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"Sie werden Einwohner von Schweich": Wohncontainer für 150 Flüchtlinge kommen ans Schul- und Sportzentrum

"Sie werden Einwohner von Schweich": Wohncontainer für 150 Flüchtlinge kommen ans Schul- und Sportzentrum

Der Standort, an dem in Schweich 150 Flüchtlinge in mobilen Wohneinheiten unterkommen sollen, steht fest. Ausgesucht wurde ein Gelände neben Sportanlage und Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium. Über die Pläne haben Stadt und Kreis am Freitagabend in einer Einwohnerversammlung informiert.

Schweich. Die Erleichterung war Stadtbürgermeister Otmar Rößler anzumerken. Nach anderthalbstündiger Information und Diskussion im Beisein von 150 Einwohnern im Bürgerzentrum war klar: Der für die Flüchtlingsunterkünfte vorgesehene Standort in den Schlimmfuhren wird von der Bevölkerung akzeptiert. Und viele Schweicher Vereine, Institutionen und Privatpersonen sind bereit, sich in der Betreuung der 150 Männer, Frauen und Kinder, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Schweich kommen, miteinzubringen.Kitas und Schulen sind voll


Die 150 Flüchtlinge, die demnächst auf einem städtischen Grundstück unweit von Sportanlage und Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium leben werden, brauchen Begleitung. Das machte Caritas-Chef Bernd Kettern bei der Bürgerversammlung deutlich. Rotes Kreuz, Diakonisches Werk und Caritasverband haben zusammen mit dem Kreis ein 5,5 Millionen Euro teures Konzept erstellt. Die Förderperiode läuft bis 2018. Ein Teil dieses Geldes fließt auch in die Wohncontainer in Schweich.
In der Moselstadt gibt es derzeit noch die wenigsten Asylbewerber aller Städte im Kreis Trier-Saarburg, was auch daran liegt, dass Wohnraum in Schweich sehr teuer ist. Kreisweit wird jährlich mit 600 neuen Flüchtlingen gerechnet und insgesamt mit bis zu 2000 zu betreuenden Menschen. 32 Stellen werden geschaffen - Projektleiter, Sozialarbeiter, Hauswarte, Therapeuten.
Viele Flüchtlinge seien traumatisiert, sagte Kettern. Er berichtete von einem 17-jährigen Syrer in der Aufnahmeeinrichtung in Trier, der mitansehen musste, wie seine Familie hingerichtet wurde.
"Die Flüchtlinge können ein Gewinn sein für Schweich", sagte der Geschäftsbereichleiter Soziales bei der Kreisverwaltung, Joachim Christmann.
Er sprach aber auch von großen Herausforderungen: "Die Flüchtlinge werden Einwohner der Stadt, und die Kinder werden Kitas und Schulen besuchen." Erzieherinnen und Lehrer wiesen darauf hin, dass die Schweicher Kitas und Schulen an ihrer Kapazitätsgrenze sind. "Wir werden pragmatische Lösungen finden müssen", so Christmann. In Konz hüteten beispielsweise Tagesmütter die Kinder, während die Mütter in Sprachkursen seien. Bürgermeisterin Christiane Horsch (VG Schweich) sagte, man brauche wegen der Sprachprobleme pädagogische Unterstützung. Eventuell könne man Fahrdienste organisieren, um Kinder von Schweich in Grundschulen zu bringen, die noch Raumkapazitäten haben - etwa nach Föhren oder Fell.
Was die soziale Betreuung angeht, gab es zahlreiche Zusagen in der Bürgerversammlung. Bernd Münchgesang, Vorsitzender des Sportvereins TuS Mosella, sagte, der Verein werde sich einbringen. Auch Vertreter von DRK, Kirche, Nachbar in Not, Kitas, Schulen und berufsständischen Verbänden sagten Hilfe zu. Ebenso haben Privatleute angekündigt, Willkommenspatenschaften übernehmen zu wollen.
Wer sich engagieren möchte, kann sich beim Caritasverband Trier melden. Ansprechpartner ist Andreas Schäfer, Telefon 0651/2096502, oder Bernd Kettern.Meinung

Die Arme sind ausgebreitet
Die 150 Flüchtlinge können kommen. Schweich wird sie mit offenen Armen empfangen und gut vorbereitet sein. Das ist die gute Botschaft aus dem Bürgerabend. Es sind zwei Dinge, die Hoffnung verbreiten: die zentrumsnahe Standortwahl mit Sport-, Spiel und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nachbarschaft und die schon im Vorfeld zu erkennende Hilfsbereitschaft von Vereinen, Verbänden und Privatpersonen. Was die von Krieg, Verfolgung und Hungersnöten geplagten Menschen neben materiellen Dingen des alltäglichen Lebens am meisten brauchen, ist Geborgenheit, Zuwendung und ein Stück neue Heimat. Der Weg dahin scheint in Schweich geebnet. a.follmann@volksfreund.deExtra

Hier sollen die Wohncontainer hinkommen (roter Kreis). TV-Foto: Portaflug.

"So jemanden könnten wir in Schweich auch gut gebrauchen. Dann würde die Mosella vielleicht nicht absteigen." (Josef Rohr, Abteilungsleiter Fußball des TuS Mosella Schweich, nachdem er hörte, dass ein als Flüchtling gekommener pakistanischer Nationalspieler an den Fußballclub Trier-Euren vermittelt wurde.) alf