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Sie trotzen Regen, Schnee und Eis

Sie trotzen Regen, Schnee und Eis

TRIER/TAWERN/GEROLSTEIN. Egal ob Regen, Schnee, Glatteis oder zweistellige Minusgrade: 1350 Zeitungszusteller sorgen in der Region dafür, dass der Trierische Volksfreund pünktlich zum Fühstück beim Leser ist. Besonders verdiente Zusteller hat Kurt Beck zu seinem Neujahrsempfang heute Abend in Trier eingeladen.

Trocken muss sie sein, glatt und ohne Risse: "Ich stelle die Zeitung so zu, wie ich sie selbst haben will", sagt Dieter Volk. Seit fast 28 Jahren teilt er beinahe jede Nacht in der Trierer Innenstadt den TV aus. Zurzeit sind es etwa 410 Exemplare, die Volk in Briefkästen steckt, unter Türen durchschiebt und in Zeitungsröhren verschwinden lässt. Dieter Volk arbeitet zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen schlafen. Kurz vor Mitternacht holt er die frisch gedruckten Zeitungen in der Volksfreund-Druckerei in Trier-Euren ab, zwischen 4.30 und 5 Uhr ist er normalerweise nach der Arbeit wieder zuhause. Seinen Arbeitszeiten kann Volk durchaus etwas abgewinnen: "Um halb zwei ist es so ruhig, das ist herrlich." Etwas später fängt Hella Meissner aus Tawern mit dem Verteilen an. Sie versorgt seit 1974 die Haushalte des Orts mit dem Trierischen Volksfreund. Die 125 Zeitungen, die sie verteilt, werden bei ihr angeliefert. Rund 80 Zeitungen trägt Anita Keil aus Gerolstein aus. Sie ist über ihren Sohn zum TV gekommen. Zwei Jahre lang hat er Zeitungen ausgetragen. Als er 1980 mit einem Studium anfing, hat sie den Job übernommen. Seit 1979 stellt Nicole Sachreiter in Trier-Ruwer den TV zu. Zwischen 440 und 300 Zeitungen sind es, die sie 26 Jahre lang jede Nacht zu den Lesern gebracht hat. Die Zeitungs-Zusteller sind bei jedem Wetter unterwegs. Egal ob Dauerregen, Schnee oder 17 Grad minus - die Zeitung muss rechtzeitig zum Frühstück beim Kunden sein. "Am schlimmsten ist es bei Glatteis", sagt Anita Keil, und Dieter Volk und Hella Meissner nicken zustimmend. Um trotzdem durchzukommen, schnallt sich Volk bei solchem Wetter spezielle Spikes unter die Winterschuhe. Bei einem Treffen dankte Klaus Schönwälder, einer von zwei Geschäftsführern der TV Zeitungs-Zustelldienst GmbH (TV ZZD), den dreien stellvertretend für alle Zusteller. "Die TV-Leser fragen uns oft, wie wir es schaffen, dass die Zeitung nahezu immer pünktlich und ordentlich in den Briefkasten kommt", sagte er. "Dies liegt vor allem an den zuverlässigen Zustellern, die oft viele Jahre für unser Unternehmen tätig sind und ihren Bezirk wie die eigene Westentasche kennen." Bei ihren nächtlichen Touren erleben die Zeitungszusteller mitunter kuriose bis ergreifende Dinge. Ein Hund habe immer hinter dem Briefschlitz in der Haustür gelauert, um sich die Zeitung zu schnappen und sie seinen Besitzern ans Bett zu bringen, erzählt Hella Meissner. "Bei mir hat einer die Zeitung regelmäßig zerrissen", wirft Anita Keil schmunzelnd ein. Ein geschlossener Briefkasten sorgte für Abhilfe. Auch Nicole Sachreiter hat so ihre Erfahrungen mit Hunden. Ein Schäferhund hatte es sich einmal in ihrem Auto bequem gemacht. "Der Hund fuhr gern Auto, er wollte nicht mehr heraus", erzählt sie. Ein weinender, etwa drei Jahre alter Junge lief Dieter Volk um drei Uhr nachts in Trier-Kürenz vor einigen Jahren entgegen. "Ich hab mir den erst mal geschnappt und ihn beruhigt", erzählt er. Dann ging er mit dem Jungen zur nächsten Telefonzelle, um die Polizei anzurufen.Berufsbild hat sich verändert

Das Berufsbild der Zeitungszusteller hat sich über die Jahrzehnte verändert. Während es bis Anfang der 90er-Jahre noch weit verbreitet war, dass der Zusteller das Geld für das Abonnement an der Tür kassierte, zahlen inzwischen fast alle Kunden per Überweisung oder Bankeinzug. Dafür sind zusätzliche Aufgaben hinzugekommen, die Lieferung überregionaler Zeitungen etwa und der TV-Briefservice. "Seit zwei Jahren stellt unser Unternehmen die Post gewerblicher Kunden im Postleitzahlenbereich 54 zu", erklärt dazu Markus Bach, einer der beiden Geschäftsführer des TV ZZD. "2005 haben unsere Boten über 2,7 Millionen Briefe zugestellt. Ein wesentlicher Grund für die erfolgreiche Entwicklung dieses Geschäftsfelds ist die hohe Zuverlässigkeit und ausgezeichnete Ortskenntnis unserer Zusteller."