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Skater wollen die neue Halle nicht

Skater wollen die neue Halle nicht

Die Pläne für den Umbau eines ehemaligen Busdepots zur neuen Skatehalle in Trier sind gestoppt. Kurz vor Ausschreibung der Bauarbeiten hat sich die Trierer Skaterszene aus dem Projekt zurückgezogen. Die derzeitig genutzte Halle wird ihnen nicht mehr lange zur Verfügung stehn.

Kurzfristig hat Oberbürgermeister Jensen am Donnerstag zu einer Pressekonferenz eingeladen, bei der er das Scheitern des Projekts Skatehalle bekannt gibt. "Es war weder absehbar noch ist es verständlich, nachdem wir zwei Jahre lang mit sehr hohem Aufwand nach einer Lösung gesucht haben."

Der Plan: In einem ehemaligen Busdepot der Stadtwerke in der Eurener Straße sollte die neue Skatehalle entstehen. Dorthin könnte die Szene umziehen, die derzeit eine ehemalige Einkaufsmarkt-Immobilie an der Aachener Straße nutzt. Hier plant die Stadt im Rahmen des Projekts Stadtumbau Trier-West Wohnbebauung. Weil die Ausschreibung dafür nach Aussage von Oberbürgermeister Jensen demnächst erfolgen müsse, "geht es nicht, dass die Skater noch viel länger dort bleiben."

Die Alternative: 1500 Quadratmeter sollte den Skatern in der neuen Halle an der Eurener Straße zur Verfügung gestellt werden, die Erweiterung um 900 Quadratmeter wäre möglich. Auch eine Außenfläche sollte zur Verfügung stehen. Nach Angaben von Stadtwerke-Vorstand Arndt Müller würde Umbau und Renovierung der Halle 650.000 Euro kosten. Einen Anteil von etwa 250.000 Euro davon würde vonseiten der Herbert-und-Veronika-Reh Stiftung mit Sitz in Leiwen übernommen. Sanitäranlagen und ein Aufenthaltsraum waren zuletzt als Container geplant. An dem Hallengelände ist eine Bushaltestelle. Es gibt auch ausreichend Parkplätze. Der Mietpreis pro Quadratmeter läge laut Schmitt bei 1,78 Euro (also 2670 Euro für die Halle). Den Ausbau und Betrieb der Halle müsste die Skaterszene übernehmen.

Die Stadt: Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte sich intensiv um einen neuen Standort bemüht. Er bezeichnet sich selbst "als sehr betroffen" von der Absage. "Meine Bemühungen sind damit beendet. Noch mehr anzubieten, würde bedeuten, auch in Relation zu anderen Vereinen das Maß zu verlieren." Er setze nun auf die Zusage der Skater, aus der Halle an der Aachener Straße auszuziehen, sobald das Gelände wirklich gebraucht werde.

Die Skater: Axel Reichertz (44) betreibt seit fünf Jahren überwiegend ehrenamtlich die Trierer Skatehalle. Er beruft sich bei der Absage des Projekts auf eine Versammlung des Fördervereins für die Skatehalle am Mittwochabend. Da sei einhellig die Meinung gewesen, im Zweifelsfall lieber auf eine Halle zu verzichten. Den Vorwurf des Oberbürgermeisters, er habe nie wirkliche Bedenken vonseiten der Skater gehört, widerspricht Reichertz: "Wir haben Herrn Jensen bereits vor einem Jahr bei der Besichtigung der Immobilie gesagt, dass wir mit dem ehemaligen Busdepot enorm viele Kompromisse eingehen würden. Ich habe einfach das Gefühl und die Angst, dass es an diesem Standort innerhalb von zwei Jahren nicht mehr laufen würde." Vereinsvorsitzender Alex Schmitz, äußert sich deutlicher: "Die vorliegende Planung ist keine Planung in unserem Sinn. Container in einer Halle sind keine Planung."
Meinung: Zurück auf die Straße

Von Rainer Neubert

Die Trierer Skaterszene wird nach der Absage an die Stadt möglicherweise bald wieder auf der Straße stehen. Lieber das, als mit einem schlechten Kompromiss untergehen - so argumentieren die Chefakteure. Sie wurden beim entscheidenden Treffen des Vereins von den 15 anwesenden Vorstandsmitgliedern und Skatern einmütig unterstützt - und vielleicht selbst ein wenig überrascht. Ob diese Geschlossenheit bleibt, wenn klar wird, dass ihre Halle ohne Alternative dichtmacht?
Das Thema Skatehalle zeigt deutlich, wie schwierig Kommunikation zwischen einer Behörde und der freien Szene ist. Denn während der Oberbürgermeister enttäuscht ist, weil er viel Zeit und Mühe in das Projekt neue Halle gesteckt hat, wird in der Szene argumentiert, dass ja noch nichts passiert sei. Schließlich sei noch kein Geld ausgegeben worden.
Drei Wochen ist Klaus Jensen im Urlaub. Er wird in dieser Zeit den Skatern die Tür nicht verschließen. Noch nicht. Bedenkzeit für Projekt X. r.neubert@volksfreund.de Mehr zum Thema

Film Agenda 2012 über die Skaterszene in Trier (externer Link)