Sie prägen in Zukunft die Trierer Kultur

Sie prägen in Zukunft die Trierer Kultur

Die Verhandlungen sind abgeschlossen: Manfred Langner wird Intendant am Theater Trier, Jochem Hochstenbach wird Generalmusikdirektor. Wenn der Stadtrat Ja sagt.

Trier Sie werden die beiden führenden Persönlichkeiten der Trierer Kulturszene in den kommenden Jahren sein und begegneten sich gestern im Trierer Rathaus zum ersten Mal. Manfred Langner (59), Intendant der Stuttgarter Schauspielbühnen, und der Niederländer Jochem Hochstenbach (46), Erster Kapellmeister am Konzert Theater Bern, haben sich mit der Stadt Trier über die Konditionen eines Engagements an der Mosel geeinigt.
Triers Kulturdezernent Thomas Schmitt bestätigt den erfolgreichen Abschluss der Vertragsverhandlungen, ohne deren genaue Details preiszugeben. "Alles lief hochprofessionell und angenehm ab", sagte Schmitt am Montag. "Die Verträge sind unterschriftsreif." Langner und Hochstenbach sollen ab 2018 in Trier arbeiten. Langners Vertrag in Stuttgart läuft jedoch noch bis zum Ende der Spielzeit 2018/2019. Ob er dennoch früher wechseln kann, ist noch unklar.
Der Stadtrat ist die letzte Hürde. Die Fraktionen haben gestern Abend bereits beide Personalentscheidungen intensiv beraten. Am kommenden Donnerstag wird der Steuerungsausschuss eine Empfehlung aussprechen. Das letzte Wort hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch, 28. Juni.
Alles andere als ein einstimmiges Ja in diesen Sitzungen wäre eine Überraschung. Sowohl Langner als auch Hochstenbach sind die Spitzenkandidaten der Findungskommission gewesen (der TV berichtete mehrmals). Hochstenbach hatte bei seinem Bewerber-Sinfoniekonzert am 30. März komplett überzeugt. Die Entscheidung für Manfred Langner fiel Ende Mai im Hotel Deutscher Hof in Trier.
Jochem Hochstenbach hat in Utrecht, Freiburg und Prag Klavier studiert. Ab 1994 absolvierte er ein Dirigierstudium bei Uros Lajovic an der Hochschule für Musik Wien. 1995 war er Assistent des 2014 verstorbenen Dirigenten Claudio Abbado bei den Osterfestspielen Salzburg. 1997 trat er ein Engagement am Landestheater Linz an und wurde 1999 Kapellmeister.
2004 wechselte Hochstenbach als Erster Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors ans Badische Staatstheater Karlsruhe. 2012 wurde er musikalischer Leiter der Sinfoniekonzerte des Festival Esterházy.
An der Deutschen Oper am Rhein dirigierte er in der Spielzeit 2014 und 2015 den Ballettabend b.21 mit Werken von Tschaikowsky und Brahms. Zurzeit arbeitet er am Konzert Theater Bern.
Manfred Langner genießt an den Stuttgarter Schauspielbühnen einen hervorragenden Ruf. Die Stuttgarter Zeitung feiert die dreistündige Revue "Ein Tanz auf dem Vulkan" als eine der "besten Produktionen jüngerer Zeit überhaupt". Die Schauspielbühnen mit ihren zwei Spielstätten "stehen mit einer treuen Abonnentengemeinde und soliden Zahlen glänzend da". Vor seiner Zeit in Stuttgart war der studierte Jurist seit 1994 Intendant des Grenzlandtheaters Aachen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Karl Sibelius (siehe Info) wird Manfred Langner für die künstlerische, nicht aber für die kaufmännische und finanzielle Leitung des Theaters allein verantwortlich sein. Verwaltungsdirektor Herbert Müller wird hier eng mit ihm zusammenarbeiten.
Der Franzose Victor Puhl beendet seine Zeit als Generalmusikdirektor in Trier 2018 auf eigenen Wunsch und verlässt die Römerstadt nach zehn Jahren mit einem ausgezeichneten Ruf. Puhl hatte sich 2015 in einer internen Auseinandersetzung mit Sibelius durchgesetzt und eine Verlängerung seines Vertrags um weitere zwei Jahre erreicht - vor allem dank der massiven Unterstützung des Orchesters.Extra: DIE ÄRA SIBELIUS: KURZ, ABER HEFTIG

Jochem Hochstenbach wird Generalmusikdirektor. Foto: TV-Foto: Archiv/Martin Möller


Der Österreicher Karl Sibelius war von August 2015 bis November 2016 Generalintendant des Theaters Trier. Das war ein eher kurzes Gastspiel, aber dennoch ist Sibelius fester Bestandteil der jüngeren Trierer Kulturgeschichte. Seine Befürworter feierten ihn als Visionär und brillanten Künstler auf der Bühne. Seine Kritiker, zu denen dann letztendlich auch die Verwaltung und der Stadtrat in Trier gehörten, warfen ihm kaufmännisches Versagen und eine völlige Missachtung jeder Finanzkontrolle vor. Das Theater überzog sein Budget unter Sibelius' Leitung um Millionenbeträge, dazu kamen interne arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen. Da es keine juristischen Gründe für eine Entlassung gab, zahlte die Stadt Trier Karl Sibelius eine Abfindung von 300 000 Euro für eine Auflösung seines Vertrags. Die Ära Sibelius brachte schließlich auch den damaligen Kulturdezernenten Thomas Egger zu Fall, der vom Stadtrat abgewählt wurde.