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Spengstoff-Fund in Igel: Staatsanwaltschaft Trier klagt vier junge Männer an

Wollten nur Nervenkitzel : Nach Sprengstoff-Fund in Igel: Staatsanwaltschaft klagt vier junge Männer an

Vier junge Männer sollen explosives Material aus einem Bergwerk in Wellen gestohlen und in Igel gelagert haben. Laut den Ermittlern hatten sie Glück, dass sie sich bei Explosionen nicht selbst verletzt haben.

Igel am 30. Januar: Ein Großeinsatz der Polizei hält das ganze Dorf in Atem und den Verkehr zwischen Deutschland und Luxemburg auf. 300 Menschen müssen auf Anweisung der Polizei ihre Häuser verlassen. Sie werden in der Turnhalle untergebracht. Der Grund: In einem Mehrfamilienhaus gegenüber der Igeler Säule direkt an der B 49 hat die Polizei Sprengstoff gefunden. Die Igeler müssen den potenziellen Explosionsradius verlassen, bevor die Beamten das Material sichern. Die drei Männer, die den Sprengstoff dort gelagert haben sollen, werden festgenommen.

Schon am Tag nach dem Vorfall erwischt die Polizei einen vierten Verdächtigen in Konstanz. Über das Motiv der Sprengstoffdiebe herrscht zunächst Unklarheit, allerdings schließt die Polizei sofort eine politische oder religiöse Motivation aus. Zweieinhalb Wochen später geben die Ermittler bekannt, dass die vier Männer insgesamt 50 Kilogramm Sprengstoff aus einem Bergwerksstollen der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) in Wellen gestohlen und danach Sprengungen auf offenem Feld gemacht haben – aus Nervenkitzel. Zwei der Verdächtigen sind seitdem in Untersuchungshaft, zwei längst wieder auf freiem Fuß.

Drei Monate nach den Vorfällen hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen alle vier Beschuldigten erhoben. Sie sind zwischen 18 und 22 Jahre alt. Drei von ihnen werden des Hausfriedensbruchs, des Diebstahls im besonders schweren Fall und des unerlaubten Umgangs mit Sprengstoffen beschuldigt. Zwei sollen zudem eine Explosion ausgelöst haben. Gegen den vierten Angeschuldigten bestehe nach dem Ergebnis der Ermittlungen lediglich der Tatverdacht des Hausfriedensbruchs, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. „Zwei der Männer sind deutsche, zwei luxemburgische Staatsangehörige.“ Alle wohnten an der Obermosel.

Gefährlicher Sprengstoff-Fund in Igel bei Trier

Laut den Ermittlern haben sich die Angeklagten zwischen Januar und Dezember 2018 mehrfach außerhalb der Betriebszeiten der TKDZ unbefugt Zugang zum Josefstollen in Wellen verschafft. „Bei ihren Aufenthalten kundschafteten sie Gänge und Räume des Werks aus und fuhren zum Teil mit dort befindlichen Werksfahrzeugen umher“, heißt es in der Anklage. Die Angeklagten seien neun Mal in wechselnder Beteiligung unbefugt in den Stollen eingedrungen. Die einzelnen Angeschuldigten seien unterschiedlich oft beteiligt gewesen.

Nach den bisherigen Erkenntnissen geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass die Motivation der Angeschuldigten auf Ideen der sogenannten „Lost-Places“-Szene zurückgeht. Deren Zugehörige sähen einen Reiz darin, verlassene Orte aufzusuchen. Die Lost-Places-Fotografie – zum Beispiel von Bauruinen – muss aber nicht unbedingt mit Hausfriedensbruch verbunden sein. Sie hat sich in den vergangenen Jahren zum Internet­renner entwickelt.

Den zwei Hauptangeschuldigten, einem 18-jährigen Deutschen und einem 21-jährigen Luxemburger, wirft die Staatsanwaltschaft zudem vor, im Januar 2018 aus dem Werk mehrere Ausrüstungsgegenstände gestohlen zu haben. Während der Betriebsferien des Werks im Dezember 2018 sollen sie zusammen mit dem dritten Angeschuldigten, einem 21-jährigen Deutschen, bei zwei Aufenthalten Werkzeuge gestohlen und sich Zutritt zum Sprengstofflager verschafft zu haben. Dort haben sie laut der Anklage etwa 50 Kilogramm Sprengstoff sowie Zünder und Zündverstärker mitgehen lassen. Der 21-jährige luxemburgische Staatsangehörige nahm einen Großteil des Sprengstoffs mit in seine Wohnung in Igel, wo die Ermittler das explosive Diebesgut bei der Durchsuchung am 30. Januar sicherstellte. Einen kleineren Teil der Menge bewahrte der 21-jährige Deutsche bei sich zu Hause im luxemburgischen Grevenmacher auf, wo das gefährliche Material einen Tag nach der Durchsuchung in Igel beschlagnahmt wurde (der TV berichtete).

Die drei letztgenannten Angeschuldigten sollen zudem in wechselnder Beteiligung mit kleineren Mengen des Sprengstoffs an verschiedenen abgelegenen Orten im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Luxemburg auf freiem Feld insgesamt vier Sprengversuche unternommen haben. Bei einem dieser Versuche sollen die Beteiligten nur wenige Meter vom Explosionsort entfernt gewesen sein. Es sei nur ein glücklicher Zufall, dass niemand verletzt worden sei, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Das Jugendschöffengericht entscheidet nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens. Ein Termin zur Hauptverhandlung ist noch nicht bestimmt.