Sinkende Einnahmen und strengere Besteuerung: Trierer Exhaus in finanziellen Nöten

Sinkende Einnahmen und strengere Besteuerung: Trierer Exhaus in finanziellen Nöten

Das selbstverwaltete Jugendzentrum Exhaus kommt nicht zur Ruhe: Nach der Zitterpartie im Sommer des Jahres über die Frage, ob das Land die dringende Sanierung des Traditionshauses fördert, gibt es jetzt neue Hiobsbotschaften aus der Zurmaiener Straße: Wegen gleich zwei Faktoren kämpft der Trägerverein Exzellenzhaus mit Geldsorgen.

Trier. Das Exhaus hat zurzeit mit Schwierigkeiten. Erstes Problem: Weil in dem Komplex praktisch alle Veranstaltungsräume höchstens noch eingeschränkt genutzt werden dürfen, sind massiv Einnahmen weggebrochen. Wie Hausleiter Hilger Hoffmann gegenüber dem Volksfreund erklärt, kann auch das neue, ersatzweise bereitgestellte Domizil in der Stadtmitte das bei weitem nicht ausgleichen. Die "Exrakete" biete nicht nur viel weniger Platz als das Exhaus, auch die Lage am renommierten Domfreihof sei Segen und Fluch zugleich. "Parties, die auch mal bis in den frühen Morgen gehen, kann man da genauso schlecht veranstalten wie Konzerte mit tendenziell schwierigem Klientel", sagt Hoffmann.Ernst, aber nicht aussichtslos


Zweites Problem: Es droht eine Änderung der Besteuerung des Exhauses - möglicherweise sogar rückwirkend "Das betrifft aber nicht nur uns", sagt Hoffmann. "Der Fiskus nimmt generell die Vereine viel stärker unter die Lupe." Tatsächlich ist eine Anfang des Jahres erfolgte Änderung des "Anwendungserlasses zur Abgabenordnung" auf breite Kritik der Wohlfahrtsverbände gestoßen. Das Bundesfinanzministerium will unter anderem, dass gemeinnützige Vereine keinen Gewinn mehr über den konkreten Finanzierungsbedarf hinaus anstreben. Für Einrichtungen wie das Exhaus, das über den Veranstaltungsbetrieb seine anderen Bereiche wie den Offenen Jugendtreff oder seinen Hort mitfinanziert, sei das ein Unding, klagt Hoffmann. "Das greift extrem in unser Wohlfahrtssystem ein. Da muss es ein ganz allgemeines Umdenken geben."
Zu einem solchen sei der Verein grundsätzlich auch bereit: So sei man etwa bestrebt, die aus dem Jahr 1972 stammende Vereinssatzung durch eine zeitgemäße Version zu ersetzen, die unter anderem einen hauptamtlichen Vorstand und einen Aufsichtsrat vorsieht.
Mit dieser Infrastruktur soll das Exhaus dann effektiver gemacht werden. Aber die Uhr tickt unerbittlich - und die nötigen Bauarbeiten sorgen weiter für düstere Aussichten: "Wenn hier wohl ab 2018 die Bagger rollen, wird die Situation ja noch verschärft, weil zum Beispiel das Exil dann gar nicht mehr genutzt werden kann!"
Das Jugendamt führt alle drei Jahre "Ziel- und Leistungsvereinbarungen" mit dem Exhaus - genau wie mit anderen Einrichtungen, die von der Stadt bezuschusst werden. Demnächst beginnen die Verhandlungen für 2018 bis 2020. Jugendamtsleiter Carsten Lang ist zuversichtlich, die "geänderten Voraussetzungen" entsprechend in die Planungen einpflegen zu können - also das Exhaus mit mehr Geld auszustatten. Das sei auch leicht zu begründen: "Das Exhaus leistet nicht nur einen Beitrag zur Jugendarbeit, der weit über den Stadtteil hinaus reicht. Es ist wegen seiner kulturellen Angebote für die Universitätsstadt ein Standortvorteil!"
Auch Hausleiter Hoffmann schätzt die Lage als ernst ein - aber nicht aussichtslos. "Es wäre schon enorm hilfreich, den Balkensaal wieder in Betrieb nehmen zu können." Da der Saal im Nordflügel lediglich eine zusätzliche Feuertreppe benötigt, sei das wohl recht zügig zu realisieren. Allerdings müsse man wohl auf einige Einschnitte gefasst sein. Ein großer Kostenfaktor sei etwa "eine Personaldecke, die wir bisher auf dem hohem Niveau gefahren haben, die den Einnahmen der letzten Jahre entsprochen hat."