Sie sagt allen, wo es langgeht

Sie sagt allen, wo es langgeht

Man hört das Gelächter der geladenen Gäste bis nach draußen vor die Tore der Sektkellerei Bernard-Massard. Dagmar Barzen, seit einem Jahr Präsidentin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, erhält den Franz-Weissebach-Preis. Der Vorjahrespreisträger, Bischof Stephan Ackermann, hält die Laudatio mit hohem Unterhaltungswert.

Trier. Humor ist die äußerste Freiheit des Geistes, und wahrer Humor ist immer souverän. Preisträgerin Dagmar Barzen zitiert in ihrer Dankesrede Christian Morgenstern mit Worten, die auch Franz Weissebach wohl unterschrieben hätte. Er war es schließlich, der den Trierern den Palastgarten stiftete, indem er der Stadt Mittel zum Bau eines Krematoriums hinterließ. Nur wenn der Stadtrat dieses Krematorium fünf Jahre lang ablehnt, soll das Geld in einen Volksgarten fließen, hieß es im Testament. Was der Rat sich nicht zweimal hat sagen lassen.
So ist Humor auch das prägende Element des Abends, wenn die Trierer Prinzenzunft einer sich durch Schalk und soziale Kompetenz auszeichnenden Persönlichkeit des öffentlichen Lebens vor geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kirchenkreisen den Franz-Weissebach-Preis verleiht. Dagmar Barzen ist eine solche Persönlichkeit, daran ließ Bischof Stephan Ackermann keinen Zweifel.
"Sie entstammt einer Reiler Winzerfamilie, die auch eine eigene Gaststätte hatte", verrät der Bischof und schlussfolgert: Lebensfreude, Geselligkeit und Freude an der Kommunikation seien ihr in die Wiege gelegt worden, auch wenn sie mit Enttäuschungen fertig werden musste. "Liebend gern hätte sie in einer Mannschaft Fußball gespielt und wäre Messdienerin geworden." Doch für beides sei die Zeit noch nicht reif gewesen. Warte nur, denkt Dagmar Barzen wahrscheinlich in diesem Moment.
Eine ADD-Präsidentin als Preisträgerin hätte Franz Weissebachs Wohlwollen gefunden, davon ist der Bischof überzeugt. "Allen von Trier aus zu sagen, wo es langgeht - das hätte ihm gefallen."
Zum Schluss warnt der Bischof vor Nebenwirkungen des Preises: "Wenn es um den Palastgarten und damit um sein Kind geht, ist Franz Weissebach bis heute empfindlich." Das habe OB Klaus Jensen während der hitzigen Debatte um das Grillverbot ebenso zu spüren bekommen wie der Bischof nach der Heilig-Rock-Wallfahrt, die den Rasen platt gedrückt hat.
"Es war mir ein Genuss, Ihnen zuzuhören", dankt die Preisträgerin ihrem Laudator. Mit den Jungs in einer Mannschaft Fußball spielen und Messdienerin werden - das habe damals zwar nicht funktioniert. "Aber heute spielen die Reiler Fußballmädchen erfolgreich in der Rheinlandliga, und ohne die Messdienerinnen müsste sich der Pastor den Wein selbst einschenken."
Zum Schluss wird sie dann doch ein wenig ernst: "Die Gesellschaft in Europa hat sich sehr zum Positiven gewandelt und geöffnet. Dazu haben Menschen wie Franz Weissebach einen entscheidenden Beitrag geleistet."Extra

Ein Privatier ist Franz Weissebach (1860 bis 1925) gewesen: Als Erbe und Mitbesitzer des elterlichen Weinguts Kanzemer Berg, das von seinem Bruder Karl verwaltet wurde, musste er keinem Beruf nachgehen, sondern war gut versorgt. Sein Testament ermöglichte der Stadt Trier die Gestaltung des Palastgartens. jp