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So gehen Unternehmer in Trier mit Geldsorgen um

Finanzen : So gehen Unternehmer mit Geldsorgen um

Wie klarkommen mit finanziellen Einbußen in der Corona-Krise? Der TV hat sich bei Selbstständigen, Einzelhändlern und Start-ups umgehört. Das Fazit: Die Not ist groß – der Zusammenhalt aber auch.

Mit der Corona-Ausbreitung kommt für viele Menschen im Kreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier auch eine finanzielle Krise. Die Geschäfte und viele Gastronomiebetriebe müssen schließen. Die Kosten jedoch bleiben: Waren sind schon angeliefert worden, Geschäftsräume müssen bezahlt werden und die Nebenkosten kommen hinzu. Einen großen Batzen Geld fressen die Löhne – auch wenn die Möglichkeit besteht, Kurzarbeit anzumelden und so Kündigungen vorzubeugen.

Doch allein damit ist es für manche Menschen nicht getan. Selbstständige haben gerade einen unvorhergesehenen Ausfall – sowohl finanziell als auch bezogen auf die Arbeit selbst. Besonders ist davon etwa die Veranstaltungsbranche betroffen. Viele arbeiten hier auf freiberuflicher Basis und haben in den letzten Wochen eine Absage nach der nächsten hinnehmen müssen. Tino Borscheid arbeitet als Veranstaltungstechniker. Auf ihn traf genau dieses Szenario Ende vergangener Woche zu. „Mein Telefon hat stündlich geklingelt. Nach und nach brachen alle Aufträge weg“, erzählt Borscheid. Für ihn ein finanzielles Fiasko. „Ich habe mich gefühlt, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen.“ So geht es auch vielen der Kollegen. Regelmäßige Kunden greifen Borscheid unter die Arme: Vorgezogene Wartungsarbeiten und andere Aufträge helfen fürs Erste dabei, nicht ins Bodenlose zu stürzen. „Der Zusammenhalt in der Branche, das habe ich auch von Kollegen und Kolleginnen gehört, ist enorm.“

Doch nicht alle können auf solche Unterstützung bauen. Daher haben die Sparkasse Trier und Volksbank Trier bekanntgegeben, dass sie mit Sofort-Maßnahmen sowohl Unternehmen als auch Privatkunden zur Seite stehen. Christian Göbel von der Sparkasse erklärt dazu: „Wir haben kein Universalrezept und aktuell ändert sich die Lage fast minütlich.“ Daher sei es wichtig, dass die Banken jetzt individuell und pragmatisch den Kunden entsprechend unterstützen. Dafür könne man sich bei den Beratern beider Häuser melden. Diese stünden mit spezifischen Informationen für jeden Einzelfall zur Verfügung, sagt Peter Backes von der Volksbank übereinstimmend mit dem Kollegen der Sparkasse.

Konkret stellen beide Banken Unternehmen beispielsweise Sonderkredite in Aussicht, die zur Überbrückung genutzt werden können, bis die staatlichen Hilfsleistungen ausgezahlt werden. Als weitere Möglichkeit wird das zeitweise Aussetzen von Darlehensrückzahlungen genannt, um die angespannte finanzielle Situation zu entlasten. „Bei diesen Beispielen gilt die Devise: Bei jedem Kunden entscheiden wir, wie genau im Einzelfall geholfen werden kann“, betont Christian Göbel. Dabei werden nicht nur interne, sondern vor allem auch externe Optionen nach dem jeweils neuesten Stand in Erwägung gezogen, etwa Kredite der Förderbank KfW.

Die Sparkassen-Filialen schließen ab Montag für zwei Wochen die Filialen für den Kundenverkehr. Nur unaufschiebbare Anliegen können nach vorheriger Absprache noch persönlich geklärt werden. An der Versorgung mit Bargeld ändere dies nichts, die Automaten beider Banken stehen weiterhin zur Verfügung, und auch alle anderen Finanzgeschäfte können telefonisch oder online erledigt werden.

Für Anke Glatt, die seit 25 Jahren in der Neustraße den Bio-Textilhandel Flax betreibt, bedeutet die Schließung ihres Geschäftes zwar finanziell große Schwierigkeiten, doch sie zeigt sich optimistisch. Einerseits nutzt sie die Zeit, um ihre Waren bald auch online über einen Shop anbieten zu können, andererseits hat sie für ihre Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt.

Eigentlich baut Anke Glatt auf den direkten, reellen Kontakt zu den Kunden und hat sich lange gegen einen virtuellen Laden gesträubt. „Doch hier liegen gerade riesige Summen brach. Die ganze Sommerkollektion ist schon da und die Zahlung dafür bald fällig.  Aber sie kann nicht verkauft werden – vielleicht hilft da der Online-Shop ein bisschen“, erzählt sie. Als langjährige Kundin der Sparkasse ist sie mit der Bank in Kontakt und freut sich über die Hilfe ihrer Beraterin. Dennoch vermutet sie, dass sie in drei Wochen zahlungsunfähig wäre, würde keine Unterstützung kommen. „Gerade die kleinen Läden können nur schwer Rücklagen bilden und sind jetzt auf gute Zusammenarbeit und Hilfe vom Staat angewiesen.“

Junge Start-ups können einen etwas schwereren Stand haben. Der Gesellschafter des Unverpackt-Ladens und des neu hinzugekommenen Gastro- und Cafébetriebes Liebling, Sebastian Würth, erzählt, dass bei jungen Unternehmen die Liquidität durch viele Investitionen und Neuerungen schwierig sei. Daher seien klassische Kredite aktuell kaum eine realistische Option. Noch gebe es keine festgelegten Richtlinien für die geplanten Maßnahmen, und das Geld vom Arbeitsamt für Kurzarbeit komme erst zu einem späteren Zeitpunkt. „Ich hoffe, dass mit den geplanten Hilfspaketen und anderen Änderungen bei den Banken allen schnell geholfen werden kann“, sagt Würth.

Aktuell sei man dabei, im Liebling Frühjahrsputz zu halten und auch im Unverpackt-Laden noch mehr auf Hygiene zu achten. „Wir versuchen es bei beiden Läden auch mit Lieferdiensten beziehungsweise Speisen zum Mitnehmen.“ Die Bestellungen können per WhatsApp oder Mail getätigt werden und bargeldlos bezahlt werden. Eine weitere Schwierigkeit sieht Würth darin, dass auch viele Großhändler und Produzenten derzeit an ihr Limit stoßen und sich Lieferzeiten für Waren teils verlängern. Auf die ausbleibende Kundschaft reagiert der Unverpackt-Laden mit verkürzten Öffnungszeiten von 9 bis 18 Uhr. „Gerade ist noch vieles schwammig und jeder muss erst einmal schauen, was sinnvoll ist. An der Stelle ist viel Solidarität und Kulanz gefragt – und ich hoffe, dass wir die in unserer Gesellschaft finden.“

Die Volksbank Trier in der Neustraße, März 2020. Foto: Julia Nemesheimer

Wie Unternehmer bei Banken und Sparkasse Hilfe bekommen, lesen Sie auf Seite 12.