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So reagiert Mutterhaus Trier auf Belastung durch resistente Keime

Gesundheit : „Wir gehen keinerlei Risiko ein“: Mutterhaus Trier reagiert auf Belastung durch resistente Keime

Im Klinikum Mutterhaus in Trier wird die Intensivstation komplett geräumt und desinfiziert. Geringe Gefahr für andere Patienten.

Von Alarmstimmung ist am Montag auf der Intensivstation des Mutterhauses nichts zu spüren. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, wie sie mit so einer Situation umgehen müssen“, sagt Dr. Oliver Kunitz. Der Chef­arzt der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin zeigt auf ein Schild, das an der Glasscheibe der Tür zu einem der Isolierzimmer hängt: Handdesinfektion. Überkittel, Mundschutz und Handschuhe sind demnach Pflicht für jeden, der hier Angehörige oder Freunde besuchen will. „Diese Vorsichtsmaßnahmen gelten für alle geschwächten Patienten, nicht nur wegen der resistenten Keime.“

Doch die sorgen in der Klinik für Ungemach. Das gegen Antibiotika immune Bakterium mit dem komplizierten Namen „4-MRN Pseudomonas aeruginosa“ war am Donnerstag bei drei Patienten der Intensivstation festgestellt worden (volksfreund.de berichtete). Nach der sofort angeordneten Überprüfung aller Patienten dort wurden am Sonntag zwei weitere Fälle einer Besiedlung mit dem Keim offensichtlich. Insgesamt ist laut Klinikleitung bei sieben stationär untergebrachten oder entlassenen Patienten das für schwer und chronisch Kranke gefährliche Bakterium nachgewiesen worden.

 Deshalb dürfen derzeit keine neuen Patienten mehr auf die Intensivstation mit ihren insgesamt 25 Betten eingewiesen werden. Für sie stehen kurzfristig bis zu neun Überwachungsplätze in einem anderen Bereich zur Verfügung. „In Abstimmung mit dem Trierer Gesundheitsamt tun wir alles, um den Keimherd zu identifizieren und die Ausbreitung des Keims einzudämmen“, versichert Dr. Wolfgang Thomas, ärztlicher Direktor der Klinik. Multiresistente Keime seien leider klinischer Alltag. Problematisch werde es allerdings, wenn ein Keim gehäuft auftrete.

Nach Aussage von Geschäftsführer Jörg Mehr gab es so etwas im Erwachsenenbereich des Mutterhauses bislang noch nicht. 2013 sorgte allerdings ein resistenter Keim auf der Station für Frühgeborene für Aufregung. Ein verunreinigtes Babypflegemittel war damals der nach einigen Wochen identifizierte Übeltäter.

So lange soll es im aktuellen Fall nicht dauern. Wenn der abgeschlossene Bereich der Intermediate-Care-Station und seine zehn Intensivplätze komplett geräumt, gereinigt  und von jeglichen Spuren des resistenten Keims befreit sind, soll am Wochenende auch die eigentliche Intensivstation keimfrei gemacht werden.

„Wir stellen uns dem Thema und nehmen alle Eventualitäten in den Blick“, versichert der medizinische Geschäftsführer Dr. Christian Sprenger. So soll unter anderem ein Speziallabor in einem aufwendigen Verfahren klären, ob tatsächlich nur ein Keim zu bekämpfen ist.

Wie 2013 setzt das Mutterhaus auch diesmal auf die Begleitung des renommierten Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg. Dessen ärztlicher Leiter Dr. Sebastian Schulz-Stübner gehört zu der 15-köpfigen Task-Force, die seit Montag in der Trierer Klinik alle Maßnahmen koordiniert. „Natürlich sind hier die Mitarbeiter nach 2013 besonders sensibilisiert“, sagt der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, der vor Panik warnt: „Dieser Erreger ist zwar gegen Antibiotika resistent, aber nicht gegen Desinfektionsmittel.“ Patienten der anderen Abteilungen seien ebenso wenig betroffen wie Besucher.

„Um sich vor Infektionen zu schützen, ist grundsätzlich die Einhaltung der Basis-Hygienemaßnahmen wichtig, vor allem die Händehygiene.“ Im Alltag reichen laut Schulz-Stübner 30 Sekunden intensives Händewaschen aus. „Im Risikobereich oder beim Umgang mit Patienten ist zusätzlich eine Handdesinfektion vor und nach dem Kontakt sinnvoll.“

Auf der Intensivstation des Mutterhauses wird ruhig gearbeitet. Von wirklicher Alarmstimmung ist hier nichts zu spüren. Nur einen Querflur entfernt liegt die Intermediate-Care-Station. Sie wird heute ausgeräumt, gereinigt und desinfiziert. „Wir werfen auch alle verpackten Hilfsmittel weg“, verdeutlicht Geschäftsführer Jörg Mehr. „Wir gehen kein Risiko ein, da spielen auch mögliche Kosten keine Rolle.“

Mehr blickt zurück auf das Jahr 2013: „Damals ist kein Kind zu Schaden gekommen. Das soll natürlich auch für unsere erwachsenen Patienten heute gelten.“