Sozialwohnungen dringend gesucht: Stadt Trier baut ihr Angebot aus

Kostenpflichtiger Inhalt: Sozialer Wohnungsbau : Sozialwohnungen gesucht: Die Stadt baut ihr Angebot aus

350 zusätzliche Sozialwohnungen braucht die Stadt Trier in den kommenden Jahren. Eine Projektgruppe zeigt, wie die geplante Wohnungsbaugesellschaft Erfolg haben könnte.

650 Sozialwohnungen besitzt die Stadt Trier derzeit. Die große Mehrzahl davon ist in einem schlechten Zustand. Doch in der Magnerichstraße in Pallien und in Mariahof gibt es inzwischen sichtbare Veränderungen. Nach Meinung von Sozialdezernentin Angelika Birk dokumentieren die sanierten Wohnungen und Fassaden die erfolgreiche Arbeit der Projektgruppe Wohnungswirtschaft und Sozialplanung, die im September 2016 ihr Büro im Haus Franziskus bezogen hat und seitdem alle städtischen Projekte des sozialen Wohnungsbaus betreut.

Projektleiterin Gabi Schmitt führt dort ein Team, zu dem auch zwei Architektinnen, zwei Sozialarbeiterinnen, zwei Mitarbeiterinnen im Förderprojekt Soziale Stadt, ein Techniker und eine Finanzcontrollerin gehören. Wichtigstes Ziel ist es dabei, effektiver, schneller und vor allem in möglichst enger Abstimmung mit den Bewohnern den städtischen Wohnungsbestand zu sanieren sowie zusätzliche Sozialwohnungen zu schaffen.

„Wir benötigen insgesamt mindestens 1000 Wohnungen für Menschen in besonders schwierigen Lebenslagen“, ist Sozialdezernentin Birk überzeugt. Diese Zahl deckt sich mit dem Konzept für die Gründung einer neuen städtischen Wohnungsbaugesellschaft, das Mitte November vom Stadtrat auf den Weg gebracht worden ist. Gesucht wird nun ein privater Investor, der 51 Prozent der Gesellschaft übernimmt. Nach den Vorstellungen der Verwaltung würde die Stadt (Anteil 49 Prozent) dann als Generalmieter die Wohnungen an Berechtigte weitervermieten.

Für die Bestandspflege, Sanierungsmaßnahmen und Neubauprojekte wäre weiterhin das Team um Gabi Schmitt verantwortlich. Denn die Bündelung von Zuständigkeiten aus unterschiedlichen Dezernaten hat sich bewährt. „Unser Team ergänzt sich“, sagt Gabi Schmitt. „Planung, Sozialarbeit, technische Betreuung und Finanzcontrolling gehören unabdingbar zusammen. Unsere Sozialarbeiterinnen und der Techniker sind ständig unterwegs und im Gespräch mit den Menschen. Das schafft Vertrauen. Wenn die Leute bei uns anrufen, dann wissen sie inzwischen, dass wir uns kümmern.“ Bewährt hat sich die 15-monatige Arbeit der dezernatsübergreifenden Organisationsgruppe bislang auch mit Blick auf die Finanzen. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Verwaltung alle Projekte im städtischen Sozialwohnungsbau im veranschlagten Kostenrahmen geblieben.

Angesichts der vielen aktuellen und geplanten Projekte ist auch das ein wichtiges Signal. Denn schon bald wird sich die Zahl der städtischen Sozialwohnungen erhöhen. „Wir werden die Wohneinheiten im Burgunderviertel in Neu-Kürenz kaufen und sanieren“, erläutert Bürgermeisterin Birk. Gekauft werden soll auch die einst für eine Kita vorgesehene Fläche der EGP (Gesellschaft für urbane Projektentwicklung) auf dem Petrisberg sowie etwa 20 Wohnungen in der Gratianastraße in Trier-Feyen von der Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg (Wogebe). Und dann sind da ja noch Hunderte weitere Wohnungen im Stadtgebiet, die dringend instand gesetzt werden müssen.

„Als ich mein Amt in Trier angetreten bin, hat die Stadt mehr Geld aus der Miete von Sozialwohnungen eingenommen als für deren Unterhaltung zu investieren“, erinnert sich Birk. Das dürfe in Zukunft nicht mehr so sein. Sie nimmt dabei allerdings auch die Mieter mehr in die Pflicht, damit die renovierten und neuen Wohnungen nicht zu schnell erneut zum Sanierungsfall werden. Um die Verantwortung für die Mietwohnung zu stärken, will die Stadt ab 2018 bei Neuvermietungen  eine Kaution von zwei Kaltmieten einführen. „Natürlich werden die für die Leute individuell gestaffelt und oft in kleinen Raten abzustottern sein“, verspricht Sozialdezernentin Angelika Birk, die auf den angespannten Wohnungsmarkt in Trier verweist.

Roswitha Zillgen wohnt in einer Sozialwohnungen am Mariahof 55. Das Gebäude wurde saniert. Foto: Friedemann Vetter

Genaue Erhebungen, wie viel Menschen in Trier Anspruch auf sozial geförderten Wohnraum haben, gebe es zwar nicht. Birk verweist aber auf eine Studie der Stadt Köln. „Dort kann theoretisch jeder Zweite einen Anspruch geltend machen. Das trifft vermutlich auch auf Trier zu.“

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