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So geht es weiter mit dem Trierer Exzellenzhaus

So geht’s weiter beim Trierer Jugendzentrum Exhaus : Stadtrat splittet ehemaliges Angebot auf: Chance für Verein Kulturgraben

Etablierte Träger aber auch der neu gegründete Verein Kulturgraben können sich um das Erbe des Jugendkulturzentrums bewerben.

Immerhin 381 417 Euro sind im städtischen Haushalt pro Jahr eingeplant, damit es mit dem Angebot des insolventen Jugendhilfevereins Exhaus weitergehen kann. Darüber, wie die Zuschüsse für Medienarbeit, Streetwork, offene Jugendarbeit und auch Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Partys und Lesungen verteilt werden sollen, hat sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung geeinigt: Die Jugendarbeit wird nicht als Paket an einen einzigen Nachfolge-Verein vergeben, sondern aufgesplittet. Trägervereine können sich dann auf Teilbereiche bewerben. Auch der neue Verein Kulturgraben, der sich aus dem Aktionsbündnis „Exhaus bleibt!“ heraus gegründet hat, hat Chancen: Der (noch) nicht als offizieller Träger der freien Jugendhilfe anerkannte Verein, der bislang keine praktische Erfahrung in der Jugendarbeit nachweisen kann, kann sich um die Finanzierung einzelner, konkreter Projekte bewerben. „Wir geben so dem Kulturgraben eine faire, realistische Chance, um sich zu beweisen“, sagte Grünen-Sprecher Wolf Buchmann. Auch Norbert Freischmidt, jugendpolitischer Sprecher der CDU, betonte, dass es wichtig sei, die Ausschreibung nicht ausschließlich auf etablierte Träger und Vereine zu beschränken. Die Verwaltung müsse nun „auch dem Kulturgraben gegenüber ergebnisoffen prüfen“, wer das beste Konzept für die Jugend- und Jugendkulturarbeit einreiche.

Julia Bengart von der SPD machte deutlich, dass das Angebot und die Leistung des Exhauses erhalten bleiben sollen – dabei aber nicht einfach das Alte weitergeführt werden dürfe. „Wir müssen prüfen, ob sich etwas anpassen, ergänzen oder optimieren lässt“, sagte Bengart. Etablierte Träger hätten es möglicherweise einfacher, den Zuschlag zu erhalten. Aber sich über Projekte einzubringen – wie es dem Kulturgraben nun ermöglicht wird – sei nun mal „der ganz normale Weg zur späteren Anerkennung als Träger der Jugendhilfe“.

Die Linke kritisierte die Aufspaltung des ehemaligen Exhaus-Leistungsspektrums in mehrere Teile. „Wir waren immer der Meinung, dass das 50 Jahre alte und dennoch junge Konzept erhalten bleiben soll“, sagte Theresia Görgen. Die Linke enthielt sich deswegen der Abstimmung. FDP-Sprecher Tobias Schneider lobte dagegen den nun eingeschlagene Weg, der „genau in die Richtung führt, die wir von Anfang an forciert haben“. Es müsse schließlich darum gehen, am Ende das beste Angebot für die Jugendlichen zu ermöglichen – sich vorab auf einen einzigen Träger wie den Kulturgraben festzulegen, wäre falsch gewesen. „Der Kulturgraben hat nun die Chance, sich projektbezogen einzubringen und mittel- bis langfristig die Anerkennung als Träger zu erhalten.“

Mit 43 Ja-Stimmen, sieben Enthaltungen und keiner Gegenstimme beschloss der Stadtrat, das ehemalige Leistungsspektrum des Exhauses aufzusplitten und einzeln auszuschreiben (stadtteilorientierte Jugendkulturarbeit in Trier-Nord, Jugendkulturarbeit am künftigen Standort Schießgraben ab Juli 2022, Jugendkultur-Projektarbeit bis Juli 2022, Streetwork). Über die Vergabe – auch der Zuschussgelder – entscheidet nun der Jugendhilfeausschuss.