1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Skulpturen von İskender Yediler :Palmatius und Thyrsus vor St. Paulin in Trier

Kunst : Die neuen Häupter der Enthaupteten

Palmatius und Thyrsus auf der Märtyrerwiese vor St.Paulin: Sponsoren finanzieren Kunstwerk des Berliner Bildhauers Iskender Yediler.

Zwei monumentale, liegende Steinköpfe gegenüber dem Portal von St. Paulin sorgen für großes Rätselraten. „Wisst ihr, was es damit auf sich hat?“, fragt TV-Leser Klaus-Peter Schilken (70) bei der TV-Lokalredaktion an. Nein, wussten wir offen gestanden zunächst nicht, jetzt aber schon. Denn der Pauliner Pastor Joachim Waldorf, an den wir die Frage weiterleiteten, kennt die Antwort selbstverständlich: „Das sind Thyrsus und Palmatius“, erklärt der 61-Jährige. Aha, die beiden kennt der Trierer aus dem Heimatkundeunterricht. Palmatius, Ratsherr im römischen Trier, und Thyrsus, Anführer der Thebäischen Legion, starben der Legende nach anno 286 den Märtyrertod. Sie wurden gemeinsam mit vielen Gefährten vor den Toren der Stadt enthauptet. Das Gemetzel, das Kaiser Maximians Statthalter Riktiovarus anrichtete, habe die Mosel bis nach Neumagen blutrot gefärbt.

 Das Martyrium der Trierer Christen ist Teil des Deckengemäldes im Innenraum von St. Paulin.  Es stammt vom Augsburger Maler Christoph Thomas Scheffler und wurde 1743 vollendet.
Das Martyrium der Trierer Christen ist Teil des Deckengemäldes im Innenraum von St. Paulin.  Es stammt vom Augsburger Maler Christoph Thomas Scheffler und wurde 1743 vollendet. Foto: Roland Morgen

Der christlichen Märtyrer gedenken Stadt und Kirchengemeinde jährlich am 5. Oktober in der Ratsherrenmesse in St. Paulin. Nun wird das Gedenken nach draußen getragen – Resultat einer fast himmlischen Geschichte, die vor gut zwei Jahren in Berlin begann. Dort sah der Bildhauer Iskender Yediler eine Fernseh-Doku über Trier. „Eine faszinierende Stadt“, wie der 66-Jährige fand, „Und in der ich, obwohl in Köln aufgewachsen, noch nie war.“ Sein künstlerisches Interesse war geweckt, und er fragte, ob Trier ein Betätigungsfeld für ihn sein könnte – so wie etwa Köln (St. Gereon vor der Gereonskirche) und Bonn (Cassius und Florentius vor dem Münster), wo von ihm gefertigte Heiligenköpfe liegen. Beim Pauliner Pastor Waldorf lief Yediler offene Türen ein: „Er schlug mir Palmatius und Thyrsus vor, die es bereits als barocke Heiligenfiguren auf der Orgelempore gibt.“ Fotos von deren Köpfen lieferten die Vorlage: „Da musste ich also nicht fantasieren.“ Yediler  reiste wie für ihn in solchen Fällen üblich nach Thailand und bearbeitete dort gekaufte Granitblöcke vor Ort. Per Schiff kamen die fertigen, jeweils rund sechs Tonnen schweren Köpfe nach Rotterdam und von dort aus per Lastwagen nach Trier-Nord. Dort harren sie nun einer Segnung und öffentlichen Präsentation. Möglicher Termin: das Paulinusfest am 31. August. Dann soll auch eine Infostele fertig sein, die Erläuterungen zu dem Doppel-Kunstwerk gibt. Das kostet die Kirchengemeinde übrigens keinen Cent. „Sponsoren haben es bezahlt“, sagt Yediler, der sich zu dem Thema nicht mehr entlocken lässt, als dass es sich um Kunstfreunde handelt, die anonym bleiben wollen. Die Kosten liegen „im fünfstelligen Bereich.“ Zur offiziellen Einweihung will der Bildhauer wie schon zur Aufstellung nach Trier kommen – „und die faszinierende Stadt endlich näher kennenlernen“.