels, Anästhesieschwester und Ausbilderin von Schwesternschülerinnen ist, hält das Operationsteam resolut und charmant zusammen - und auf Trab. Sie war schon bei vielen Interplast-Einsätzen dabei, und vor allem die jüngeren Ärzte sind froh, jemand mit dieser Erfahrung im Team zu haben. Sie greift dann auch schon mal in den Operationsplan ein: "Drei Gaumen am Nachmittag - das schaffen wir nicht." Gesagt, geändert. Jutta Nickels hat das Sagen.
Ehrenamtlicher Einsatz


Krankenschwester Ivonne Reschke ist zum sechsten Mal mit in Brasilien: "Ich habe durch Jutta zum Team gefunden. Wir haben uns im Krankenhaus bei der Arbeit kennengelernt und später, als ich schon für eine Medizinfirma im Außendienst arbeitete, hat sie mich auf dieses Projekt in Brasilien angesprochen." Sie ist begeistert vom guten Teamgeist der Interplast-Gruppe: "Da ist man gerne dabei"
Der Einsatz der deutschen Ärzte und Helfer ist ehrenamtlich. Sie bringen alle zwei Wochen ihres Jahresurlaubes ein und wollen vor allem eins: helfen. Die Kosten des Einsatzes wird in diesem Jahr erstmals von der Hilfsorganisation "BigShoe" (siehe Extra) übernommen. Prominente wie Nationalspieler Mesut Özil und der Trainer des US-Fußballteams, Jürgen Klinsmann, unterstützen BigShoe.
Özil hat die Patenschaft für elf Kinder übernommen, sie alle kürzlich erfolgreich operiert wurden. Darunter war auch Emilly.
Sie konnte am dritten Tag vom Vater wieder nach Hause gebracht werden. Die Mutter war schon am Vortag vorgefahren - wegen der fünf anderen Kinder.Extra

BigShoe ist eine Hilfsorganisation aus dem Allgäu, die sich zur Aufgabe gemacht hat, im Umfeld von Fußball-Großereignissen Kinder zu operieren. So wurden unter anderem in Südafrika (WM 2010) und in der Ukraine (EM 2012) Eingriffe vorgenommen. BigShoe finanziert diese Aktivitäten mit Patenschaften. Die Organisation geht auf die Initiative "Wangen hilft Togo" zurück, die zur WM in Deutschland (2006), Kindern aus Togo geholfen hat. ju