"So eine Mauer bietet eine trügerische Sicherheit"

"So eine Mauer bietet eine trügerische Sicherheit"

Die Trierer Stadtteile sind für die meisten Hochwasser gerüstet. Bei einer Übung haben die Stadtwerke einen mobilen Schutzwall in Trier-Pfalzel errichtet. Die Experten warnen aber: So eine Mauer hilft nicht bei einem Jahrhunderthochwasser.

Trier. Die Tage um Weihnachten 1993 sind vielen Trierern noch lebhaft in Erinnerung. Auf 11,28 Meter stieg der Pegel der Mosel an, soviel wie noch nie. Die Wassermassen drückten sich durch Bahndämme und die Kanalisation. Die Stadtteile Trier-West und Trier-Pallien versanken zu großen Teilen in den Fluten.
Seitdem hat sich in Sachen Hochwasserschutz einiges getan. In Trier-Pfalzel steht seitdem eine mobile Hochwasserschutzmauer bei Bedarf zur Verfügung. Damit im Ernstfall alles reibungslos funktioniert, wird die Mauer alle paar Jahre zu Testzwecken aufgebaut - und so rückte auch am Dienstag wieder ein großer Kranwagen an der Bastion in Pfalzel an.
Die Mauer besteht aus mehreren 450 Kilogramm schweren Aluminiumpfeilern, die an markierte Stellen entlang des Radwegs fest mit dem Boden verschraubt werden. Dazwischen steckt der Einsatztrupp der Trierer Stadtwerke mehrere Platten, die das Wasser bei einer Flut zurückhalten sollen.Mauer hält bis 11,50 Meter Pegel



Sind alle Elemente gesteckt, würde die Mauer einem Hochwasser bis zu 11,50 Metern standhalten. Also noch einmal 30 Zentimeter mehr, als der Pegel 1993 erreichte. Rudolf Ludwig von den Trierer Stadtwerken bezeichnet den Pegel von 1993 als 50-Jahres-Hochwasser - ein Pegel, der statistisch gesehen alle 50 Jahre erreicht wird.
Bei einem Jahrhunderthochwasser wäre die Mauer nutzlos, ist Ludwig sicher. "Dann läuft das Wasser sowieso von allen Seiten in die Stadt." Eine Warnung, die auch Alfred Weinandy von der Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord (SGD Nord) ausspricht: "So eine Mauer bietet eine trügerische Sicherheit", sagt er. Der Wall halte zwar einiges ab. "Aber früher oder später wird die Mauer überflutet."
Ob es zu einem bedrohlichen Hochwasser kommt, lässt sich dank Prognosen etwa zwölf Stunden im Voraus sagen. Ernst wird es ab einem Pegelstand von etwa sieben Metern. Das Wasser steht dann bereits auf der Wiese und reicht bis an den Radweg heran. Das ist für die Trierer Stadtwerke das Zeichen, um mit dem Bau der Mauer zu beginnen - besonders dann, wenn mit weiterem Regen zu rechnen ist. Dann dauert es etwa sechs Stunden, bis der Stadtteil geschützt ist.
Für den Trierer Baudezernenten Andreas Ludwig ist eine regelmäßige Hochwasserschutzübung unerlässlich. "Das ist wie bei einem Ikeaschrank", sagt er. "Beim ersten Aufbau braucht man einen Tag - beim nächsten Mal klappt es schon in zwei Stunden." Dass eine regelmäßige Übung auch einen ganz anderen Nutzen haben kann, zeigte sich 2002. Als die Mauer zu Testzwecken errichtet werden sollte, stellten die Stadtwerke fest, dass mehrere Elemente des Systems gestohlen wurden. Der entstandene Schaden betrug mehr als 100 000 Euro.
Inzwischen wird die Mauer hinter zwei Zäunen gelagert und von einer Alarmanlage mit Lichtschranken gesichert. Denn flutet das Wasser erneut die Straßen, richten Schlamm und Trümmer wieder Schäden in Millionenhöhe an.Extra

Die 450 Kilogramm schweren Aluminiumpfeiler werden mit vier Schrauben am Boden fixiert. TV-Fotos (2): Sebastian Klipp. Foto: (h_st )

Die höchsten Pegelstände in Trier: 21. Dezember 1993, 11,28 Meter; 28. Mai 1983, 10,56 Meter; 23. Januar 1995, 10,33 Meter; 12. April 1983, 10,26 Meter; 27. Februar 1997, 9,94 Meter; 3. Januar 2003, 9,82 Meter; 1. Januar 1982, 9,82 Meter; 1. November 1998, 9,41 Meter; 13. Januar 1993, 9,35 Meter. sek