Sportgerät Sonnenbrille

TRIER. Poker boomt in Fernsehen, Internet und zu Hause. Ein Onlinecasino und ein Spielerverband luden jetzt zum Turnier in das Hotel Deutscher Hof. Als Gewinn bei den "City Championchips" winkte die Teilnahme an einem Profi-Turnier.

In dem schummrigen, rauchverhangenen Hinterzimmer sitzen um einen runden Tisch fünf Männer mit Karten in den Händen. In ihrer Mitte ein Haufen aus Geldscheinen, Uhren und Autoschlüsseln. Wer jetzt verliert, verliert alles. Als die Karten schließlich offen gelegt werden, wird so manches Pokerface blass. Soweit das Klischee aus Hollywood. Die Realität sieht heute anders aus: Poker ist ein Sport! Deswegen wird draußen geraucht, und die Tische sind zwar rund, aber davon stehen gleich zehn Stück im hellen Saal im Hotel Deutscher Hof. Strategisches Element ist sehr hoch

Spielleiter in weißen Hemden überwachen den Verlauf, Geber an den Tischen teilen die Karten aus, und wer mit dem Auto angereist ist, wird mit diesem wohl auch wieder nach Hause gefahren sein: Das "Startgeld" bei den "City Championchips 2007" beträgt 15 Euro, wobei keine Chips zugekauft werden können. Und gewonnen werden dürfen außerhalb von Casinos nur Sachpreise - die sind aber für Pokerfans heute durchaus verlockend, winkt doch die Teilnahme an Weltklasse-Turnieren wie dem European Poker Tournament (EPT) in Dortmund. Doch zunächst gilt es, das "Multi-Table"-Turnier in Trier zu überstehen. Dabei spielen jeweils zehn Spieler an zehn Tischen. Wer seine Jetons verspielt hat, verlässt den Tisch, und die Übriggebliebenen jedes Tisches bilden die Stadtauswahl beim Finale in Böblingen, wo es dann um die Teilnahme an den Welt-Turnieren geht. Veranstalter sind die "German Players Association", also die Vereinigung deutscher Pokerspieler, sowie der Onlinepoker-Anbieter "Everest". Dessen Sprecher Olaf Schimpf erklärt den Pokerboom, der die Republik real und online erfasst hat: "Poker ist spannend, es ist emotional und leicht zu lernen." Fernsehübertragungen der großen Events verzeichnen Spitzenquoten. Viele der Turnierteilnehmer in Trier spielen zum Spaß - wie Martin Adrian aus Konz, der sein Pokerface mit einer Sonnenbrille bedeckt: Er pokert seit etwa einem Jahr mit Freunden im privaten Kreis und freut sich, mal an einem richtigen Casinotisch mit professionellem Geber spielen zu können.Familie Helbig fährt zum Finale

Beim "Texas-Hold'Em", der in Trier gespielten Pokervariante, sei das strategische Element sehr hoch, versichert Olaf Schimpf. Da die gesamte Hand aus offenen und verdeckten Karten kombiniert wird, könne ein erfahrener Spieler beispielsweise Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Kombinationen überschlagen. Das Erfolgsgeheimnis bestehe zudem oft darin, diszipliniert eine schlechte Hand frühzeitig aufzugeben. Die nötige Disziplin liegt bei den Helbigs aus Trier offensichtlich in der Familie: Vater Peter wird mit den Söhnen Christian und Marcel zum Finale fahren. Der beste Spieler des Tages wurde auch ehrenhalber ermittelt und kommt nicht aus Trier: Roberto Murgia aus Mannheim bezwang nach fünf Stunden Marius Pospiech.