SPAREN
Zum Bericht "Wenn Eigenleistung zum Nachteil wird" (TV vom 11. Oktober) über zurückgeforderte Zuschüsse für Riveris:
Die Findelsatire vom behördlich bestraften Fleiß und Gemeinsinn der Bürger in Riveris erinnert mich an ein Sonntagsmahl, das sich in den letzten Weltkriegstagen in einem Moseldorf zugetragen hat. Am Mittagstisch waren versammelt die vierköpfige Familie und mindestens ebenso viele Gerettete aus Trier und anderen zerbombten Städten. Zur Feier des Tages gab es Quellmänner (Pellkartoffeln) mit guter Butter. Maria (8) und Josef (7) aßen tapfer ihre Kartoffeln, doch ihre Butterklümpchen rührten sie nicht an. Sie hatten Größeres damit vor: aufsparen, um es mit dem letzten Stück Kartoffel zu zerdrücken und so das Mahl mit einer Delikatesse zu krönen. Tante Anna fing schon mal an, das Geschirr abzuräumen. Als sie den Fettteil der Pellkartoffel-Delikatesse vor den Kindern erblickte, bekam sie große Augen, und lauthals verströmte sie erzieherisches Lob: "Guckemal da! O, die braven Kinder! Die haben ihre Butter gespart! Das ist ja großartig!" Die Tante sammelte die Butterstückchen ein - und hatte keine Augen mehr für die hochgelobten, schockierten Sparer. Heinz Joseph Nisius, Trier