Spirituelles auf Papier

Ein neuer Katalog erfasst lateinische Handschriften aus dem Augustiner-Chorherrenstift Eberhardsklausen, die sich in der Trierer Stadtbibliothek befinden. Entstanden sind die 69 Schriften, darunter Texte des Kirchenvaters Augustinus, zwischen dem zwölften und 16. Jahrhundert.

Trier. Die Eifelgemeinde Klausen, ein bekannter Wallfahrtsort mit einer spätgotischen Marienkirche, ist auch der Standort des Klosters Eberhardsklausen. Im Jahr 1461 geweiht und in den Windesheimer Klosterverband aufgenommen, entwickelte es sich schnell zu einer Stätte der Gelehrsamkeit, der Erneuerung kirchlichen und religiösen Lebens. "Es war eine Regel der Augustiner Chorherren, viele Schriften anzufertigen", erläutert Michael Embach, der Leiter der Stadtbibliothek. "Dies diente der Kontemplation und der spirituellen Erbauung." Bis zum ersten Drittel des 16. Jahrhunderts seien so zahlreiche Handschriften entstanden. 69 lateinische Handschriften, die heute in der Trierer Stadtbibliothek liegen, sind nun in einem neuen Katalog erfasst worden, der im Harrassowitz Verlag erschienen ist. Gefördert wurde er von der Deutschen Forschungsgemeinschaft; im Jahr 1996 ist bereits ein Katalog deutscher und niederländischer Handschriften bis 1600 der Stadtbibliothek erschienen.Ein guter Bearbeiter schafft 20 bis 30 Schriften im Jahr

"Die Handschriften des Mittelalters gehören zum innersten Kern unserer kulturellen Überlieferung", sagte Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink. Sie trügen das Wissen einer ganzen Epoche in sich und seien Zeugnisse tiefer Gelehrsamkeit. Kurt Heydeck, der den Katalog gemeinsam mit Giuliano Staccioli in der Staatsbibliothek zu Berlin angefertigt hat, stellte ihn in der Stadtbibliothek vor. Der Band sei der erste von zwei Teilen und enthalte Bibelkommentare, Kirchenvätertexte und Traktate; hervorzuheben seien etwa die Handschriften des Bürener Pfarrers Johannes Pilter. Über 75 Jahre lang habe rund ein Dutzend Schreiber daran gewirkt: "Die Leistungen des Eberhardsklausener Skriptoriums und der klösterlichen Buchbinderei sind hoch zu veranschlagen", sagte Heydeck.Eef Overgaauw, der Leiter der Handschriftenabteilung der Berliner Staatsbibliothek, erläuterte das Handschriften-Katalogisieren in Deutschland. Mitte des 19. Jahrhunderts habe man begonnen, die Bestände zu erschließen. Wichtig seien dabei der Inhalt, die Geschichte und die materiellen Aspekte der Handschriften. Neben Fachwissen und Intuition sei auch Durchhaltevermögen gefragt: "Ein guter Bearbeiter schafft 20 bis 30 Handschriften im Jahr." Über die Hälfte der rund 65 000 in Deutschland befindlichen mittelalterlichen Handschriften sei bereits gut katalogisiert.