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So hilft die Region Trier Nick beim Kampf gegen den Hirntumor

Kostenpflichtiger Inhalt: Schicksal : So stemmt sich Nick gegen die Krankheit - mit Unterstützung aus der ganzen Region Trier

Der 19-jährige Nick Heinsdorf aus Trittenheim bekam im Sommer die schockierende Diagnose: Hirntumor. Operieren kann man ihn nicht, aber ein Medikament aus den USA und eine Therapie in der Schweiz geben Hoffnung. Die Hilfsbereitschaft in der Region ist überwältigend.

„Es ist ein beständiges Auf und Ab, aber in den letzten Tagen geht es mir besser“, sagt Nick Heinsdorf im Gespräch mit dem TV.  Der 19-jährige Trittenheimer, der eigentlich für seine Abiturprüfung am Nikolaus von Kues Gymnasium in Bernkastel-Kues lernen würde, hatte im Sommerurlaub Probleme beim Sprechen und beim Gehen. Die Diagnose im Brüderkrankenhaus Trier einige Wochen später lautete: ein Hirntumor am Stammhirn, den man nicht operieren kann. Das hat sein Leben und das seiner Familie komplett verändert.

Statt sich auf die Prüfungen in Deutsch und Englisch vorzubereiten, sich mit Freunden zu treffen und Fußball zu spielen, stehen Krankengymnastik, Ergo,- Logotherapie und Arztbesuche an. Behandelt wird er in der Neurologie im Brüderkrankenhaus, die in engem Kontakt zur Uniklinik Heidelberg steht.

Auch dort war er bereits zweimal. Eine sechswöchige Bestrahlungstherapie und eine Chemotherapie in Tablettenform haben zu einer Verkleinerung des Tumors geführt. „Das hat ihn natürlich motiviert und einen positiven Schub gegeben“, sagt seine Mutter.

Nach der schweren Diagnose ist aufgeben für Nick keine Option: „Der Kampf geht weiter.“ Sein Vater ergänzt: „Anders geht es nicht. Es gibt natürlich auch Phasen, in den man down ist und Tiefs hat, aber da muss man wieder rauskommen, ähnlich wie beim Fußballspielen.“ Und damit kennt sich die Familie aus. Uwe Heinsdorf hat beispielsweise in Salmrohr gespielt und Trittenheim trainiert. Er hat vor einigen Jahren die „Kicker gegen Krebs“ ins Leben gerufen. Nick hat bei der, wie er selbst sagt, „besten Mannschaft der Welt“, der SG Neumagen-Dhron-Trittenheim, verteidigt.

Ganz spurlos sind der Tumor und die Therapien nicht an ihm vorbei gegangen. Er spricht langsam und bedächtig, wirkt müde, hat Schwierigkeiten mit dem Sehen. „An Pfingsten habe ich noch bei der Showtanzgruppe als ,Heber’ mitgetanzt. Jetzt ist das Bewegen schwierig. Meine Hobbys kann ich nicht mehr ausüben, sehe Doppelbilder und bin teilweise auf Hilfe angewiesen.“ Aber Nick, sein Bruder und seine Eltern haben viel Unterstützung. Täglich kommen Freunde und Familie vorbei. Briefe erreichen ihn, Gebasteltes und kleine Aufmerksamkeiten kommen an. Ein wichtiger Kontakt ist für sie Carlita Metzdorf-Klos, Diplom-Pädagogin, Psychoonkologin und Leiterin des Beratungszentrum Trier der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz. Sie erklärt: „Wir können auf unser medizinisches Netzwerk zurückgreifen. Ich fahre zu Hausbesuchen, um Nick und seiner Familie zu helfen, und stehe bei Fragen zur Seite.“

Sein Vater sagt: „Wenn es Nick gut geht, dann geht es uns auch gut. Wenn es ihm schlecht geht, geht es uns auch schlecht.“ Seine Mutter ergänzt: „Es ist gut, dass so viele seiner Freunde kommen und er sich nicht abschottet“.

Nicks Eltern haben sich mit anderen Betroffenen ausgetauscht und sind auf ein Medikament gestoßen, dass in den USA bei der Tumorart ihres Sohnes eingesetzt worden ist. In einem Drittel der Fälle soll es den Tumor eingedämmt oder das Wachstum gestoppt haben. Das Problem ist aber, dass es in Deutschland noch nicht zugelassen ist und deshalb nicht von den Krankenkassen bezahlt werden kann. In den USA wird es in klinischen Studien getestet.

Bisher hat Nick diese Kapseln, von denen er einmal pro Woche vier Stück nimmt und die keine Nebenwirkungen bei ihm auslösen, zweimal von einem deutschen Arzt bekommen, der mit Kollegen in den USA zusammenarbeitet. Pro Monat kostet diese Therapie mehrere Tausend Euro. Zudem wird er im Januar mit seinen Eltern in die Schweiz reisen, wo Spezialisten für seine Art des Tumors nach weiteren Behandlungsmöglichkeiten suchen.

Deshalb hat sich Nick in einem offenen Brief im Internet an die Öffentlichkeit gewandt und bittet um finanzielle Hilfe. Er schreibt: „Dieses Medikament soll Tumorzellen zerstören können, die gesunden Zellen jedoch nicht angreifen. Das ist meine größte Hoffnung.“ Im Gespräch erklärt er: „Es ist die einzige Möglichkeit, um meine Familie zu entlasten.“ Sein Vater Uwe Heinsdorf ergänzt: „Es wird alles gemacht, damit es wieder bergauf geht. Die beste Versorgung übersteigt aber auf Dauer unsere Möglichkeiten. Die Spenden werden ausschließlich für das Medikament und die Behandlungskosten im Ausland verwendet.“

Die Reaktionen, die seine Veröffentlichung hervorgerufen hat, sind überwältigend . In Trittenheim, in den Nachbardörfern, bei Vereinen und an Schulen werden Spenden gesammelt. Mehrere Konzerte werden zu seinen Gunsten gegeben (siehe Info). An seiner Schule laufen viele Aktionen. Oberstudiendirektor Alfred Schmitt sagt: „Es ist der Schulgemeinschaft eine Herzensangelegenheit, Nick Mut zu machen und zu tun, was wir können. Das ist, an ihn zu denken und Spenden zu sammeln. Das wollen wir auch im Januar fortsetzen.“

Theo Nilles aus Trittenheim, aus dem Freundeskreis der Familie, erklärt die große Hilfsbereitschaft so: „Weil es einfach eine tolle Familie ist. Die Eltern und die beiden Jungs sind im Ort eingebunden und sind selbst sehr hilfsbereit.“ Für die Hilfe bedankt sich Nick Heinsdorf schon jetzt: „Es macht mich sprachlos, wie viele Leute mir helfen. Es motiviert mich, gibt mir Kraft und Durchhaltewillen.“