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Sperrung am Trierer Berg: Der Baudezernent erfährt es aus der Zeitung - Kritik an LBM wegen Informationspolitik

Sperrung am Trierer Berg: Der Baudezernent erfährt es aus der Zeitung - Kritik an LBM wegen Informationspolitik

Tag eins der Arbeiten an der Bundesstraße 51 ist vorüber, 41 weitere sollen noch folgen. Bis Mitte Oktober wird unter Sperrung der Fahrtrichtung Bitburg die Mittelspur ausgebessert. Außerdem werden Bauwerke saniert. In Trier-Euren und Trierweiler wird eine Zunahme des Verkehrs zur Eifel auf Nebenstrecken befürchtet.

In den sozialen Netzwerken und in Mails an den Volksfreund lassen viele Autofahrer kein gutes Haar am Landesbetrieb Mobilität (LBM). Es gebe derzeit schon sehr viele Baustellen in der Region (siehe Info), warum dann noch die sechswöchige Vollsperrung am Trierer Berg (B 51), lautet ein Vorwurf. Neben mangelnder Abstimmung wird den Straßenplanern auch angekreidet, sie hätten zu spät über die Sperrung informiert.

Triers Baudezernent Andreas Ludwig habe im Bauausschuss eingeräumt, erst aus der Zeitung von der Sperrung erfahren zu haben, sagt Christiane Probst. Sie ist Mitglied im Trierer Bauausschuss und hat beantragt, dass "nicht zu duldende Kommunikationsverhalten des LBM" zu rügen. Der betreffende TV-Artikel erschien am vergangenen Mittwoch, fünf Tage später - am Montag - war die Bergaufspur bereits dicht. Laut Stadtverwaltung lag die Information des LBM schon früher im Haus vor, sei aber noch nicht zu Ludwig vorgedrungen.

Auch der Trierer Einzelhandel wurde von der Sperrung überrascht. "Das hätte man besser kommunizieren müssen", sagt Benno Skupsch, Vizechef der City-Initiative. "Hätten wir das einige Wochen vorher gewusst, hätten wir über Alternativen wie ein Shuttle-Angebot nachdenken können, jetzt ist es zu spät." Skupsch befürchtet, dass Kunden aus Luxemburg oder dem Bitburger Raum wegen des weiten Umwegs aus der Stadt heraus weniger in Trier einkaufen. Auch die umsatzstarken Herbstferien fallen in die Teilsperrung der "Bitburger". Mitte Oktober, wenn die Herbstferien zu Ende sind, soll auch die Bergspur der B 51 wieder befahrbar sein. Zwischen der Hochschule und der Abzweigung nach Aach wird die Fahrbahn erneuert, Bauwerke werden saniert (der TV berichtete mehrfach).

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt der LBM mit, dass die Stadt Trier und der Einzelhandel erstmals im Februar 2016 über die geplanten Bauarbeiten am Trierer Berg informiert worden seien. Damals sei jedoch der genaue Zeitpunkt und der Ablauf der Arbeiten nicht festgestanden. Vor zehn Tagen habe man sich dazu entschlossen, den Beginn der Sperrung vom 19. September auf den 4. September vorzuziehen, sagt LBM-Fachgruppenleiter Klaus Wagner. Gründe seien "unvorhersehbare technische Probleme" und der "Schutz der Bauarbeiter im Verkehrsraum". Am 25. August habe der LBM die Stadt Trier, die Polizei, die Rettungsleitstelle und die Träger des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV)) über den Zeitpunkt des Baubeginns informiert.

Verständnis für die Notwendigkeit der Bauarbeiten bringt TV-Leser Jörg Klein aus Schweich-Issel auf. Doch hätte er es intelligenter gefunden, den Autofahrern die Bergaufspur zu lassen und stattdessen talwärts zu sperren. Dann gebe es weniger Staus an der Biewerbachbrücke, weil die B.52 in Richtung Mosel zweispurig ausgebaut sei. In Fahrtrichtung Eifel, so wie die offizielle Umleitungsstrecke bis Mitte Oktober verläuft, steht dagegen im Brückenbereich nur eine Fahrspur zur Verfügung. Klein: "Staus gibt es ja hier schon im normalen Berufsverkehr, und jetzt kommen noch Tausende Fahrzeuge hinzu."Den Richtungsverkehr zu drehen, das habe man durchgespielt, aber verworfen, sagt dazu Klaus Wagner. Wichtigstes Argument für die Beibehaltung der Talspur sei die Versorgung von Notfallpatienten. "Die ungehinderte Zufahrt zu den Trierer Krankenhäusern muss gewährleistet sein", so der LBM-Sprecher. Eine Rolle habe auch gespielt, dass der talwärtige Verkehr LKW-frei sei.

TV-Leser Hugo Wust hat sich die Mühe gemacht, die finanziellen Auswirkungen der sechswöchigen Sperrung am Trierer Berg auszurechnen. Bei rund 20.000 Fahrzeugen täglich und einem Umweg von 20 Kilometern bedeute das an Werktagen ein Mehraufkommen von zwölf Millionen Kilometern. Jeder betroffene Autofahrer habe eine Mehrbelastung von 180 Euro, so Wust.

Apropos Mehrbelastung: Die Vollsperrung der B 51 im Sommer 2012 hat gezeigt, dass viele Autofahrer über Nebenstrecken ausweichen. Beispielsweise über Euren oder den Markusberg bis nach Trierweiler und von dort weiter zur B 51 bei Neuhaus. "Das wird gravierend für uns", befürchtet Trierweilers Ortsbürgermeister Matthias Daleiden auch für die nächsten sechs Wochen jede Menge Schleichverkehr.

Liebe Leser, uns interessiert Ihre Meinung zur Sperrung der B 51 oder zu anderen Baustellen in der Region. Schreiben Sie uns an die Mailadresse echo@volksfreund.de , wo Sie derzeit Probleme auf den Straßen haben und was man Ihrer Meinung nach besser machen könnte.

Info: Was ist gemacht, was steht noch an?

Nach Mitteilung des LBM sind die Wochenend-Baustellen an der A.64, Abfahrt Trier, und an der Autobahnanschlussstelle Longuich (Auffahrt zur A.602) am Sonntagabend wie vorgesehen abgeschlossen worden.
Die Sanierung der Abfahrt Bitburg auf der A.64 in Fahrtrichtung Luxemburg soll Ende Oktober erfolgen. Sie wurde wegen der Sperrung am Trierer Berg verschoben.
Heute, Dienstag, wird die Grenzbrücke Wasserbillig (B.49) zwischen 9 und 15 Uhr halbseitig gesperrt. Grund sind Routineuntersuchungen. Die Sanierung der B.49 zwischen Igel und Trier-Zewen ist Mitte September geplant.
Einen Überblick über die wichtigsten Baustellen der Region bietet der TV am kommenden Freitag.
Kommentar

An der Mittelspur der „Bitburger“ wird mächtig Staub aufgewirbelt. Fahrbahn und Bauwerke werden saniert. Bis Mitte Oktober soll die Bergspur gesperrt sein. Talwärts kann der Verkehr rollen. TV-Foto: Friedemann Vetter Foto: Friedemann Vetter

Wechselspuren würden weiterhelfen

Von Albert Follmann

Es war ja "nur" eine Teilsperrung. Vielleicht hat man ja deshalb beim LBM keine so offensive Informationspolitik betrieben wie bei der Volllsperrung am Trierer Berg vor fünf Jahren. Damals wussten alle, was auf sie zukommt. So sollte es sein, wenn wichtige Verkehrsadern zur Baustelle werden.

Doch losgelöst von der Frage, wer hier welche Fehler gemacht hat, zeigt die B 51 wieder einmal, wie hilflos man solchen Sperrungen ausgeliefert ist. Dabei gibt es durchaus Maßnahmen, wie man den Verkehrsfluss verbessern kann. Und dafür muss man auch nicht gleich neue Straßen bauen. Das Nadelöhr Biewerbachbrücke, wo es drei Spuren gibt, eine in Richtung Luxemburg und zwei in Richtung Mosel, ließe sich mittels Verkehrsleittechnik und Wechselspuren entschärfen. Morgens im Berufsverkehr hätten die Luxemburg-Pendler zwei Spuren zur Verfügung, abends die Heimfahrenden. Jetzt wäre man froh damit …
a.follmann@volksfreund.de