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Spendentag für Opfer der Amokfahrt von Johannes Kolz und Henning Wirtz

Hilfsaktion : Trierer Gedenkskulptur für Opfer der Amokfahrt: Am Mittwoch ist Spendentag

Johannes Kolz und Henning Wirtz organisieren eine Benefizaktion zugunsten der Amokfahrt-Opfer. Dabei geht es um ein Kunstwerk, das künftig eine Anlaufstelle zur Erinnerung sein soll.

Wie aus einer impulsiven Zeichnung, in der ein Künstler seine Emotionen ausgedrückt hat, eine große Spendenaktion werden kann, hat der Trierer Cartoonist Johannes Kolz in den vergangenen Tagen erlebt. Eigentlich habe er das Bild der Porta mit einer Träne am 1. Dezember nach der Amokfahrt in Trier nur gemalt, um seine Emotionen auszudrücken. Kolz: „Ich verarbeite alles mit Bildern, egal, ob es etwas Gutes oder Schlechtes ist. Das Bild hat die Emotionen gezeigt, die ich an diesem Tag empfunden habe.“

Doch das war nicht genug für ihn. Und so ist die erste Spendenaktion entstanden. Noch am gleichen Abend hat er eine grafische Version erstellt. Am Samstag kam Kolz die Idee, das Bild zu versteigern. Allerdings mit einem besonderen Hintergedanken: „Ich wollte nichts von dem Geld haben, das bei der Versteigerung zusammenkommt. Es ging einfach nur darum, mit der Grafik Geld für das Spendenkonto der Stadt zu sammeln.“ Der Bieter, der das höchste Gebot von 1801 Euro abgegeben hat, habe das Geld inzwischen auf das Spendenkonto überwiesen.

Mit dem Anruf, der Kolz an diesem Abend noch erreichte, hatte er allerdings nicht gerechnet. Der Steinmetz Henning Wirtz fragte ihn, ob er das Bild der Porta freigeben würde, damit er daraus seine eigene Interpretation machen könnte. „Da war ich ganz überrascht, weil wir uns gar nicht kannten. Aber ich habe natürlich zugestimmt. Und schon am Sonntagabend habe ich ein Bild von der daraus entstandenen fertigen Skulptur bekommen“, erzählt Kolz. Auch die 36 Zentimeter hohe Skulptur sollte versteigert werden, um Geld für das Spendenkonto der Stadt zu sammeln.

  Der Erlös der versteigerten Grafik von Johannes Kolz ging auf das Spendenkonto der Stadt.
Der Erlös der versteigerten Grafik von Johannes Kolz ging auf das Spendenkonto der Stadt. Foto: Johannes Kolz

Was nach der Ankündigung dieser Versteigerung passierte, hatte Kolz ebenfalls nicht erwartet. „Mein Postfach war komplett voll. Ich habe so viele Nachrichten bekommen, dass die Skulptur auf jeden Fall in Trier bleiben muss“, sagt er. So sei er in eine Zwickmühle gekommen. Auf der einen Seite hatte er eine Versteigerung angekündigt. Auf der anderen Seite war es vielen Menschen wichtig, dass die Skulptur der Stadt erhalten bleibt, um ein Teil der Gedenkkultur zu werden.

So habe Kolz sich entschieden, dass es anstelle einer Versteigerung einen Spendentag geben werde. Ein wichtiger Punkt bei dieser Aktion sei, dass er die Bestätigung von Oberbürgermeister Wolfram Leibe bekommen habe, dass die Skulptur in der Stadt aufgestellt werden kann. „Wo genau das sein wird, wissen wir jetzt noch nicht. Das wird sich zeigen, sobald der Spendentag vorbei ist. Aber die Zusage der Stadt haben wir schon“, sagt Kolz.

Auch Henning Wirtz kann noch immer nicht richtig glauben, was sich aus seiner Art, das Geschehene zu verarbeiten, entwickelt hat. Dabei war es eher ein Zufall, wie die beiden zusammengefunden haben: „Nach dem ersten Schock am 1. Dezember haben viele Menschen ihre Profilbilder auf Facebook geändert. Als ich das Bild von Johannes Kolz gesehen habe, hat es mir sofort zugesagt, da es alles gesagt hat, ohne Worte zu brauchen“, erinnert sich Wirtz.

Nach der Versteigerung der Porta-Grafik am Samstag habe er den Kontakt zu Johannes Kolz hergestellt. Nach der Zustimmung sei er am Sonntag in die Werkstatt gegangen, und am gleichen Abend war die Skulptur fertig. „Danach ging es mir ein bisschen besser“, sagt er weiter.

Die Skulptur sei allerdings nicht willkürlich entstanden, sondern sehr bedacht. „Als Material habe ich Balsalt-Lava genutzt, das ist sehr robust. In vielen Hinsichten steht das auch für Trier. Es ist ein dunkler, roher Stein, der zwar kantig, aber trotzdem weich ist. Die hellen Stellen zeigen aber auch Zuversicht und die Zukunft“, erklärt der Steinmetz seine Gedanken zum Material der Skulptur. Außerdem stünde die Römerbrücke ebenfalls auf Balsalt-Lava, das stehe für die Standhaftigkeit der Stadt.

Bei einer Sache sind sich Kolz und Wirtz ebenfalls einig: Die Solidarität und der Zusammenhalt zwischen den Trierern sei seit der Amokfahrt überwältigend gewesen. Beide hatten anfangs nicht damit gerechnet, dass ihre Ideen eine solche Resonanz erhalten würden. Das habe gezeigt, wie die Stadt durch das Geschehene zusammengewachsen sei.

Der Spendentag dauert am Mittwoch, 9. Dezember, bis 21 Uhr auf der Facebookseite von „Alles Trier“. In den dortigen Kommentaren oder in Privatnachrichten kann jeder, der teilnehmen möchte, seinen Spendenbetrag aufschreiben. Das dient dazu, dass Johannes Kolz einen Überblick über den Gesamtbetrag bekommen kann.
Jeder, der mitmachen möchte, überweist den Spendenbetrag seiner Wahl auf das Spendenkonto. Kontoinhaber: Stadt Trier mit Kontozusatz: „Trier steht zusammen“; IBAN: DE83 5855 0130 0001 1217 55; BIC: TRISDE55XXX.