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Sorgenfrei studieren ohne Einser-Abi

Sorgenfrei studieren ohne Einser-Abi

Gute Noten sind längst nicht alles, wenn es um Stipendien geht. Engagement im sozialen Bereich zählt ebenso. Doch vielen Studenten fehlt es an Mut zur Bewerbung. Anna Weinand aus Trier ist Botschafterin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und möchte Vorurteile im Bezug auf die Begabtenförderung eindämmen.

Trier. Für viele Studenten ist die Finanzierung ihres Studiums die erste große Hürde im neuen Alltag. Laut einer Statistik des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) bezahlen die Eltern durchschnittlich die Hälfte der anfallenden Kosten, während der Rest durch Nebenjobs, staatliche Hilfen oder eben Stipendien gedeckt wird. Anna Weinand, die an der Universität Trier Französisch, Spanisch und Englisch auf Lehramt studiert, gehört zu den drei Prozent aller Studenten bundesweit, die im aktuellen Wintersemester ein Stipendium erhalten. Wie viele andere Studienanfänger hat auch die 23-Jährige erst gezweifelt, ob ihre Noten für ein Stipendium reichen würden. Schließlich hat sie sich auf Drängen zweier Freundinnen bei der 1994 gegründeten Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SWD, siehe Extra) beworben - und wurde angenommen.Klischees sollen verschwinden

Mittlerweile fungiert Anna sogar als studentische Botschafterin der Stiftung und versucht, andere Studenten für Stipendien zu begeistern. "Die Höhe der Bezüge durch die Stiftung richtet sich, ähnlich dem Bafög-Satz, nach dem Einkommen der Eltern. Der Höchstbetrag liegt bei knapp 600 Euro, zusätzlich erhält jeder Stipendiat circa 150 Euro Büchergeld", erklärt sie im Gespräch mit dem Volksfreund. Einen Nebenjob braucht sie nicht, um über die Runden zu kommen.Doch viele Studenten wagen diesen Weg erst gar nicht. Die SWD versucht derzeit mit einer Motivationskampagne mit gängigen Klischees aufzuräumen. "Selbst unsere Stipendiaten schildern, dass sie anfangs dachten‚ ,ohne ein 1,0-Abi brauch ich mich doch gar nicht zu bewerben\'. Dabei kommt es uns auf das Gesamtpaket aus Noten, gesellschaftlichem Engagement und Motivation der Bewerber an", erklärt Michael Baer, Leiter des Studienförderwerks Klaus Murmann der SWD. Stipendien seien aber nicht bloß etwas für Überflieger oder Senkrechtstarter. Derzeit erhalten etwa 1600 Studierende ein Stipendium der SWD, Tendenz steigend. Finanziert werden die Zahlungen von Arbeitgeberverbänden, privaten Spendern und dem ehemaligen Arbeitgeberpräsidenten Klaus Murmann. Zusätzlich beteiligt sich das Bildungsministerium.Für Anna hat sich die Bewerbung bei der Stiftung jedenfalls gelohnt: "Endlich kann ich sorgenfrei studieren", sagt die 23-Jährige.Ein Bewerbungsformular sowie weitere Informationen sind auf der Homepage der SWD verfügbar: www.sdw.orgExtra

... Anna Weinand, Botschafterin der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Warum haben Sie den Entschluss gefasst, sich für ein Stipendium zu bewerben? Anna Weinand: Ich habe darüber nachgedacht, welche Vorteile ein Stipendium für mich hätte. Neben der finanziellen Sicherheit bietet es eine gezielte Förderung in Form von Seminaren und Akademien. Darüber hinaus hält die Stiftung ein riesiges, soziales Netzwerk bereit. Letztendlich wollte ich es einfach versuchen und dachte mir, mehr als ein ,Nein\\' kann mir nicht passieren." Welche Voraussetzungen sollte man denn für ein Stipendium mitbringen? Weinand: "Man muss nicht seine ganze Freizeit in der Bibliothek verbringen, wie viele denken. Leistung ist zwar wichtig, aber nicht ausnahmslos entscheidend. Man sollte sich auch in sozialen Bereichen engagieren und Interesse an aktuellen Themen zeigen." Was würden Sie angehenden Studenten empfehlen? Weinand: "Ich würde jedem raten, sich frühzeitig über mögliche Angebote von Stiftungen zu informieren. Man muss sich einfach nur trauen. Es gibt nichts zu verlieren. Der Mythos, nur Überflieger hätten eine Chance, stimmt jedenfalls nicht."Extra

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat eine Studie erstellt, die der Frage nachgeht, was die Ursache für die geringe Zahl an Stipendiaten in Deutschland ist. Befragt wurden 800 junge Menschen, die unter anderem in München, Berlin und auch in Trier studieren. Das Ergebnis: Nur jeder Dritte hat überhaupt über ein Stipendium nachgedacht. 40 Prozent der Studierenden halten ihre Leistungen für zu schlecht und mehr als die Hälfte glauben, man müsse für ein Stipendium vorgeschlagen werden. lex