Sponsoren dringend gesucht - Wer hilft dem Kulturhafen?

Kultur : Wer hilft dem Trierer Kulturhafen?

Die Bilanz für die Premiere des Umsonst-und-draußen-Festivals am Zurlaubener Ufer ist positiv. Ohne Sponsoren wird es mit der erwünschten Neuauflage allerdings schwierig.

Die neue Treppenanlage am Zurlaubener Ufer ist bei schönem Wetter ein Magnet. Gegenüber den roten Felsen von Pallien entspannen Einheimische und Touristen auf den neuen Holzbänken. So war es auch bei der Premiere des Festivals „Kulturhafen“ im September, zu dem zehn Akteure unter der Federführung der TTM (Trier Tourismus und Marketing GmbH) eingeladen hatten. Konzerte von Klassik bis Rap, Theater und Freiluft-Kino zogen 6800 Besucher an. Doch nach dem positiven Auftakt geht es nun um die Frage: Wird es eine Wiederholung geben?

Einfach zu beantworten ist das nicht. Das zeigt sich am Mittwochabend bei der Diskussion im Kulturausschuss. Die Stadt Trier hatte für die Premiere einen Zuschuss von 30 000 Euro gewährt. „Das wird auf Dauer nicht möglich sein“, macht Kulturdezernent Thomas Schmitt unmissverständlich klar. Fraglich sei zudem, ob Pro Music erneut die Bühne kostenlos zur Verfügung stellen werde, für die dank des Festivals ein Platz vor der Freitreppe gefunden wurde. Wie TTM-Chef Norbert Käthler versichert, ist nun alles vorbereitet, um jederzeit an dieser Stelle eine Bühne aufstellen zu können. Möglich geworden sei das durch die Neugestaltung des Uferbereichs und die Einigung mit den Schifffahrtsbetrieben.

14 Tage Kultur, 32 Angebote mit jeweils 100 bis 700 Besuchern, 200 Künstler. Alles umsonst und draußen. Nicht nur der organisatorische Aufwand ist für eine solche Veranstaltung groß. Auch weil die Bühne an dieser Stelle – anders als zum Beispiel im abschließbaren Brunnenhof – nicht unbewacht bleiben kann, entstehen Fixkosten, die von der Stadt aus ihrem Budget für freiwillige Leistungen nur im Ausnahmefall übernommen werden.

„Wir können an dieser Stelle wegen der öffentlichen Lage keinen Eintritt verlangen“, verdeutlicht Kulturdezernent Schmitt ein Problem. Denkbar sei das in Zukunft lediglich für die Sitzplätze auf der Treppe. Die Bitte, sich mit dem Kauf von Solidaritätsbuttons an den Kosten zu beteiligen, sei nur bei wenigen Gästen angekommen. Nicht gut zu sprechen ist Schmitt angesichts dieser Situation auf die Zurückhaltung der Gastronomiebetriebe in Zurlauben. „Ich würde schon erwarten, dass sich diejenigen finanziell beteiligen, die davon auch profitieren.“

Neuen Rückenwind bekommt das Projekt Kulturhafen durch das mögliche Ende des Moselfests (der TV berichtete mehrfach). „Wir können Zurlauben ja nicht ohne Veranstaltung lassen“, appelliert der Kulturdezernent an mögliche Sponsoren. Denkbar sei auch eine Kooperation mit anderen Veranstaltungen.

Diese Einschätzung wird von den Mitgliedern des Kulturausschusses geteilt. Die Bierbörse oder ein Moselfest mit geändertem Konzept werden genannt. „Wie können wir Sponsoren gewinnen?“, fragt Markus Nöhl (SPD), der von der Stimmung an diesem „neuen Kultur­ort“ begeistert ist. Ulrich Dempfle (CDU) sieht das ähnlich. „Im Zweifelsfall müssen wir es aber sein lassen“, formuliert er im Sinne des Gremiums. „Denn aus dem Kulturetat der Stadt Trier ist ein Zuschuss von 30 000 Euro nicht dauerhaft möglich.“

Projektmanager Wolfram Esser, der das vielfältige Programm des Kulturhafens im Auftrag der TTM koordiniert hatte, beteiligt sich an diesen Diskussionen nicht. Seine Bilanz der Premiere ist allerdings eindeutig: „Alle Beteiligten haben sich sehr positiv geäußert. Und die Besucher haben es sehr genossen.“

Kulturwandertag Bessere Chancen auf eine Wiederholung hat der Kulturwandertag, der am 19./20. September seine Premiere feierte. Finanziert durch die Nikolaus-Koch-Stiftung (10 000 Euro) hatten 13 Institutionen, darunter die Hochschule, die Tufa, das Stadttheater und die TTM, für Schüler aller Klassen und aller Schulformen insgesamt 184 Angebote gemacht, zum Beispiel Workshops, Führungen und freie Eintritte zu den Welterbestätten. Wie Stephanie Frauenkron vom Amt für Kultur bilanziert, sind 104 dieser Angebote gebucht worden. „Wir hatten insgesamt 1678 Teilnehmer. Die Rückmeldung der Lehrkräfte ist sehr positiv. Alle würden erneut teilnehmen.“ Befragt worden seien auch die Schüler. Diese Auswertung liege aber noch nicht vor.

Nach den positiven Erfahrungen soll ein solches Angebot jährlich verstetigt werden. Dieser Meinung sind auch die Mitglieder des Kulturausschusses. Die Idee, einen Kulturwandertag für alle Trierer Schulen verpflichtend zu machen, wird aber nicht geteilt. Das sei allein von der Menge (42 Schulen mit 866 Klassen) nicht zu bewältigen. Einig ist der Ausschuss auch in einer anderen Frage, auf die Kulturdezernent Thomas Schmitt die Antwort formuliert: „Für Klassen aus dem Kreis können wir dieses Angebot nur gegen Bezahlung öffnen.“

Mehr von Volksfreund