So will die Stadt Trier Falschparker aussperren

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : So will die Stadt Trier Falschparker aussperren

Weniger Zu- und Ausfahrten, aber aus Kostengründen  keinen sicheren Schutz vor Anschlägen mit Fahrzeugen. Das erste konkrete Konzept für die seit Jahren diskutierten Poller in der Trierer Fußgängerzone bietet Anlass für Diskussionen.

Wie kann die Fußgängerzone sicher und autofrei gemacht werden? Im Trierer Stadtrat wird diese Frage seit mehr als zehn Jahren immer wieder diskutiert. Seit die SPD-Fraktion bei den Beratungen zum Doppelhaushalt 2015/2016 mit ihrem Antrag eine Mehrheit fand, zumindest für die Testvariante eines versenkbaren Pollers auch Geld bereitzustellen, muss die Verwaltung das Thema ernst nehmen. Fast fünf Jahre später nehmen die Pläne nun Gestalt an.

Das Ziel Wichtigstes Ziel ist die Verkehrsreduzierung in der Fußgängerzone. Wer keine entsprechende Erlaubnis hat, soll an der Einfahrt gehindert werden. Das hat Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) bei der Präsentation im Bauausschuss gemeinsam mit dem zuständigen Mitarbeiter im Tiefbauamt erläutert. Ein weiteres Ziel, mit versenkbaren Pollern die Innenstadt auch zuverlässig vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen, wird sich vermutlich nicht verwirklichen lassen. Verkehrsingenieur Matthias Swoboda verweist auf die hohen Kosten von Hochsicherheitspollern. „Die Wirtschaftlichkeit ist nicht gegeben, auch weil bei vielen Veranstaltungen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig wären.“

Das Konzept Das von der Stadtverwaltung favorisierte Konzept sieht eine Variation unterschiedlicher Sperren vor. Neun automatische Poller, vier halbautomatische Poller (manuell absenkbar) und sechs dauerhafte bauliche Blockaden würden demnach an 19 Standorten die Zu- und Abfahrten in und von der Fußgängerzone regulieren (siehe Grafik). Die derzeit zwölf Zufahrten würden damit auf sechs reduziert. Im Detail wären das: Simeonstraße, Liebfrauenstraße, Konstantinstraße, Neustraße, Jakobsspitälchen und Stockplatz. Die Zahl der Ausfahrten aus der Fußgängerzone würde sich von elf auf acht verringern. Konkret wäre das bei allen Zufahrten möglich, mit Außnahme Jakobsspitälchen und Neustraße.  Zusätzlich soll dann in der Glockenstraße, in der Palaststraße, der Dietrichstraße und am Heuschreckbrunnen nur noch die Ausfahrt möglich sein. Auch die halbautomatischen Poller können von Polizei, Feuerwehr und den Fahrzeugen der ART bei Bedarf geöffnet werden. Zudem würden sie während der Lieferzeiten die Fußgängerzone befahrbar machen.

Die Kosten Detailliert wurden den Mitgliedern des Baudezernats die voraussichtlichen Kosten für das Poller-Projekt vorgestellt. Die bevorzugte Variante (siehe oben) würde demnach Investitionen von etwa 730 000 Euro notwendig machen. Ein Anteil von 500 000 Euro würden für die Pollertechnik benötigt, 230 000 Euro für die Tiefbauarbeiten. Die jährlichen Wartungskosten veranschlagt das Tiefbauamt  auf 19 000 Euro. Die Stromkosten für die neun automatischen Poller würden bei etwa 3400 Euro liegen.

Foto: Rainer Neubert

Die Ingenieure der Stadt haben zum direkten Vergleich auch die Kostenschätzungen für zwei weitere Varianten ermittelt. Die Ausstattung ausschließlich mit Hochsicherheitspollern an 21 Standorten würde demnach mehr als 1,3 Millionen Euro kosten (930 000 Euro Technik; 390 000 Euro Tiefbauarbeiten). Die Kosten für eine Verkehrsregelung ausschließlich mit automatischen Pollern in derselben Anzahl lägen bei 1,03 Millionen Euro (653 000 Euro Technik, 375 000 Euro Tiefbauarbeiten).

Die Technik Wie bei den automatischen Pollern die Zugangskontrolle erfolgen soll, ist noch offen. Nach den Voruntersuchungen und dem Besuch in anderen Städten, die bereits Erfahrungen mit Pollern haben, sollen vier unterschiedliche Techniken ausprobiert werden: Die mobilen Hindernisse könnten demnach zum Beispiel per Mobilfunk über SMS-Nachricht oder per Anruf aktiviert werden. Die Ansteuerung über eine Transponderkarte ist ebenso eine Variante wie eine automatische Nummernschilderkennung. Vierte Möglichkeit für die Zugangskontrolle ist die Vignette. Diese würde automatisch von einen Lesegerät erkannt.

Die nächsten Schritte Welche dieser Varianten letztlich in der Praxis für die Trierer City am besten geeignet ist, soll getestet werden. „Wir wollen noch in diesem Jahr den Einstieg in die neue Verkehrsregelung schaffen“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig. Ein „Ur-Poller“ – wie er formuliert – soll dazu in der Glockenstraße eingebaut werden, als variable Ausfahrtsperre. Weil die bevorstehenden Kommunalwahlen und der anschließenden Sommerpause bis Mitte August keine Arbeitssitzung des Stadtrates möglich macht, ließ sich der Dezernent vom Ausschuss eine Ermächtigung für den Stadtvorstand geben. Dieser kann nun ohne weitere Zustimmung die Installation des „Ur-Pollers“ in die Wege leiten.

„Der Grundsatzbeschluss über das Gesamtkonzept ist eine sehr komplexe Sache“, sagt Ludwig. „Darüber muss dann der neue Stadtrat  entscheiden.“ Bevor dann der Baubeschluss erfolgt, soll es auch eine Bürgerbeteiligung zu dem Pollerkonzept geben.

Mehr von Volksfreund