So soll die Theatersanierung in Trier im Detail aussehen

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadtbild : Theatersanierung in Trier: Das Projekt im Detail

Der Grundsatzbeschluss für die Theatersanierung ist gefallen. Aber was bedeutet das im Detail? Der Trierische Volksfreund stellt die Planung vor.

Das Theater Trier feiert in diesen Wochen eine Erfolgsgeschichte. Fast alle großen Vorstellungen im März sind bereits ausverkauft. Doch der Spaß könnte abrupt enden. „Die Bühnentechnik kann jederzeit ausfallen“, macht Kulturdezernent Thomas Schmitt klar, wie ernst es um die 1964 am Augustinerhof eröffnete Spielstätte steht. „Ich lade jeden ein, im Foyer eine Geruchsprobe zu nehmen, um selbst einen Eindruck davon zu bekommen, in welchem Zustand sich die Technik und die Installation befinden.“

Es läuft auf der Bühne, aber hinter den Kulissen ist der Zustand des einst vorbildlich modernen Theaters erbärmlich. Schimmel, marode Elektrik und Wasserschäden schockieren unvorbereitete Besucher. Für die Bühnentechnik gibt es keine Ersatzteile mehr. Die Funktionsräume und Werkstätten sind eng und seit Jahren ein Provisorium. Für knapp 48 Millionen Euro – als Basisjahr für diese Kostenschätzung gilt 2018 – soll vieles besser werden. Das hat der Stadtrat Trier in seiner Sitzung am 29. Januar bei drei Gegenstimmen beschlossen. Im Sommer 2021 soll die Kernsanierung beginnen, sofern bis dahin der neue Saalbau am Kulturzentrum Tuchfabrik fertig ist und als Interimsspielstätte für das Theater bereitsteht.

Die Gebäudewirtschaft Trier (GWT) hatte gemeinsam mit dem Theater das in einer Machbarkeitsstudie 2016 ermittelte Raumprogramm noch einmal mit dem Blick auf Einsparungen erheblich überarbeitet. Um fast 2000 Quadratmeter wurde im Vergleich zu der unter dem ehemaligen Kulturdezernenten Thomas Egger erstellten Planung reduziert. Die reduzierte Variante wurde von dem externen Planungsbüro Walter Kottke Ingenieure (BWKI) und weiteren Fachplanern überprüft und im Wesentlichen bestätigt. „Das Raumprogramm ist jetzt an der unteren Grenze“, so die Einschätzung von BWKI. Lediglich um 430 Quadratmeter Nutzfläche soll das „neue“ Stadttheater Trier nun auf 7500 Quadratmeter wachsen. Ob zusätzlich in unmittelbarer Nähe ein neuer Orchesterprobesaal für 2,36 Millionen Euro gebaut wird, muss der Stadtrat entscheiden, wenn die Ergebnisse des Realisierungswettbewerbs vorliegen, der nun vorbereitet wird.

Inklusive der erwarteten Kostensteigerungen von jährlich etwa drei Prozent und weiteren unkalkulierbaren Risiken wird die Sanierung des Theaters deutlich mehr als 50 Millionen Euro kosten. Was im Detail mit diesem Geld gemacht wird, ist einen genauen Blick wert. So ist  die Sanierung des Bauwerks nicht einmal der größte Einzelposten in der Kostenaufstellung (siehe Grafik). Die komplette Erneuerung und Aufrüstung der Technik nimmt diesen Spitzenplatz ein. Das soll aus der antiquierten Spielstätte ein hochmodernes Theaterhaus machen. Dazu gehört auch der Einbau eines vermutlich elektronischen Akustiksystems, das bei Bedarf aus einem perfekten Spielsaal für das Sprechtheater auf Knopfdruck einen Konzertsaal mit hoher Qualität macht. Zudem soll sich der Theatersaal mit seinen derzeit 622 Sitzplätzen in neuem Gewand und mit neuen Sitzmöbeln präsentieren.

Neben der neuen Klimaanlage, der komplett erneuerten Bühnenbeleuchtung, Ton- und Medientechnik sollen in Zukunft auch die Kulissen und Bühnenböden nicht mehr mit Handzügen, sondern elektrisch bewegt werden können. Zudem ist im derzeitigen Werkstattbereich ein großer Lastenaufzug geplant, mit dem der An- und Abtransport der Kulissen aus der zukünftigen Theaterwerkstatt in Trier-Nord effektiv und schnell möglich sein soll. Dort, im neuen Energie- und Technologiepark der Stadtwerke und in den benachbarten Hallen der  ehemaligen Papierfabrik Ehm,  könnten nach Vorstellungen von Kulturdezernent Thomas Schmitt in Zukunft auch der Kostümfundus, das Kulissenlager und die Probebühnen für Ballett, Schauspiel und Musikproduktionen unterkommen. „Wir zahlen derzeit 80 000 Euro Mietkosten im Jahr für 2000 Quadratmeter angemietete Flächen an sechs Standorten in der Stadt“, hat er dem Kulturausschuss vorgerechnet. „Die Verringerung auf zwei bis drei unterschiedliche Standorte wäre auch mit Blick auf den Personaleinsatz ideal.“

Der gesamte Flächenbedarf für das Theater Trier inklusive aller externen Standorte, zu der auch die neue Bühne in der Europäischen Kunstakademie  Trier gehört, ist in der aktuellen Planung mit 13 253 Quadratmeter beziffert. In der Ära Egger waren noch 15 666 Quadratmeter geplant.

So ist auch den Verantwortlichen im Rathaus bewusst, dass die Zukunft des Stadttheaters Trier auch nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats spannend bleibt, nicht nur wegen des aktuell jederzeit möglichen Ausfalls der Bühnentechnik. Damit die Kosten bei der Sanierung nicht zu sehr aus dem Ruder laufen, haben die BWKI-Ingenieure und die Gebäudewirtschaft Trier einen Puffer in die Kostenermittlung eingebaut: Die Zulage für Bauen im Bestand beträgt gut vier Millionen Euro. Im Idealfall, an den niemand wirklich glaubt, wird dieses Geld nicht gebraucht.

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