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Spätlese und Sonnenstrom im Duett?

Spätlese und Sonnenstrom im Duett?

Pölich will mehr Kapital aus seinem Land schlagen und gleichzeitig den Winzern etwas Gutes tun: Ein rund sechs Hektar großes Areal auf dem Pölicher Berg soll Weinbergsfläche werden. Auch eine Photovoltaikanlage ist im Gespräch. Möglicherweise gibt es sogar beides - Weinbau und Solarstrom.

Pölich. Ortsbürgermeister Walter Clüsserath hat mit spitzem Bleistift gerechnet: Wenn seine "Idealvorstellung" auf dem Pölicher Berg Realität wird, könnten pro Jahr bis zu 15 000 Euro mehr in den Gemeindesäckel fließen. Mit den zusätzlichen Einnahmen wäre der Haushalt ausgeglichen, könnten die laufenden Kosten für Kita, Gemeindearbeiter und andere Ausgaben gedeckt werden.
Clüsserath stellt sich das so vor: Pölicher Winzer sollen das sechs Hektar große Gemeindeland (siehe Grafik) pachten und dort Reben anpflanzen können. Weitere fünf Hektar im Anschluss, ebenfalls im Besitz der Gemeinde Pölich, pachten die Stadtwerke Trier (SWT) für eine Solaranlage. "Die Gemeinde braucht Geld", sagt der Ortsbürgermeister, "und das geht nur, indem wir unseren Grund und Boden optimal einsetzen." Windräder seien in Pölich keine Option (siehe Extra).
Acht Winzer aus dem 450-Einwohner-Ort haben laut Clüsserath bereits Interesse an zusätzlichen Wingerten gezeigt. Wenn man das Vorhaben umsetzen wolle, müsse es allerdings schnell gehen. 2016 sei eine Änderung beim Erwerb von Pflanzrechten geplant. Der Ortschef weiß, wovon er redet, schließlich ist er Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Trier-Saarburg.
Besagte sechs Hektar auf dem Pölicher Berg sollten eigentlich schon vor vier Jahren mit Solarmodulen bestückt werden. Investor war der Bürgerservice Trier. Das Vorhaben scheiterte jedoch an einer Gesetzesänderung im Frühjahr 2010: Die Förderung auf Ackerlandflächen fiel weg, Pölich schaute in die Röhre. Nun zeigen die Stadtwerke Trier Interesse. Sie haben den seinerzeitigen Pachtvertrag des Bürgerservice mit der Gemeinde Pölich samt Baugenehmigung übernommen. Das bestätigt SWT-Projektleiter Rudolf Schöller. Ziel sei es, Strom zu produzieren, der Pölich und Nachbargemeinden der Römischen Weinstraße zugute komme. Doch was ist mit den Weinbergs plänen der Gemeinde? Schöller wäre bereit, dem Wunsch von Ortsbürgermeister Clüsserath zu entsprechen und auf das Nachbargrundstück im rückwärtigen Bereich auszuweichen. Allerdings nur, wenn keine zusätzlichen Kosten entstehen, etwa für die Erlangung der Baureife. "Wir streben ein Einvernehmen mit der Gemeinde an", sagt Schöller.
Photovoltaikanlage oder Weinbergsgelände oder doch beides? Noch vor Weihnachten soll Klarheit herrschen. Am 18. Dezember befasst sich der Pölicher Gemeinderat mit dem Thema.Extra

Der Weinbauverband Mosel hat sich in einer Resolution gegen Windräder im Moseltal ausgesprochen. Das hat Vizepräsident Walter Clüsserath dem TV mitgeteilt. In Riol und Mehring sind Bauanträge für neun 200 Meter hohe Windräder gestellt worden. In Pölich, wo Clüsserath Ortsbürgermeister ist, gäbe es geeignete Standorte, aber der Rat lehnt Anlagen in Sichtweite ab. alf