Sieben Brücken, sieben Probleme

Sieben Brücken, sieben Probleme

Sieben Brücken hat die Stadt 1994 von der Bahn übernommen. Gestern wurde die marode Aulbrücke gesperrt. In den nächsten Tagen wird der Verkehr auf der Brücke in der Her emsstraße beschränkt.

Trier. Die Kleingärtner können sich freuen: Bisher rollten täglich mehr als 17 000 Autos über die Aulstraße, die zusammen mit der Arnulfstraße ihre Gartenkolonie eingrenzt. Seit Freitagvormittag herrscht himmlische Ruhe. Nur Einzelne meinen, das Durchfahrtsverbot am oberen Beginn der Aulstraße ignorieren zu können. Dabei ist keine 100 Meter weiter kein Durchkommen mehr: Arbeiter haben Absperrgitter an dicke Betonklötze geschweißt. Die Fahrbahn ist komplett abgeriegelt. "Auch Fußgänger und Radfahrer dürfen nicht auf die Brücke", erklärt Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani. Sogar dafür sitzt zuviel Rost im stählernen Brückenunterbau. Fußgänger und Radfahrer nutzen Extra-Steg

Über einen schmalen Steg am südlichen Brückenrand können Radfahrer und Fußgänger die Gleise trotzdem überqueren. Der Steg ist zwar ebenfalls sanierungsbedürftig, aber unabhängig von der eigentlichen Brückenkonstruktion, deren Sicherheit nicht mehr gewährt ist. Der Brückenzustand habe sich seit 2007 noch einmal verschlechtert, erklärt Kaes-Torchiani. Gefahr habe allerdings zu keiner Zeit bestanden. Mittels Bohrkern-Proben wird nun der Brückenunterbau überprüft. Danach steht fest, wie schnell der Brückenüberbau runter muss, um keinen Einsturz zu riskieren, und inwieweit die Widerlager erneuert und die Pfeiler abgestützt werden müssen. Auch die notwendige Sanierung des schmalen Fußgängerstegs könnte die vom Stadtrat beschlossene Brückensanierung verteuern. 670 000 Euro sind bisher für die Zwischenlösung beziffert, die zwar 70 bis 80 Jahre hält, aber in absehbarer Zeit laut Stadtratsbeschluss von einem Neubau abgelöst werden soll. Die Gesamtkosten für den Neubau belaufen sich auf geschätzte 3,7 Millionen. "Ich denke, dass das Land rund 60 Prozent davon übernehmen wird", sagt die Baudezernentin. Blieben für die Stadt rund 1,5 Millionen. Dazu kommt eine "Ablösesumme", die bei einem Brückenabriss an die Bahn gezahlt werden muss. Insgesamt rechnet das Bauamt mit 1,9 Millionen Euro für einen Neubau. Zunächst soll jetzt die Sanierung vorangetrieben werden. Schwierig machen das die Absprachen mit der Bahn, die in den Bauzeiten Züge weiträumig umleiten muss, die noch unklare Finanzierung und dass nur nachts wenige Stunden an der Brücke gearbeitet werden kann. "Aber bis Ende 2009 soll fertig saniert sein", hofft Kaes-Torchiani. Doch die Aulbrücke ist nur eine von sieben maroden Eisenbahnbrücken in Trier. Praktisch: Die Stahlbügel, mit denen in den letzten Jahren zu hohe und damit zu schwere Fahrzeuge am Befahren der Aulbrücke gehindert wurden, werden jetzt in die Brücke in der Hermesstraße aufgestellt. Denn auch ein Eisenträger unter dem von der Ostallee abgehenden Bauwerk ist so marode, dass es in den nächsten Tagen für Fahrzeuge über 2,8 Tonnen gesperrt und die Fahrbahn verengt wird, um Gegenverkehr unmöglich zu machen. Die Notwendigkeit dazu hat sich ebenfalls am vergangenen Wochenende bei der Sonderprüfung ergeben. Bericht folgt.

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