Trier: Sie wagen den Blick in die Zukunft

Trier : Sie wagen den Blick in die Zukunft

Der Studiengang Intermediales Design feierte Jubiläum mit einer visionären Vernissage.

Am Beispiel ihrer Projektarbeiten veranschaulichen Studenten des Studiengangs Intermediales Design (IMD) an der Hochschule Trier, was ihr Fach seit nunmehr zehn Jahren ausmacht. Denn einfach ist das nicht in Worte zu fassen. Man könnte es beim Namen nennen: Film, Fotografie, Game-Design, Produktdesign und noch mehr. Aber das würde dem nicht gerecht werden. Denn neben dem Handwerkszeug bilden die Dozenten vor allem eins aus: Persönlichkeit.

Häufig sind die Exponate visionär und der Zukunft zugewandt, darauf aus Brücken zu schlagen, zwischen der analogen und der digitalen Welt. Michael Höhns Masterarbeit beispielsweise nutzt eine Virtual-Reality-Brille (VR-Brille), um die Diskrepanz zwischen Realität und Pseudorealität aufzuzeigen. Dazu führt er die Besucher durch Platons Höhlengleichnis.

Wer die Brille aufsetzt, befindet sich in einer Höhle, in der es von den Decken tropft. Ein kleines Fenster gibt Blick nach draußen. Dort gehen der Mond auf und die Sonne. Sonst nichts. Gefangen in der Höhle, ohne Handlungsmöglichkeit ist man machtloser Protagonist, der, innerhalb von sechs fiktiven Welten, langsam seiner Ketten entledigt wird. Das Projekt symbolisiert den Aufstieg aus der Gefangenschaft in die selbstbestimmte, reale Welt. Dabei ist die Realität zugleich kompromittiert und sarkastisch konnotiert.

Das Thema ist die Realität im Augenblick, in dem sie bricht. Ihr Ergebnis ist der Gewinn einer neuen Realität im Verlust der alten. Ihr Dilemma ist der Brückenschlag zwischen Realität und Pseudorealität.

Früher sei es noch relativ einfach gewesen Prognosen zu formulieren, wie sich die Zukunft entwickeln werde, sagt Marcus Haberkorn, Leiter des Lehrgebiets Interaktive und vernetzte Systeme. Das sei es heute nicht mehr. „Wer vor fünf Jahren gesagt hätte, dass Facebook in zehn Jahren keine Rolle mehr spielt, der wäre ausgelacht worden. Heute kann man sich das schon eher vorstellen.“

Immer schneller wird aus Fiktion Zukunft. Das Telefon brauchte 75 Jahre um 100 Millionen Nutzer zu erreichen. Die Anwendung WhatsApp dagegen nur zwei Jahre. Früher war die Zukunft noch ein langsamer Prozess. Heute gibt es kaum noch Gelegenheit sich der Zukunft anzupassen.

Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verfließen miteinander. Wie sehr kann man die digitale Welt noch abgrenzen von der wirklichen? Die Frage stellt sich, wenn man sich, wieder mittels VR-Brille, in einen virtuellen Escape-Room begibt, Rätsel löst und mit anderen kommuniziert, ohne sie wirklich zu sehen oder zu hören. In dieser Ausstellung wird offenbar, wie sich neben der analogen Welt eine eigene Welt entwickelt. Wie die eine Welt aus der anderen entspringt. Der Fachbereich IMD kreiert nicht nur Spiele, oder Filme, oder Werbung. Er designt auch künftiges Sozialleben.

Es gibt auch andere Exponate. Beispielsweise analysiert Tobias Zimmer mittels Algorithmen die Brotkrümel auf seinem Teller und lässt ein selbst geschriebenes Computerprogramm Muster daraus erstellen. Diese Arbeit stellte er schon in Turin aus. Wieder andere Studenten befassen sich mit Tönen und Sounds. Beispielsweise erkennt eine Maschine Gesichtskonturen und übersetzt sie in Töne. So bekommt man eine Komposition in der Form des eigenen Gesichts, das kann man sich sogar noch auf Papier ausdrucken lassen. Analog.

„Das hier ist ein Blick in die Zukunft“, sagt Victoria Popóva, sie ist Fotografin aus Konz und schaut sich die Ausstellung an. „Es gibt so viele Herausforderungen auf der Welt. Der Klimawandel, Ressourcenknappheit, die digitale Wende. Ich glaube nicht, dass die Leute der Wirklichkeit entfliehen wollen, doch die digitale Welt macht das so einfach möglich. Wir müssen aber mit den Füßen auf der Erde bleiben.“

Die Ausstellung läuft unter dem Motto „100 Jahre Intermedia Design“. Das erst einmal irreführend wirkende Motto ist ein optimistischer Blick auf die Zukunft. Dazu sagt Franz Kluge, der den Studiengang vor zehn Jahren gegründet hat: „Dieser Anspruch auf Zukunft deklamiert positive Energie, die Bereitschaft die Zukunft auch für andere Generationen anzunehmen und mitzugestalten.“

Mehr von Volksfreund