Bald wieder freie Sicht aufs Welterbe So geht es mit den Bauarbeiten an den Trierer Kaiserthermen weiter

Trier · Bis Jahresende soll das seit 2015 stehende Gerüst an den Kaiserthermen verschwinden. Aber die Idylle dürfte nicht von langer Dauer sein.

  Ein Abschied, der nicht schwer fällt. Das Gerüst an den Kaiserthermen wird bald abgebaut. Doch die nächste Baustellenphase kommt bestimmt.

Ein Abschied, der nicht schwer fällt. Das Gerüst an den Kaiserthermen wird bald abgebaut. Doch die nächste Baustellenphase kommt bestimmt.

Foto: Roland Morgen

Der „wunderbare Blick nach Westen, nicht zuletzt auf die Kaiserthermen“ war für Rudolf und Brigitte Wolf ein guter Grund, 2018 in den Neubaukomplex an der Ecke Olewiger Straße/Ostallee in Trier zu ziehen. Dass sich die Kaiserthermen wegen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten großteils von einem Baugerüst verdeckt präsentieren, störte anfangs nicht. „Das geht ja vorüber, dachten wir uns“, sagt Rudolf Wolf.

Doch der tägliche Blick aufs Weltkulturerbe offenbarte wenig Fortschritt. „Im Spätherbst 2019 wurde zwar die Schutzplane abgenommen, aber unsere Hoffnung, dass bald auch das Gerüst folgen werde, erfüllte sich nicht“, bedauert der 77-Jährige. Weil sich „bis heute nichts Sichtbares verändert hat und man auch nicht sehen kann, ob da überhaupt gearbeitet wird“, wandte sich Wolf an den Volksfreund: „Vielleicht könnten sie mal darüber berichten, wie der Stand dort ist.“

Wir haben den zuständigen Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Mainz gefragt. Dessen Pressesprecher Markus Ramp betont, auf der Baustelle werde gearbeitet. Man sehe die Aktivitäten aber nicht von außen, denn sie spielten sich im Inneren an. „Die Mauerwerksarbeiten auf der Außenseite der Thermen zur Weimarer und Ostallee hin und die restauratorischen Konservierungen von Wandflächen sind seit Ende 2019 abgeschlossen“, so Ramp.

Top-Sehenswürdigkeit: die Kaiserthermen ohne Gerüst (Foto von 2009).

Top-Sehenswürdigkeit: die Kaiserthermen ohne Gerüst (Foto von 2009).

Foto: roland morgen (rm.)

So erklärt sich auch die abgebaute Schutzverkleidung am Außengerüst. Das allerdings werde weiter benötigt: „Das Außengerüst muss bis zum kompletten Gerüstabbau stehen bleiben, da es mit dem Innengerüst eine selbsttragende statische Einheit bildet. Wegen der inhomogenen, historischen Bausubstanz ist eine Verankerung an den aufgehenden Wänden nicht möglich. Aktuell, so Ramp weiter, würden an der Innenseite der Wand des Caldariums (des einstigen Warmwasserbads) „restauratorische und statisch konstruktive Sicherungsarbeiten nach einem mit Denkmalpflege und Archäologie abgestimmten Maßnahmenkatalog ausgeführt“.

Weiterhin erfolgt derzeit ein sogenanntes Rissmonitoring. Damit werden mögliche Bewegungen oder sonstige Zustandsveränderungen am antiken Gemäuer überwacht, um potenzielle Schwachstellen zu finden. Die gute Nachricht: „Nach Abschluss der aktuellen Arbeiten im Caldariums-Inneren soll das komplette Gerüst bis Ende 2020 abgebaut und abtransportiert werden“, verkündet der LBB-Sprecher. Allerdings wird es freie Sicht aufs Weltkulturerbe nur vorübergehend geben. Denn: „In den nächsten Jahren werden weitere umfangreiche Einrüstungen von Teilbereichen der Kaiserthermen erforderlich sein, um die weiteren Sanierungsabschnitte umzusetzen.“

Und die nehmen noch einige Zeit in Anspruch. Bei Beginn der Arbeiten vor sechs Jahren war ein „Abschluss etwa 2028“ angepeilt. Doch dieser Zeitplan ist nach jetzigem Stand nicht mehr einzuhalten. Ramp: „Die historische Bausubstanz, Art und Umfang der jeweiligen Schadensbilder sowie die Besonderheiten bei Sanierung und Restaurierung führen immer wieder zu baufachlichen und restauratorischen Neubewertungen, notwendigen Modifizierungen des Sanierungskonzepts und in der Folge zu einer längeren Terminschiene.“ Inoffiziell ist nun von „2029“ die Rede.

Um das 1700 Jahre alte Unesco-Weltkulturerbe auf Vordermann zu bringen und in Schuss zu halten, gibt das Land viel Geld aus. Ramp: „Seit 2010 bis heute wurden für die Bestandsaufnahme, Zustandsbewertung und Sicherung der Kaiserthermen insgesamt rund 2,5 Millionen Euro aufgewendet.“ Die Anfang 2015 von der Firma BSB Bau- und Spezialgerüstbau (Schmölln/Ostthüringen) montierte Infrastruktur schlägt mit bislang 500 000 Euro zu Buche: 1000 Quadratmeter Arbeitsgerüst, 580 Kubikmeter Raumgerüst, 1600 Quadratmeter Gerüstnetze, ein 180 Quadratmeter großes Wetterschutzdach, zwei Personen- und Materialaufzüge sowie 250 Meter Schutzzaun .

Rudolf Wolf vernimmt die Nachricht vom Gerüst-Abbau aus zweifachem Grund mit Freude: „Dann dürfte ja auch der Weg entlang der Kaiserthermen wieder freigegeben werden. Die Sperrung und schlechte Beschilderung führen leider dazu, dass ortsunkundige Touristen sich auf die Straße und damit in große Gefahr begeben.“

Trotz der laufenden Arbeiten kann das weitläufige Kaiserthermenareal besichtigt werden. Infos dazu unter www.trier-info.de

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