Skater dürfen bis Ende 2013 in der Halle bleiben

Skater dürfen bis Ende 2013 in der Halle bleiben

Das Projekt X des Vereins Palais darf den ehemaligen Supermarkt in Trier-West bis Ende 2013 nutzen, weil die Stadt bisher keinen neuen Standort für eine Skatehalle gefunden hat. Der Dokumentarfilm "Agenda 2012" des Trierer Skaters Alex Schmitz wird am Sonntag, 27. Januar, beim Filmfestival in Saarbrücken gezeigt.

Trier. Nach monatelangem Stillstand kommt wieder Bewegung ins Dauerthema Skatehalle Trier. Der TV dokumentiert die jüngste Entwicklung.

Die neue Garantie: Auf dem Ex-Edeka-Gelände in der Aachener Straße plant die Stadt ein Wohnprojekt (siehe Extra). Deshalb sollen die Skater in eine andere Halle ausweichen. Doch die vor einem Jahr wieder aufgenommene Suche nach einem Standort ist immer noch erfolglos. Als Konsequenz sagte die Stadt dem Verein Palais zu, die bestehende Halle bis Ende 2013 nutzen zu können. Das bestätigte Palais-Geschäftsführer Reinhold Spitzley dem TV.

Der neue Verein: Die ehrenamtliche Betreuergruppe des Projekts X hat einen Förderverein zum Erhalt der Skatehalle Trier gegründet und ins Vereinsregister eintragen lassen. Vorsitzender Alex Schmitz (34): "Der Verein Palais bleibt Träger, ohne ihn wären wir gar nicht in der Halle. Wir wollen unseren Beitrag zur positiven Entwicklung leisten." Schmitz\' Stellvertreter ist Lukas Klein. Zum Vorstand gehören Schriftführerin Cornelia Pauels, Schatzmeister Daniel Kepper und Technischer Leiter Nils Kieferndorf. Axel Reichertz (43), von Beginn an treibende Kraft des Projekts, hat bewusst kein Vorstandsamt. Schmitz: "Die Vereinsgründung ist Ergebnis seiner langjährigen Arbeit, dadurch wollen wir ihn etwas entlasten."

Der Film: Alex Schmitz hat über die Entstehung der Trierer Skaterszene und ihren Kampf für eine dauerhafte Skate- und BMX-Halle einen 53-minütigen Videofilm gedreht (der TV berichtete). "Agenda 2012" lief im Sommer im Trierer Kino Broadway und im Offenen Kanal Trier. OK-Vorsitzender Otto Scholer ermunterte Schmitz, sich bei Filmfestivals zu bewerben. Ergebnis: Von fast 1000 Bewerbungen zum Max Ophüls Festival in Saarbrücken kamen 165 Filme durch, die dort in dieser Woche gezeigt wurden und werden. "Agenda 2012" schaffte es in die Top 15 der Sonderkategorie Spektrum, "die aus über 250 Einreichungen besonders auf sich aufmerksam gemacht haben" (siehe www.max-ophuels-preis.de ).

Der Filmemacher: Alex Schmitz fing nach einem Skate-Unfall vor 13 Jahren mit Filmen und Fotografieren an. "Agenda 2012" ist eine Mischung aus Actionszenen, Porträt und politischer Doku. "Ich habe meine Person als Meta-Ebene und Mitglied der Skaterszene einbezogen, damit die Zuschauer das Ganze besser nachvollziehen können."
Schmitz geht es nach eigener Aussage nicht darum, einen Preis zu gewinnen: "Ich bin einfach gespannt, wie professionelle Filmemacher das Werk bewerten. Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Projekt ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, einen dauerhaften Nährboden für Jugendkultur zu schaffen, eine Inspiration für Trier."

Die Vorführungen: Der Film "Agenda 2012" läuft am Sonntag, 27. Januar, um 15.30 Uhr im Filmhaus Saarbrücken. Die Vorführung ist bereits ausverkauft. Der Offene Kanal Trier (OK54 Bürgerrundfunk) zeigt den Film am Samstag und Sonntag, 26./27. Januar, jeweils um 17 Uhr. Im Internet ist er abrufbar auf der Seite www.agenda2012.net. Und: Fortsetzung folgt!

Die Zukunft: Auf TV-Anfrage erklärt Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne), dass die Skater keinesfalls kurzfristig die Halle in Trier-West verlassen müssen, solange kein Ersatz gefunden ist. Auskünfte zur Standortsuche und zu Auswirkungen auf das geplante Wohnprojekt in der Aachener Straße lehnt sie ab, da die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für die Stadtratsitzung am 5. Februar eine ähnliche Anfrage gestellt habe.Meinung

Die Lobby wird schon stärker
Als die Skater und BMX-Fahrer vor drei Jahren in den alten Supermarkt einziehen durften, schien das nur ein kurzes Provisorium zu sein. Offiziell war immer klar, dass die Stadt auf der Fläche etwas anderes plant. Doch inzwischen hat die Szene dort so viel ehrenamtliches Engagement bewiesen, so große Resonanz bekommen und öffentlich so viel Wirbel gemacht, dass sie nicht mehr so einfach zu vertreiben ist. Ihre Lobby wächst langsam, aber gewaltig. Der authentische, von und an der Basis gedrehte Film "Agenda 2012" hat dazu wesentlich beigetragen und macht zu Recht sogar beim Max Ophüls Festival Furore. Mit der Fördervereinsgründung zeigen die bisher betont locker organisierten Aktivisten, dass sie auch vor festen, offiziellen Strukturen nicht zurückschrecken, wenn es dem großen Ziel dient. Die Politik kommt an den Skatern nicht mehr vorbei. m.hormes@volksfreund.deExtra

Auszug aus dem am 23. August 2012 beschlossenen Bebauungsplan BW 74 Aachener Straße/Martinerfeld: Auf der Fläche des ehemaligen Edeka-Centers soll im Übergangsbereich zwischen dem Gelände der Kunstakademie und der Wohnsiedlung Martinerfeld mittelfristig eine hochwertige Wohnbebauung entwickelt werden. Die derzeitige temporäre Nutzung als Skaterhalle soll in diesem Zusammenhang mittelfristig an diesem Standort aufgegeben werden. Es wird angestrebt, für die Skatehalle einen Ersatzstandort zu finden, da die Skatehalle eine wichtige soziale Funktion für die Kinder und Jugendlichen im Stadtteil Trier-West aufweist. Mittelfristig soll sich die neue Wohnbebauung zur Mosel hin zu einem kleinen Platzbereich öffnen, der durch eine gastronomische Einrichtung mit Außenterrasse belebt werden kann. Die Verbindung des neuen Quartiers mit dem Moselufer soll durch eine Freitreppe oder vergleichbare städtebauliche Mittel aufgewertet werden. Dieses Projekt ist geeignet, aufgrund seiner Lage und Größenordnung wichtige Impulse für den Gesamtbereich zu setzen. Die erforderliche städtebauliche Qualität soll durch ein Wettbewerbsverfahren sichergestellt werden. red

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