So wird der Grüneberg zu Triers heißestem neuen Viertel

Stadtentwicklung : Triers neues heißes Viertel

Der Grüneberg in Kürenz ist zurzeit noch eine Randlage, aber bald werden sich alle Augen auf ihn richten. Die Stadt hat große Pläne.

„Wir leben ja hier am Ende von Trier“, sagt ein Anwohner der Straße Am Grüneberg spontan, während er die längst geschlossene alte Sporthalle betrachtet. Das Ende von Trier? Noch mag es so aussehen, aber der Schein trügt. Aus Sicht der Stadtplaner ist der Grüneberg zurzeit Triers heißestes Viertel.

Der Energie- und Technikpark auf dem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Ehm am Grüneberg ist das größte aktuelle Bauprojekt der Stadtwerke. Der Park soll bis 2022 fertig sein, die Schätzung der Investitionshöhe liegt zurzeit bei 15 bis 20 Millionen Euro.

SWT-Vorstand Arndt Müller kündigt einen „energieautarken Technikpark“ an. Die Stadtwerke haben „durch umfangreiche Investitionen in eine innovative technische Ausstattung“ die benachbarte Kläranlage als Energiequelle erschlossen. Die Nutzung von Synergieeffekten soll aber nicht nur technisch, sondern auch personell funktionieren. Deshalb werden Mitarbeiter der Stadtwerke und des Baudezernats der Stadt Trier dort unter einem Dach arbeiten. Bis Ende 2022 sollen das Tiefbauamt, die Stadtreinigung und das Grünflächenamt, kurz Stadt Grün, am Grüneberg zusammengeführt werden. Und das ist erst der erste Schritt.

Das technische Rathaus ist sowohl eine Erweiterung des Energie- und Technikparks als auch der Idee, Material und Personal an einem Ort zusammenzuführen, anstatt sie über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen.

„Das kann man doch auch niemandem vermitteln“, sagt Baudezernent Andreas Ludwig (CDU). „Die Stadt muss Gebäude in Trier anmieten, um ihre Mitarbeiter unterzubringen, die dann hauptsächlich per Telefon und WhatsApp  miteinander kommunizieren.“ Das soll in den nächsten Jahren enden: Im technischen Rathaus auf dem Grüneberg sollen die Stadtplanung, das Amt für Bodenmanagement und Geoinformation, das Amt für Bauen, Umwelt und Denkmalpflege sowie das Amt für Gebäudewirtschaft gebündelt werden.

Soziales Wohnen ist eines der emotionalsten Themen der Stadt Trier. Doch bezahlbarer Wohnraum ist nur schwer zu finden, insbesondere in attraktiven Lagen. Das will Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) ändern. „Und an der Attraktivität des Grünebergs kann wirklich kein Zweifel bestehen“, sagt er mit einem Blick in die schöne Sommerlandschaft.

Der Plan: Die komplette planerische Neuordnung des Grünebergs setzt Flächen frei, die für den Wohnungbau genutzt werden können. Der Eigentümer dieser Flächen ist in den meisten Fällen die Stadt Trier. Sie sollen Schritt für Schritt entwickelt werden. „Unsere Ziele sind sowohl die Schaffung bezahlbarer Wohnungen als auch geförderter Mietwohnungen“, betont Leibe. Um diese Ziele zu erreichen, sucht die Stadt einen Partner.

Die neue Wohnungsgesellschaft soll die Regie der Modernisierung und Erneuerung von 460 dringend sanierungsbedürftigen städtischen Wohnungen mit Gesamtkosten von rund 70 Millionen Euro übernehmen.Die Stadt Trier sucht einen strategischen Partner zur Sanierung und Modernisierung, Instandhaltung und Verwaltung des städtischen Wohnungsbestandes und hat dafür am Montag die europaweite Ausschreibung auf den Weg gebracht. „Geplant ist die Gründung einer Wohnungsgesellschaft, an der der private Partner 51 Prozent und die Stadt 49 Prozent der Anteile hält“, sagt Leibe.

Gesucht wird ein Unternehmen, das Erfahrungen mit der Sanierung von Altbauten, der Einwerbung von Wohnbaufördermitteln, der Beschaffung von Bauleistungen und der Immobilienverwaltung vorweisen kann. Die Stadt will der neuen  Gesellschaft für 24 Jahre das Nießbrauchrecht für die 800 städtischen Wohnungen einräumen, jedoch sollen sie im Eigentum der öffentlichen Hand bleiben. Nießbrauchrecht bedeutet: Die Gesellschaft soll den Gesamtbestand der Wohnungen per Generalvertrag an die Stadt vermieten, die dann wiederum die einzelnen Wohnungen vermietet. Für die Mieter ändert sich nichts, da sie ihre Mietverträge weiterhin mit der Stadt abschließen.

Die Frist für Bewerber, die sich an der Ausschreibung beteiligen wollen, endet am 31. Juli. Die Auswahl des Partnerunternehmens unter den Teilnehmern der Ausschreibung soll möglichst bis Ende des Jahres abgeschlossen werden, so dass Anfang 2020 der Stadtratsbeschluss zur Gründung der Wohnungsgesellschaft erfolgen kann.

Der neue Verkehrsknotenpunkt Nord soll Alt-Kürenz, Trier-Nord und die Höhenstadtteile deutlich besser an die Bahn anbinden. Dazu gehören ein Ausbau des Radwegenetzes, der Bau eines Park-and-Ride-Parkplatzes und auch der Ausbau der E-Mobilität. Der direkte Anschluss an die A 602 soll den Verkehrsfluss weiter verbessern. All das soll bis Ende 2026 komplett fertig werden.

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