"So hoch war der Bach noch nie!"

"So hoch war der Bach noch nie!"

WELSCHBILLIG. Neben Kordel war im Bereich der Verbandsgemeinde Trier-Land Welschbillig am stärksten vom gestrigen Unwetter betroffen. Riesige Wassermassen aus dem Bitburger Land schossen östlich der B 51 ins Tal und ließen die Bäche zu reißenden Flüssen werden. Da wurden schlimme Erinnerungen an die Katastrophe von vor 26 Jahren wach.

"So hoch habe ich den Bach noch nie gesehen", sagt Franz Wagner und blickt von seinem Haus in der Von-Eltz-Straße 1 hinab zum Welschbilliger Bach. Den sonst kleinen und idyllischen Wasserlauf haben die starken Regenmengen aus dem Bitburger Land (in Idesheim wurden 180 Liter pro Quadratmeter gemessen) zu einem reißenden Fluss werden lassen.Franz Wagner und seine Frau Luise schöpften noch kurze Zeit vorher Wasser aus ihrem Keller, das sich durch den Kanal hochgedrückt hatte. Zehn Zentimeter hoch stand die Brühe in der Waschküche und in der Hobbywerkstatt. Überfallartig sei das Unwetter gegen 10.15 Uhr über Welschbillig niedergegangen, berichten sie, und sogleich werden die schrecklichen Bilder jenes 3. August 1980 in Erinnerung gerufen, als Regen und Hagel große Schäden anrichteten. "Der Hagel deckte Dächer ab und durchschlug Jalousien, die Strommasten auf Windmühle knickten um wie Streichhölzer", sagt Luise Wagner. "Ja, wir haben gezittert und gebetet", ergänzt ihr Mann.

Diesmal war es nicht so schlimm, wenngleich die Feuerwehr an rund 20 Einsatzorten tätig werden musste. Auch im Haus von Wehrführer Günther Müller, das nur 40 Meter unterhalb von Wagners Anwesen liegt, lief der Keller voll. Mit "Wasserstaubsaugern" beseitigten Müller und weitere Feuerwehrleute das Übel. "Im Bereich Schilzenburg ist es schlimmer, da steht das Wasser in zwei Häusern 70 Zentimeter hoch", sagt der Wehrführer. Und in der Tat: Die aus Richtung Idesheim heranrauschenden Wasser-, Schlamm- und Gestrüppmassen haben einen Brückendurchlauf versperrt. Auch ein großer Ballen Stroh hat sich unter der Brücke verkeilt. In fünf Häusern auf der anderen Brückenseite steht das Wasser. Auf der Brücke ist gerade ein Bagger dabei, den gröbsten Unrat zu beseitigen. Das schwere Räumgerät ist sonst beim Bau der dritten Spur auf der B 51 bei Neuhaus eingesetzt und wurde kurzerhand von Marc Buschmann, der im Feuerwehrgerätehaus Welschbillig die Einsätze koordiniert, umgepolt. Die Firma Schnorpfeil habe sofort mitgespielt, freut sich Buschmann über die unbürokratische Nachbarschaftshilfe.

Umgestürzter Baum verursacht Unfall

Derweil ist die Stützpunktwehr Newel damit beschäftigt, die Häuser an der Brücke leer zu pumpen Fast alle Wehren aus der VG Trier-Land sind im Hochwassereinsatz; auf dem kleinen Dienstweg wurde sogar organisiert, dass Wehrleute aus der Verbandsgemeinde Schweich, die selbst nicht betroffen war, Sandsäcke füllen.

Die sind für Kordel bestimmt, das - wie schon so oft - mit der Kyll als "Auffangbecken" für die Regenmassen am stärksten betroffen war (siehe nebenstehenden Bericht).

Doch nicht nur Sturzbäche und volle Keller sorgten gestern für Hilfseinsätze. Auf der B 422 zwischen Welschbillig und Kordel verursachte ein umgestürzter Baum einen Verkehrsunfall. Der Fahrer blieb unverletzt.