Sieben Männer wollen mit der Florett nach Lloret - Spendenaktion zugunsten des Jugendwerks Don Bosco in Trier-West

Sieben Männer wollen mit der Florett nach Lloret - Spendenaktion zugunsten des Jugendwerks Don Bosco in Trier-West

Sieben Männer auf sieben Kreidler Floretts, sechs Tage, 1300 Kilometer. Und Spenden zugunsten des Jugendwerks Don Bosco in Trier-West wollen sie auch noch sammeln. Schuld an dieser Herkulesaufgabe ist letztlich ein Wortspiel.

Qualmwolken, Höllenlärm und alte Mopeds. Klingelt es? Da war doch was mit einem Film und dem Heiligen Rock. Richtig! Bereits im ersten Trierer Freck-Langsam-Film knatterten einige Männer mit altertümlichen Mopeds durchs Bild. Im neuen Streifen City Royale - wei is pillo! sind die Kleinkrafträder ebenfalls zu sehen und zu hören. Doch Trier reicht offensichtlich nicht mehr. Eine Tour in den Süden steht an.

Es ist anfangs eher ein Wortspiel. Bei einem Urlaub in einem bekannten katalanischen Badeort hat Michael Recht die Idee, dass es doch witzig sein könnte, mit der Florett nach Llorett zu fahren. Lloret meint dabei das berühmt und berüchtigte Lloret de Mar, Florett die Kleinkraftrad-Modellreihe der Marke Kreidler (siehe Info).
Dass es nicht beim Spruch geblieben ist, hängt damit zusammen, dass Michael Recht zu den Kreidler-Veteranen Fusenich gehört. Die Gruppe besteht nach Auskunft von Harry Feider seit rund zehn Jahren und hat rund 15 aktive Mitglieder. "Wir sind kein eingetragener Verein", sagt Feider. "Uns verbindet die Liebe zur Florett." Die scheint so groß zu sein, dass der ein oder andere Kreidlerfreund gleich mehrere Maschinen sein Eigen nennt.

Die Zweiräder aus dem Hause Kreidler haben über Jahrzehnte hinweg zum Straßenbild gehört. Väter sind damit zur Arbeit gefahren, Söhne zur ersten oder fünften Freundin und ein Mann sogar bis nach Pakistan. Das jedenfalls hat ein Besucher der Öko-Messe in Trier den Mitgliedern der Kreidlerfreunde erzählt, die dort über ihr Vorhaben informiert haben: Vom 12. August an wollen sieben Mopedfans in die katalanische Stadt fahren. Dazu suchen sie Sponsoren, die an das Jugendwerk Don Bosco in Trier-West spenden sollen. Andreas Harens sagt: "Unsere Kosten tragen wir selber. Alle Spenden sollen an das Jugendwerk gehen."

Zwar sind alle Übernachtungen schon gebucht, und für das Zweitaktgemisch ist auch noch Geld da. Doch einen Wunsch haben die sieben Kreidlerfahrer aus Trierweiler-Fusenich und weiteren Orten im Trierer Umland: "Wir suchen noch jemand, der uns für unsere Fahrt einen langen Sprinter zur Verfügung stellt." Das Begleitfahrzeug soll auch dazu dienen, die sieben Floretts aus Lloret wieder zurück nach Deutschland zu bringen. Denn gefahren wird nur ein Weg.
Startpunkt soll die Porta Nigra in Trier sein. "Wenn Pater Aloys Hülskamp vom Jugendwerk dabei wäre, wäre das toll", sagt Dirk Schuh. Von Trier aus geht die Reise über Êpinal, Bourg-en-Bresse, Avignon und Perpignan nach Spanien. Mit den Maschinen, die nach der offensichtlich nicht ganz ernst gemeinten Aussage der Kreidlerfans 50 Kilometer pro Stunde schnell fahren, werden dabei tägliche Etappen zwischen 150 und 300 Kilometern zurückgelegt.
300 Kilometer auf Mopeds aus den Jahren 1962 bis 1979, die teilweise aus dem Technikmuseum zu kommen scheinen? "Kein Thema", sagt Harry. Die Mopeds sind zwar alt, machen im Rudel einen Höllenlärm und qualmen gewaltig, doch die Zweiräder sind alle überholt und technisch in Ordnung. Zwar ist keiner der Kreidler-Freunde ausgebildeter Zweiradmechaniker, doch die Liebe zu den Maschinen bringt es mit sich, dass man sich entsprechende Fähigkeiten aneignet. Die - und da sind sich die Spanienfahrer sicher - werden sie bei der Fahrt nach Lloret de Mar sicher brauchen.
In einigen Kellern oder Scheunen stehen noch Kreidler-Mopeds. Wer diese abgeben möchte, kann sich bei den Kreidler-Veteranen unter der E-Mail kreidlerfusenich@gmail.com melden. Dort gibt es auch Informationen zur Lloret-Fahrt. Die gibt es ebenfalls im sozialen Netzwerk Facebook unter dem Stichwort KreidlerFusenich.DIE MARKE KREIDLER UND DAS MODELL FLORETT

Extra

Die Kreidler's Metall- und Drahtwerke G.m.b.H. stellte 1957 das erste Modell der Florett her. 1981 lief die letzte Maschine vom Band. Allein von der Kreidler Florett RS sind mehr als 125 000 Exemplare gebaut worden. Die Maschine durfte bereits von 16-Jährigen gefahren werden und wurde oft technisch verändert und somit schneller. Aufgrund zahlreicher Unfälle stiegen die Versicherungsprämien. Zudem boten japanische Maschinen ab Ende der 1970er Jahre für weniger Geld mehr Ausstattung. Kreidler musste daraufhin 1981 Vergleich anmelden. Heute werden unter dem Namen Kreidler in Fernost gefertigte Zweiräder verkauft.