So drastisch wie noch nie

Gegen die Stimmen der Stadt Trier hat die Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT) die Erhöhung der Fahrpreise um durchschnittlich 5,6 Prozent zum 1. Januar 2009 beschlossen - die höchste Steigerung der VRT-Geschichte. Die Trie rer halten die lineare Anpassung für den falschen Weg.

Die aktuellen Tarif-Aushänge an den Haltestellen sind bald Altpapier. Bus- und Regionalbahn-Tickets werden ab 1. Januar 2009 um durchschnittlich 5,6 Prozent teurer. TV-Foto: Roland Morgen

Trier. Montagabend in der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. VRT-Verbandschef Günther Schartz lässt in nicht öffentlicher Sitzung über die "Tarifanpassung" abstimmen. Resultat: Die 32 Vertreter der vier Kreistage der Region (jeweils acht Stimmen) einmütig dafür, die acht Trierer Stadtratsmitglieder dagegen. Vorbehaltlich der Zustimmung durch den Landesbetrieb Mobilität (LBM) ist damit die höchste Ticketpreis-Steigerung in der Geschichte des 2001 gegründeten VRT perfekt. Zum Vergleich: Die niedrigste (April 2003) belief sich auf 1,9 Prozent.

Ihr "Nein" begründen die Trie rer mit der ihrer Meinung nach falschen Strategie: Der VRT wendet für seine Tarifanpassung Zahlen an, die das Statistische Bundesamt zur Kostenentwicklung (bei Treibstoff, Personal, Ersatzteilen, Reifen und Reparaturen von Mai 2007 bis April 2008) ermittelt hat. "Dabei kommt stets eine reine lineare und völlig unkreative Steigerung der Ticketpreise heraus. Es fehlt aber völlig an Anreizen für Gelegenheits-Busfahrer", betont SPD-Vertreter Rainer Lehnart auf TV-Anfrage. "Wir wollten beispielsweise, dass es Vier-Fahrten-Tickets zum Preis von dreien gibt. Aber da standen wir allein auf weiter Flur." Anja Matatko (Die Grünen) fordert stabile Preise: "Der VRT erhöht selbstverständlich alle Jahre wieder im Januar die Tarife. Nicht auszudenken, was wäre, wenn jährlich die Parkgebühren steigen würden."

Der VRT begründet die außerordentlich üppige Anhebung vor allem mit gestiegenen Treibstoffkosten. So sei Diesel innerhalb eines Jahres um 10,7 Prozent teurer geworden. Bezogen auf die 74 Wagen umfassende Trierer Stadtbus-Flotte machte allein das schon ein Ausgaben-Plus von 400 000 Euro aus; außerdem seien die Personalkosten deutlich gestiegen, bilanziert Frank Birkhäuer, Chef der Stadtwerke-Verkehrs-GmbH. Insofern hält er die höheren Fahrpreise für "unumgänglich und gerechtfertigt". Andernfalls würde die meisten der 17 im VRT zusammengeschlossenen Verkehrsunternehmen "in den Ruin steuern".

Neu: VRT-Sparkarte und Schüler-Freizeit-Ticket



Ebenfalls am Montag von der VRT-Versammlung beschlossen: Anfang 2009 kommt neben einheitlichen Karten-Bezeichnungen (Einzelticket, Tagesticket, Mobilticket) auch die VRT-Sparkarte: Die kostet 24 Euro und ermöglicht - analog zur BahnCard - einen um 20 Prozent rabattierten Einzelticket-Kauf. Das Ganze amortisiert sich laut VRT schon bei monatlich zwei Fahrten in der Preisstufe 6 (entspricht der Strecke Hermeskeil-Trier).

Ein weiteres neues Angebot ist das Schüler-Freizeit-Ticket. Gedacht für Fahrgäste von sechs bis 22 Jahren, kostet es 168 Euro und berechtigt ein Jahr lang zum verbundweiten freien Fahren ab 14 Uhr (in Kombination mit der Schüler-Jahreskarte ab 9 Uhr).

Meinung

Mit Vollgas in die Sackgasse

Satte 5,6 Prozent mehr! Davon träumt der normale Arbeitnehmer - normalerweise. Aber in diesem Fall ist er es, der 5,6 Prozent mehr drauflegt beim Kauf von VRT-Tickets und entsprechend weniger Geld in der Tasche hat. Öffentlicher Personennahverkehr in der Region Trier ist alles andere als eine preiswerte Angelegenheit. Das anstehende Plus beim Ticketpreis liegt über der Inflationsrate und über dem, was Arbeitnehmer an Tarifsteigerungen erhalten. Damit droht Bus- und Regionalbahn fahren für die einen zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden und für andere zum abschreckenden Modell: Von Euren zum Rathaus für 2,40 Euro - da geht man doch besser gleich zu Fuß. Der VRT, dem man bisher eine relativ phantasielose und unkreative lineare Fahrpreiserhöhung attestieren durfte, hat aber offenbar die Zeichen der Zeit erkannt und macht neue Tarifangebote. Angesichts stagnierender Fahrgast- und sinkender Schülerzahlen kann das aber nur ein Anfang im Sinne von mehr Attraktivität sein. Andernfalls steuert der regionale ÖPNV mit Vollgas in die Sackgasse. r.morgen@volksfreund.de