Sportler im Freibad Trier-Nord schwimmen über der alten Abtei

Kostenpflichtiger Inhalt: Geschichte : Sportler im Freibad Trier-Nord schwimmen über der alten Abtei

Wo das Freibad Trier-Nord zum Sport einlädt, stand früher das Kloster St. Marien. Davor waren schon die Römer da.

Wer durch die Dauerausstellung des Stadtmuseums Simeonstift streift, findet dort viel Belege, wie die Stadt Trier in vergangenen Jahrhunderten ausgesehen hat. Ein Aquarell von Johan Lothary aus dem Jahr 1794 zeigt, wie das Kloster St. Marien, eine der vier einst mächtigen Benediktinerabteien der Stadt, im 18. Jahrhundert das Moselufer im Norden mit seinen mächtigen barocken Gebäuden dominiert hat.

Wer diese heute sucht, findet lediglich den alten Ostflügel, der seit 1972 als Jugendzentrum Exhaus genutzt wurde. Wo die Kirche und der Westflügel standen, liegt heute das Freibad Trier-Nord. Dort machen sich im Herbst Archäologen des Landesmuseums auf die Suche nach handfesten Belegen des Klosters und der Vorbauten aus römischer Zeit.

Die Aufzeichnungen der Grabungen unter Friedrich Kutzbach aus den 1930er Jahren belegen, wo die Apsis der Klosterkirche lag: Im Bereich der Herrenduschen und Funktionsräume des heutigen Freibads. . Foto: Rainer Neubert

„Wir werden in Vorbereitung der geplanten Sanierung des Bades auf einer Fläche von etwa 250 Quadratmetern graben“, bestätigt Chef-Archäologe Joachim Hupe. „Wir gehen mit einem Minibagger zwar nur 1,5 Meter in die Tiefe. Aber vermutlich werden wir dabei das römische Niveau der Vorbebauung erreichen.“

Wenig ist über die spätantike Siedlung vor den Toren der Stadt bekannt, die sich hier befand. Vor allem dem früheren Stadtkonservator Friedrich Kutzbach (1873 bis 1942) sind diese Erkenntnisse zu verdanken. Denn beim Ausbau des Strandbads an der Mosel untersuchte er in den Jahren 1933/34 mit seinen Mitarbeitern in Stichgrabungen das Gelände zwischen dem Fluss und dem alten Ostflügel. Genau an der Stelle, über der sich heute das Büro von Schwimmmeister Thomas Schmitt befindet, wurden Reste der Kirchenapsis und auch eines römischen Gewölbes gefunden. Ein 1936 errichteter Schutzbau mit betonierter Decke bewahrt seitdem zumindest diesen Teil der alten Mauern.

Da für das große Freibad-Areal und die angrenzenden Grundstücke aber erst seit dem Jahr 2011 Grabungsschutz besteht, sind so gut wie keine Erkenntnisse vorhanden, was beim Bau des Freibads im Jahr 1956 entdeckt beziehungsweise abgeräumt wurde. Denn in den Jahrzehnten nach dem Krieg wurde bei Bautätigkeiten in der Regel wenig auf die Reste der römischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Vorbebauung geachtet. „Wir werden im Bereich des Schwimmbeckens und der großen Wassertanks nichts mehr finden“, glaubt Archäologe Hupe.

Foto: Rainer Neubert

Er ist dennoch sicher, dass sich dort einst ein repräsentatives römisches Wohngebäude befand, vielleicht sogar eine große Villa. Darauf lassen einige Funde aus der Kutzbach-Sondierung schließen: „Marmor und Achatplättchen deuten auf Wohlstand hin“, sagt Hupe. Er verweist zudem auf Grabungen der Jahre 2014/2015 im wenig entfernten Bereich der ehemaligen französischen Kaserne Feuvrier, wo die Reste eines Brunnens, von Gräben, Wegen und ein kleiner Friedhof gefunden wurden. In einigen der Steinsarkophagen fanden sich hochwertige Grabbeigaben. „Wir gehen davon aus, dass sich hier ein kleiner Vorort des römischen Triers befand“, sagt Hupe.

Auf den Überresten der Villa wurden vermutlich im 6. Jahrhundert die erste Kirche gebaut. Im karolingischer Zeit errichteten dann Benediktiner das Kloster, dessen Front zur Mosel zeigte. Mindestens bis 975 wurden hinter dem Hauptaltar der Abteikirche die Gebeine des im 7. Jahrhundert verstorbenen Heiligen Beatus von Trier verwahrt. Das Kloster wurde im Lauf der Jahrhunderte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Dabei erhielten die Vorgängerbauten oder deren Reste jeweils das Aussehen nach dem aktuellen Baustil. Gemeinsam mit St. Maximin, St. Matthias und St. Martin war St. Marien eine der vier mächtigen Benediktinerabteien der Stadt Trier, die allesamt um das Jahr 1802 durch Kaiser Napoleon I. aufgelöst wurden. Drei Jahre später begann der Abriss der barocken Kirche und der angrenzenden Klostergebäude.

Foto: Rainer Neubert

Die Sanierung des Freibads Trier-Nord bietet nun die Chance, zumindest etwas mehr über bauliche Vergangenheit von St. Marien zu erforschen. Wirklich große Funde erwartet Joachim Hupe allerdings nicht. „Wir werden mit unseren präventiven Grabungen in 14 Tagen fertig sein.“ Für das neue Planschbecken und eine Doppelrutsche sollen dann die Vorarbeiten erledigt werden. Bevor dann Sanierung und Umbau des Freibads starten, wird mindestens eine Schwimmsaison über dem einst geweihten Boden folgen.

Foto: Rainer Neubert

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