Spannendes Spiel um Sein und Nichtsein

Spannend, dicht aber auch humorvoll hat der Jugendclub des Theaters Trier das Stück "Straßenhamlet" von Vera Achatkin auf die Bühne gebracht und sich damit beim begeisterten Premierenpublikum in der Tufa Trier höchsten Respekt erworben.

Trier. (ae) Es ist kein leichtes Stück, das sich der Jugendclub des Theaters Trier mit "Straßenhamlet" ausgesucht hat. Denn die Übertragung der Shakespeare-Tragödie auf jugendliche Straßengangs birgt die Gefahr, den Tiefgang des Originals zugunsten bloßer Milieuzeichnungen aus den Augen zu verlieren. Doch die herausfordernde Gratwanderung haben die 18, bis auf eine Ausnahme weiblichen Schauspieler, unter Regie von Sylvia Martin und Elke Reiter mit Bravour gemeistert. Mehr noch, sie haben durch eigene spannende Akzente für ein ansprechend hohes Qualitätsniveau gesorgt. Ihr Stück folgt der Anlage des Klassikers, nur wird nicht Hamlets Vater sondern dessen Freund vom eigenen Bruder Kopf (Yvonne Griesinger) ermordet, um die Herrschaft über eine Jugendbande (Lisa Oberbillig, Anne Orth, Nadine Hank, Alexandra Wegel) und die Liebe der Prinzessinnen (Viktoria Hamm, Cassandra Koster) zu gewinnen. Wie im Original wird Hamlet (Esther Agricola) vom Geist des Toten (Clara Bülow) mit Rache beauftragt, stellt sich wahnsinnig, treibt seine Geliebte Ophelia (Lisa Pflästerer) durch Zurückweisung in den Selbstmord, nutzt eine Schauspieltruppe zur Entlarvung des Mörders und ermordet schließlich den Falschen, hier Polo, die rechte Hand Kopfs (Nina Haag). Doch in den Figuren erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten. Denn die sind Straßenkinder, teils aus verwahrlosten Verhältnissen. Ophelias Bruder Lerte (Pascal Mangrich) zum Beispiel ist ein Dealer, Horacia (Violetta Mohr) eine schwangere Kaffeeverkäuferin. Die jugendlichen Darsteller, die allesamt sehr gut in ihre Rollen passen, verkörpern sie als echte Typen, mit viel Liebe zum Detail in Kostüm, Umgangssprache und zeitgenössischen Umgangsriten. Besonders gelungen formen Olga Uchlin und Davina Koster Kopfs Handlanger Kranz und Stern. Herausragend und zu Recht mit der Hauptrolle betraut, agiert Esther Agricola. Wie schon bei "Mädchen in Uniform" überzeugt sie mit großer Bühnenpräsenz. Sie lässt das Publikum an Hamlets Gewissenskampf: "Sein oder Nichtsein...wer würde so viel Erniedrigung auf sich nehmen, wenn man sich mit einem Messer Frieden verschaffen könnte?", teilhaben, sorgt aber auch für Heiterkeit, wenn sie im gespielten Wahnsinn über die Bühne hechtet. Weitere Vorstellung am Donnerstag, 31. Mai , 15.45 Uhr, im Großen Haus des Stadttheaters Trier.